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Erste Erhöhung seit 2008

Mit dem ersten Zinsschritt seit fast zwei Jahren verabschiedet sich die Europäische Zentralbank (EZB) von ihrer Politik des extrem billigen Geldes. Wegen der steigenden Inflationsgefahren heben Europas Währungshüter den Leitzins im Euro-Raum um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent an. Das teilte die EZB nach ihrer Ratssitzung am Donnerstag in Frankfurt mit.

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Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld war im Mai 2009 mitten in der Wirtschafts- und Finanzkrise auf das Rekordtief von 1,0 Prozent gesenkt worden. Die letzte Leitzinsanhebung gab es am 3. Juli 2008. Damals hob die EZB den Leitzins von 4,0 Prozent auf 4,25 Prozent an.

Nur der erste Anstieg?

Die EZB will mit dem Zinsschritt Inflationsgefahren bekämpfen. Vor allem wegen immer teurerer Nahrungsmittel und Energie war die Inflation im Euro-Raum zuletzt auf 2,6 Prozent geklettert. Damit liegt sie über dem von der EZB formulierten Stabilitätsziel von knapp zwei Prozent.

Volkswirte erwarten, dass die Notenbank den Leitzins in den kommenden Monaten in kleinen Schritten auf 2,0 Prozent anheben wird. Damit soll der Preisdruck gesenkt und die Kaufkraft erhalten werden.

Trichet hält sich Optionen offen

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet will sich für die Zukunft alle Optionen offenhalten. „Wir haben heute nicht entschieden, dass das der Beginn einer Serie von Zinserhöhungen war“, sagte er in Frankfurt. Gleichzeitig machte er deutlich, dass der Aufschwung von höheren Zinsen nicht abgewürgt werde. „Die Geldpolitik ist noch immer konjunkturstimulierend“, sagte Trichet. Die Inflationsentwicklung werde weiter „sehr genau“ verfolgt.

Die Inflationsentwicklung müsse „sehr genau“ beobachtet werden. Die Preisrisiken seien immer noch aufwärts gerichtet. Angesichts der zuletzt erhöhten Teuerung sei die Vermeidung von Zweitrundeneffekten - also hoher Lohnforderungen und Preisanhebungen als Inflationsausgleich - von „überragender Bedeutung“.

Warnungen von Experten

Vor allzu schnellen Entscheidungen warnen aber Wirtschaftsexperten. So raten die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute der EZB zu einer behutsamen Straffung ihrer Zinspolitik. „Es besteht zurzeit keine Notwendigkeit, die Leitzinsen rasch anzuheben, denn es ist immer noch von einer Unterauslastung der Wirtschaft im Euro-Raum auszugehen“, heißt es im Frühjahrsgutachten für die deutsche Bundesregierung.

Belastung für Krisenländer

Für die schwächelnde Konjunktur in hoch verschuldeten Ländern am Rand der Euro-Zone wie Irland, Griechenland und Portugal könnte die Zinserhöhung Gift sein. In diesen Ländern wird die Konjunktur bereits durch die öffentlichen Einsparungen schwer belastet. Höhere Zinsen können den Preisauftrieb bremsen, sie verteuern aber auch Kredite.

In Portugal wird eine Verteuerung von Wohnimmobilienkrediten erwartet. Das kostet Kaufkraft, was das exportschwache Portugal schwer treffen dürfte. Steigt der Leitzins bis Jahresende auf 1,75 Prozent, wie von vielen Experten erwartet, dann dürfte das die Wirtschaft etwa einen halben Prozentpunkt Wachstum kosten. Und auch der Zinssatz für den Euro-Rettungsschirm wird höher.

Das gilt freilich auch für Irland. Auch die Refinanzierung der zum großen Teil verstaatlichten irischen Banken dürfte sich verteuern, da sie praktisch am Tropf der EZB hängen. Betroffen sind neben Griechenland auch Spanien und Italien, denen die Refinanzierung auf dem Kapitalmarkt teurer kommt.

Großbritannien und USA ziehen nicht nach

Die Hüter des Euro reagierten mit ihrer Entscheidung früher auf den Inflationsdruck als die Notenbanken in London und Washington. Die Bank von England beließ den Leitzins trotz einer bedrohlich angeschwollenen Inflationsrate von 4,4 Prozent bei 0,5 Prozent, in den USA soll die Nullzinspolitik nach Ansicht des Fed-Führungsmitglieds Sandra Pianalto noch „lange Zeit“ gelten.

Kritik aus Österreich

Österreichs Kammern reagierten mit Ablehnung auf den Zinsschritt der EZB. Für Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl ist es „das falsche Medikament“. Die Inflation sei vor allem auf höhere Energie-und Rohstoffpreise zurückzuführen. Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm bezeichnete die Zinserhöhung als „Gift für Beschäftigung und Wachstum“. Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SPÖ) meinte, der Zinsschritt sei eine Reaktion auf Inflationstendenzen und „vom Niveau her nicht abnormal“. Es sei kein Bremseffekt für die Wirtschaft zu erwarten, man könne das als Schritt auf dem Weg zur Normalität sehen.

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