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Schatten auf dem Murdoch-Erben

Als James Murdoch am Donnerstag im Auftrag seines Vaters Rupert das Ende der traditionsreichen Boulevardzeitung „News of the World“ verkündet hat, hat er wohl gehofft, damit einen Schlusspunkt unter den Abhörskandal setzen zu können. Einem Bericht der britischen Zeitung „Guardian“ zufolge dürfte es für ihn jedoch noch ein unangenehmes Nachspiel geben.

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Murdoch sitzt als Chef von News International bereits ganz oben im Firmenimperium. Nicht nur deshalb wird erwartet, dass der 38-Jährige eines Tages in die Fußstapfen seines erfolgreichen Vaters treten und das gigantische Firmenimperium übernehmen wird. Doch als Chef der britischen Medientochter ist nun auch Murdoch Jr. mitten im Abhörskandal angekommen. Ihm drohen Anklagen sowohl nach britischem als auch nach US-amerikanischem Recht.

Außergerichtliche Deals angeboten

So soll Murdoch versucht haben, mit den Opfern der Abhöraffäre eine außergerichtliche Einigung zu erzielen und zudem das britische Parlament wiederholt falsch oder unzureichend informiert haben. Murdoch hat die Vorwürfe gegen ihn bereits zugegeben, betonte aber, dass er diese Dinge „ohne Kenntnis der ganzen Fakten“ getan habe.

Anklage dies- und jenseits des Atlantiks

Sein Eingeständnis gepaart mit dem Vorwurf der Bestechung eines hochrangigen britischen Polizeioffiziers könnte dem ehrgeizigen Manager noch einiges an Schwierigkeiten einbringen. Denn die gegen ihn gerichteten Vorwürfe sind sowohl nach dem britischen als auch dem US-amerikanischen Recht strafbar. In beiden Fällen drohen dem Unternehmen und in weiterer Folge auch ihm selbst empfindliche Strafen.

Abhöraffäre

Journalisten sollen Tausende Telefone abgehört haben, unter anderem von Verwandten getöteter britischer Soldaten und vermisster Kinder sowie den Todesopfern der Bombenanschläge 2005 in London. Zuletzt wurden von der „News of the World“ jeden Sonntag rund 2,6 Millionen Exemplare verkauft. Nach 168 Jahren wurde die Zeitung nun eingestellt.

Laut dem ehemaligen britischen Innenminister Alan Johnson, der maßgeblich an dem derzeitigen Justizsystem mitgearbeitet hat, sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Murdoch vor Gericht muss. Wie er dem britischen Sender BBC erklärte, käme hier die Haftung von Vorgesetzten bei kriminellen Delikten zum Tragen.

Nachdem die Muttergesellschaft News Corporation aber de facto ein amerikanisches Unternehmen ist, könnte Murdoch auch unter dem „Foreign Corrupt Practices Act“, einem US-Gesetz, das Zahlungen und Wertgeschenke an ausländische staatliche Amtsträger verbietet, angeklagt werden. Der „Guardian“ zitiert in diesem Zusammenhang den US-Justizexperten Mike Koehler. Er wäre „sehr überrascht“, wenn sich die US-Behörden in diesem Fall nicht einschalten würden, so Koehler.

Milliardengeschäft in Gefahr

Für Murdoch kommt der Abhörskandal zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Denn seit einem Jahr arbeitet er bereits an der Übernahme des britischen PayTV-Senders BSkyB. Der Zwölf-Milliarden-Deal wäre nicht nur der größte in seiner Karriere, sondern gleichzeitig der größte in der Firmengeschichte. Doch nun hagelt es Einsprüche gegen die Übernahme.

Nachdem die Regierung von Premierminister David Cameron bereits ihr vorläufiges Okay gegeben hatte, sollte ursprünglich Medienminister Jeremy Hunt am Freitag grünes Licht geben. Doch wegen 135.000 Beschwerden werde die Prüfung nun noch einige Zeit in Anspruch nehmen, teilte Hunts Ministerium mit.

Abhöraffäre als böses Stigma

Viele Bürger fürchten, dass Murdoch mit BSkyB noch mehr Einfluss auf die Politik und die öffentliche Meinung im Königreich gewinnen könnte. Aufzuhalten ist der Kauf auch nach Aussagen von Medienexperte Steve Hewlett nicht mehr. „Jeremy Hunt und sein Team haben sich das im Detail angeschaut und sind recht überzeugt, dass keines der Vorkommnisse bei der ‚News of the World‘ auf juristischem Wege mit der Übernahme von BSkyB in Verbindung gebracht werden kann“, sagte er.

Doch für James Murdoch dürfte der Traum von einem glanzvollen Start als neuer Chef des weltweiten Mediengiganten wohl ausgeträumt sein. Auch wenn der Deal problemlos über die Bühne geht, und er eines Tages seinen 80-jährigen Vater beerben wird, er wird wohl immer in Erinnerung bleiben, als der Murdoch, der damals in die Abhöraffäre verstrickt war.

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