„Guardian“: Absprache Bush - Musharraf
Die USA haben offenbar das Recht gehabt, den Militäreinsatz, der zur Tötung des Terrorpaten Osama bin Laden führte, in Pakistan durchzuführen. Möglich gemacht haben soll das ein Geheimvertrag, der noch unter dem früheren US-Präsidenten George W. Bush und dem damaligen pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf abgeschlossen wurde, wie der britische „Guardian“ am Dienstag berichtete.
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Die geheime Absprache sei nach der Flucht Bin Ladens aus Afghanistan Ende 2001 getroffen worden. Der Vereinbarung zufolge hatten die USA das Recht, den Topterroristen und die Nummern zwei und drei der Terrororganisation Al-Kaida in Pakistan eigenmächtig zu verfolgen, schrieb das Blatt unter Berufung auf ungenannte US- und pakistanische Quellen. Einige Informanten der Zeitung sollen damals im aktiven Dienst gewesen sein, einige seien es heute.
„Abkommen nur umgesetzt“
Der „Guardian“ zitiert eine hochrangige pakistanische Quelle, wonach die pakistanische Armee das Abkommen im Februar 2008 erneuert habe. Damals war Musharraf noch Präsident, aber eine zivile Regierung war bereits gewählt.
„Was unsere amerikanischen Freunde angeht, so haben sie das Abkommen nur umgesetzt“, sagte der Pakistaner. Und ein mit dem Fall vertrauter Amerikaner meinte nach Angaben des Blattes, die pakistanischen Proteste seien nur das „öffentliche Gesicht“ der Vereinbarung. „Wir wussten, dass sie diese Sache dementieren würden.“ Pakistan sollte dadurch vor möglichen Protesten und Anschlägen von Islamisten geschützt werden, so der „Guardian“ weiter.
Ähnlichkeit mit Drohneneinsatz
Pakistans Premierminister Yousuf Raza Gilani hatte am Montagabend vor dem Parlament kritisiert, dass die US-Operation ohne Rücksprache mit den Pakistanern abgelaufen sei. Er warnte vor weiteren Alleingängen dieser Art.
Ob nur die Armee oder auch die Zivilregierung von dem Abkommen wusste und ob es diesen brisanten Deal in Wirklichkeit gar nicht gab, wird kaum zu belegen sein. Parallelen ließen sich möglicherweise zu den Drohnenangriffen ziehen, mit denen der US-Geheimdienst CIA Extremisten im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan bekämpft. Öffentlich verurteilt Islamabad die Einsätze unbemannter Flugzeuge, während Pakistans Militär unter der Hand einräumt, die Amerikaner mit Zieldaten zu versorgen.
Musharraf dementiert Abkommen
Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Regierung in Islamabad warf auch eine von WikiLeaks veröffentlichte Depesche der damaligen US-Botschafterin Anne Patterson auf. Sie berichtete demnach an Washington, Premierminister Gilani habe einen Vorschlag seines Innenministers Rehman Malik abgelehnt, die Drohnenangriffe während einer pakistanischen Offensive gegen die Taliban im Jahr 2009 zu stoppen. Der Premierminister habe gesagt: „Es ist mir gleich, wenn sie (die Amerikaner) es tun, solange sie die richtigen Leute treffen. Wir werden im Parlament protestieren und es dann ignorieren.“
Ex-Präsident Musharraf dementierte laut Medienberichten, dass es je eine Geheimabsprache gegeben habe. Er habe nie einem Vertrag, der die Gefangennahme oder Tötung Bin Ladens innerhalb Pakistans erlaube, zugestimmt. Die Spekulationen über einen derartigen Geheimvertrag entbehrten jeder Grundlage, so Musharraf-Sprecher Fawad Chaudry.
Navy SEALs durften auch auf Militär schießen
Ein weiteres Detail des Einsatzes, das nun bekanntwurde, könnte für böses Blut zwischen den USA und Pakistan sorgen. US-Präsident Barack Obama soll zehn Tage vor dem Einsatz gegen Bin Laden darauf bestanden haben, dass das Navy-SEAL-Kommando groß genug sei, um sich möglicherweise auch seinen Weg aus Pakistan freizukämpfen, wie Regierungsvertreter und Militärs der „New York Times“ sagten.
Die Entscheidung Obamas, die Einsatztruppe, die nach Pakistan geschickt wurde, zu vergrößern, zeige, dass Obama auch willens gewesen sei, eine militärische Konfrontation mit einem Verbündeten in Kauf zu nehmen, um Bin Laden zu fassen oder zu töten, so die Zeitung weiter. Ein derartiger Kampf hätte auch größerer Querelen mit Pakistan gebracht, als das nun ohnehin der Fall sei. „Ihre Befehle lauteten, jede Konfrontation so weit als möglich zu vermeiden. Hätten sie allerdings das Feuer erwidern müssen, hätten sie die Befugnis dazu gehabt“, so ein nicht näher genannter US-Regierungsbeamter.
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