„Noch in der Experimentierphase“
Das Terrornetzwerk Al-Kaida plant Anschläge in Deutschland. Diese Annahme belegen laut deutschen Ermittlern aktuelle Erkenntnisse. Ein Beleg dafür ist die Festnahme von drei mutmaßlichen Al-Kaida-Mitgliedern Ende April in Düsseldorf und Bochum. Sie sollen bereits konkret einen Sprengstoffanschlag in Deutschland vorbereitet haben, wie die Behörden bekanntgaben.
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Es habe aber noch kein genaues Anschlagsziel gegeben, sagte der stellvertretende Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum. Das Ziel hätten etwa Veranstaltungen im Großraum Düsseldorf sein können. Die Festgenommenen seien aber „noch in der Experimentierphase“ gewesen. Laut Griesbaum war geplant, einen mit Metallteilen versetzten Sprengsatz in einer größeren Menschenmenge zur Explosion zu bringen.

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Polizisten stellen in der Wohnung eines Verhafteten Beweismaterial sicher.
Die drei Verdächtigen beschäftigten sich laut den Ermittlern bereits konkret mit dem Bombenbau. Sie hätten auch repräsentative Gebäude besichtigt und sich im Internet Anleitungen zum Bombenbau heruntergeladen. „Wir haben aber keine Anhaltspunkte dafür, dass einer der Täter sich als Suizid-Attentäter einsetzen lassen wollte“, erklärte der Präsident des deutschen Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke.
Keine Entwarnung
Bei den Verdächtigen handelt es sich um einen 31-jährigen Deutsch-Marokkaner, der als Elektriker arbeitete, und einen 19-jährigen Deutsch-Iraner, der kurz vor der Matura stand. Der dritte Beschuldigte, ein 29-jähriger Marokkaner, soll laut Ermittlern 2010 von einem hochrangigen Al-Kaida-Mitglied den Auftrag für einen Anschlag in Deutschland bekommen haben. Dieser Hauptbeschuldigte habe sich seit November 2010 illegal in Deutschland aufgehalten, so Ziercke. Dabei wollte er offenbar die Vorbereitungen für das Attentat treffen. Er soll sich in einem Al-Kaida-Ausbildungslager im pakistanischen Waziristan aufgehalten haben. Es habe auch Verbindungen nach Österreich, Marokko und in das Kosovo gegeben.
Sieben bis acht Beteiligte
Bei der Festnahme habe der Chef der Zelle heftigen Widerstand geleistet. Mit einem Messer sei er auf einen Beamten der Eliteeinheit GSG 9 losgegangen, aber rasch überwältigt worden. Das BKA hatte dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ zufolge einen „Trojaner“ für eine Onlinedurchsuchung sowie eine Software für eine Telekommunikationsüberwachung auf dem Rechner des Hauptverdächtigen installiert. Gegen ihn liegt bereits ein Haftbefehl vor.

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Einer der drei Terrorverdächtigen
Den Ermittlungen zufolge soll es sich um ein Netzwerk von sieben bis acht Beteiligten gehandelt haben. „Aber es können auch mehr sein“, sagte Ziercke. Entwarnung gebe es noch keine. Der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich hatte betont, dass durch die Festnahme eine „konkrete und bevorstehende Gefahr durch den internationalen Terrorismus“ habe gebannt werden können.
Hinweise aus Marokko
Der Anschlag in Marrakesch in Marokko wenige Tage zuvor mit 16 Toten hätte laut Ziercke ein stimulierendes Ereignis für die Festgenommenen sein können. Der Anschlag wurde von den Verhafteten auch begrüßt. Den ersten Hinweis auf die drei mutmaßlichen Al-Kaida-Mitglieder habe der marokkanische Geheimdienst geliefert, berichtete das Magazin „Focus“. Allerdings soll laut „Spiegel“ an den monatelangen Ermittlungen neben deutschen und marokkanischen Behörden auch die CIA beteiligt gewesen sein.
Die Festgenommenen sollen schon länger im Fokus der Ermittler gestanden sein. Für die Nacht zum Freitag sollen sie eine Art Testlauf geplant haben, um die Wirkung des Sprengstoffs zu erproben, berichtete die Tageszeitung „Welt“. Dabei habe es sich aber noch nicht um einen Terrorschlag gehandelt. Zwar wurde der Test verschoben, dennoch entschieden sich die Ermittler für den Zugriff.
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