USA brauchen starke EU
US-Finanzminister Timothy Geithner verlangt von den Staaten Europas größere Anstrengungen zur Bewältigung der Schuldenkrise in Griechenland und anderen Ländern. „Sie müssen mehr tun als das, was sie getan haben“, sagte Geithner.
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Die Regierungen in Griechenland, Irland und Portugal hätten harte wirtschaftliche Reformen begonnen. Europa müsse nun für eine größere finanzielle Rückendeckung sorgen, damit diese Schritte ihre Wirkung entfalten, betonte Geithner am Freitag (Ortszeit) gegenüber dem Fernsehsender CNBC.
Zuvor hatten die EU-Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel in Brüssel dem Schuldensünder Griechenland ein neues Hilfspaket in Aussicht gestellt. Außerdem will die Europäische Union (EU) dem Wirtschaftswachstum des Landes mit der schnelleren Auszahlung von Mitteln aus den EU-Fördertöpfen auf die Sprünge helfen. Zugleich allerdings machen die EU-Partner Druck auf Regierung und Opposition in Athen, einen strikten Sparkurs einzuschlagen.
Kritik an Bankensystem in EU
Geithner kritisierte die Europäer zudem dafür, ihr Bankensystem nach der Finanzkrise nicht ausreichend reformiert zu haben. Im Bankensektor habe Europa „viele Probleme gehabt, und auf gewisse Weise haben sie es schlimmer gemacht als wir“, so Geithner am Freitag bei einer Konferenz in Hanover im US-Bundesstaat New Hampshire. Er forderte von Europa weitere Konsequenzen. Die Europäer seien gegenüber den USA „sehr im Verzug, um das zu regeln“.
„Die Europäer haben ihre Bankensysteme wachsen lassen, bis sie sehr massiv im Vergleich zur Größe ihrer Volkswirtschaften waren“, sagte Geithner. Im Vergleich mit den USA sei das Problem „viel, viel größer“ gewesen. Der Finanzminister räumte aber ein, dass die Regulierung der US-Banken wie im Rest der Welt ungenügend gewesen sei, was 2008 die Finanzkrise ausgelöst habe.
Schuldenobergrenze erreicht
Die US-Regierung hat die zulässige Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar bereits erreicht, und das Finanzministerium kann einzelnen finanziellen Verpflichtungen derzeit nur noch über Ausnahmeregelungen nachkommen.
Obama schaltet sich ein
Die USA kämpfen selbst mit einem exorbitant hohen Defizit und sind aktuell in einen tiefen Streit über das nächste Budget verstrickt. Bis 2. August haben Demokraten und Republikaner noch Zeit, einen Kompromiss zu finden, dann geht nach eigenen Angaben der US-Regierung das Geld aus. Sämtliche große Ratingagenturen drohten für diesen Fall in den letzten Wochen entweder mit einer Herabstufung des erstklassigen Schuldnerratings oder zumindest mit einer Verschlechterung des Ausblicks.
US-Präsident Barack Obama schaltet sich nun selbst direkt in den Budgetstreit des Kongresses ein und lud die beiden Parteiführer im Senat, Harry Reid (Demokraten) und Mitch McConnell (Republikaner) für Montag zu einem Gespräch ins Weiße Haus. In dieser Situation kommen die Belastungen durch die europäische Schuldenkrise für die weiter labile US-Wirtschaft zur falschen Zeit.
Belastung für US-Börsen
Neue Sorgen um die Schuldenkrise in Europa belasteten zum Wochenausklang neben Kursverlusten bei Technologieaktien die US-Börsen. Zwar waren frische Wirtschaftsdaten aus den USA erfreulich ausgefallen, Händlern zufolge mieden Anleger angesichts der Unsicherheiten um Griechenland am Freitag aber das Risiko. Sie zogen sich vor dem Wochenende weiter aus dem Aktienmarkt zurück.
Der Dow Jones Industrial setzte seine negative Tendenz der vergangenen beiden Handelstage fort und schloss 0,96 Prozent tiefer bei 11.934,58 Punkten. Damit fiel der Leitindex wieder unter die Marke von 12.000 Punkten zurück. Die Unsicherheiten um Griechenland wirkten sich vor allem auf den Kurs der US-Banken negativ aus. Aktien der Bank of America büßten 1,77 Prozent auf 10,52 Dollar ein und jene von J.P. Morgan gaben um 1,45 Prozent auf 39,49 Dollar nach.
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