Jugend nach Krise im „Abwärtsstrudel“
Dass ein Land nach dem anderen von Protesten der Jugend erfasst wird, muss die Regierungen eigentlich nicht verwundern. Dann angesichts von Rekordarbeitslosigkeit hatten bereits im Vorjahr UNO und Internationaler Währungsfonds (IWF) vor einer „verlorenen Generation“ gewarnt, auf deren Rücken die Wirtschaftskrise bewältigt wird.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Während 2010 schon in vielen Ländern eine Erholung auf dem Arbeitsmarkt abzusehen war, konstatierte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), dass die Jugend stark im wirtschaftlichen Abwärtsstrudel stecke. Die Genfer UNO-Behörde vermeldete eine Rekordarbeitslosenzahl von 81 Millionen unter den 15- bis 24-Jährigen Ende 2009. „Die Auswirkungen der Krise waren heftig“, meinte im August des Vorjahres ILO-Ökonomin Sara Elder.
Junge verlieren alle Hoffnungen
„Die Arbeitslosenquote unter Jugendlichen hat ihr bisher höchstes Niveau erreicht“, schrieb die ILO damals in ihrem Jahresbericht über die „Beschäftigungstrends der Jugend“, der auf Statistiken der Mitgliedsstaaten beruht. Ende 2009 waren demnach weltweit 13 Prozent aller jungen Leute ohne Job - ein Zuwachs um 1,1 Prozentpunkte (7,8 Millionen) gegenüber 2007.
Während viele Menschen den schlimmsten Teil des Abschwungs wohl durchlitten hätten, kämpfe die Jugend überall noch mit seinen Folgen. Die ILO warnte bereits vor einer „verlorenen Generation junger Leute, die aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden und alle Hoffnungen verloren haben, einmal für einen anständigen Lebensunterhalt sorgen zu können“.
Appell an Regierungen
Und schon im Vorjahr war eine weitere Verschärfung der Situation absehbar: Die ILO-Ökonomen erwarteten einen weiteren Anstieg der globalen Jugendarbeitslosenquote. Erst 2011 sei mit einem leichten Rückgang auf 12,7 Prozent zu rechnen. In wirtschaftlich stabileren Jahren habe die absolute Zunahme im Schnitt „einige Hunderttausend“ betragen, sagte Elder. Der Sprung um 7,8 Millionen zwischen 2007 und 2009 spiegle „das höchste jemals von uns gemessene Niveau“ wider. Frauen seien etwas stärker betroffen als Männer: Ihre internationale Erwerbslosenquote lag 2009 bei 13,2 Prozent (Männer: 12,9 Prozent).
„Viele junge Menschen haben jeden nur erdenklichen Teilzeitjob angenommen, den sie finden konnten“, berichtete die Expertin - und appellierte an die Regierungen, trotz Sparzwängen nicht die Axt an staatliche Förderprogramme zu legen. Ohne übertreiben zu wollen, warne die ILO vor einem Szenario „sozialer Gefahren“, die mit der Entmutigung frustrierter Jugendlicher verbunden sein könnten.
„Düstere Aussicht“
Aufgriffen und unterstützt wurden die Standpunkte später auch bei einer Konferenz des IWF: Im Kampf gegen Arbeitslosigkeit forderten internationale Organisationen mehr als 400 Millionen neue Jobs weltweit. Nur mit mindestens 440 Millionen neu geschaffenen Arbeitsplätzen in den kommenden zehn Jahren könne eine global dauerhaft hohe Arbeitslosigkeit mit entsprechenden Kosten verhindert werden. „Wir dürfen die düstere Aussicht nicht unterschätzen, eine ganze Generation zu verlieren, die vom Arbeitsmarkt abgekoppelt ist und immer mehr ihre Fertigkeiten und ihre Motivation verliert“, hieß es vonseiten des IWF.
Entwicklungsländer noch schlimmer betroffen
Dabei kommen die jungen Jobsuchenden in den Industrieländern noch vergleichsweise glimpflich davon. Im internationalen Vergleich blieb die Gesamtquote mit elf Prozent moderat. Weitaus schlimmer sei die Lage in den Entwicklungsländern, in denen 90 Prozent der betreffenden Altersgruppe leben, erklärt ILO-Analyst Steven Kapsos: „Junge Leute haben dort gar keine andere Wahl, als zur Arbeit zu gehen. Sie leben aber oft in extremer Armut.“
In eine ähnliche Kerbe hatte zuvor bereits die UNESCO geschlagen: Während die reichen Länder sich von der Finanzkrise erholen würden, drohte den armen Ländern ein Rückschlag in der Bildung, hieß es von UNO-Bildungs- und Kulturorganisation. Man könne sich keine „verlorene Generation“ leisten. Noch immer könnten 72 Millionen Kinder auf der Welt keine Schule besuchen. Zwar habe es in den letzten zehn Jahren Erfolge gegeben, doch langsames Wachstum, eine steigende Armut und der Druck auf die öffentlichen Budgets gefährdeten das Erreichte.
Links: