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Freude bei Sparern

Die Zeit des extrem billigen Geldes in Europa ist vorbei. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die Zinswende eingeläutet und den Schlüsselzins um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent angehoben. Weitere Erhöhungen dürften folgen. Auch auf heimische Bankkunden kommen damit einige Veränderungen zu.

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EZB-Chef Jean-Claude Trichet hatte bereits im März eine Zinswende angedeutet und die Ratsmitglieder sprachen sich in seltener Einmütigkeit in den vergangenen Tagen für eine Anhebung aus.

Leitzins 2012 schon auf 2,5 Prozent?

Da jedoch immer noch einige EU-Länder mit ihren wachsenden Staatsschulden zu kämpfen haben und die Auswirkungen des Libyen-Krieges und der Katastrophe in Japan nicht absehbar sind, fiel der Anstieg eher moderat aus. Spekuliert wird mit einer Erhöhung auf 1,25 Prozent. Doch weitere Zinserhöhungen dürften heuer noch folgen. Bis Ende des Jahren wird mit zwei weiteren Zinssprüngen in derselben Höhe gerechnet. Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge könnte der Leitzins in der Euro-Zone Ende 2012 sogar bei 2,5 Prozent liegen.

Starker Euro mindert Inflationsgefahr

Davon profitiert in erster Linie der Euro. Schon im Vorfeld der erwarteten Erhöhung erreichte die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar am Mittwoch ein 14-Monats-Hoch. Vor allem für die Konsumenten ist das eine gute Nachricht. Ein starker Euro dämpft den Preisanstieg der in Dollar abgerechneten Rohstoffe wie Rohöl und Nahrungsmittel und hilft so, die zuletzt stark gestiegene Inflation wieder etwas einzudämmen.

Gute Nachrichten für Sparer

Ein steigender Leitzins dürfte aber auch gute Nachrichten für Sparer bedeuten. Denn in den vergangenen zwei Jahren waren die Zinsen für Sparguthaben derart in den Keller gerasselt, dass es kaum noch etwas brachte, Geld auf die Seite zu legen. Höhere Sparzinsen könnten das Sparbuch nun wieder attraktiver machen. Günther Rausch, Sparexperte bei der Erste Bank, riet im Gespräch mit ORF.at aber vorerst vor langfristigen Bindungen ab. „Es werden weitere Bewegungen erwartet“, so Rausch, „daher sollte man Fixbindungen von mehr als zwei Jahren eher meiden.“

Bei bestehenden Sparbüchern empfiehlt die Arbeiterkammer (AK), einen genaueren Blick auf die vertraglich vereinbarte Zinsanpassungsklausel zu werfen. Ob es sich auszahle, bestehende Sparbücher aufzulösen und zu einem höheren Zinssatz neu abzuschließen, müsse man sich aber genau ansehen, sagte Christian Prantner von der AK. Er rät allen Sparern zu einem sorgfältigen Zinsvergleich. Einen Überblick über die derzeitigen Angebote bietet der AK-Bankenrechner.

Ende der Billigkredite

Anders sieht die Situation für Kreditnehmer aus. In den vergangenen Wochen ist der EURIBOR (Euro InterBank Offered Rate), also der Zinssatz, zu dem sich Banken gegenseitig Geld leihen, stark gestiegen. Lag der EURIBOR auf dem Höhepunkt der Finanzkrise bei 0,7 Prozent, erreichte er am Mittwoch mit 1,26 Prozent den höchsten Stand seit 2009. Das sind keine guten Nachrichten für Schuldner, denn ein hoher EURIBOR bedeutet auch höhere Zinsen für Privatkredite.

Der EURIBOR

Der EURIBOR bezeichnet den durchschnittlichen Zinssatz, zu dem 57 europäische Banken (Panel-Banken) einander Anleihen in Euro gewähren. Die EURIBOR-Werte werden täglich neue festgesetzt. Normalerweise sind EURIBOR und Leitzins ähnlich hoch, die derzeitige Abweichung ist ein Indiz für eine bevorstehende Leitzinserhöhung.

„Genaue Vergleiche bei Krediten“

Die Leitzinserhöhung trifft Kreditnehmer daher nicht unvermittelt. Vielmehr hat sich das Zinsniveau durch den gestiegenen EURIBOR bereits seit Anfang des Jahres sukzessive erhöht. Vor der nächsten Anpassung, die am 15. April bevorsteht, müssten sich Bankkunden deshalb nicht allzu große Sorgen machen, beruhigte Erste-Bank-Experte Rausch. Wegen des Durchrechnungszeitraums von drei Monaten würden die Anpassungen nur gering ausfallen. Spürbar wird die Erhöhung dann aber im Juli. Am stärksten trifft sie die Hausbauer, die kurzfristige Kredite aufgenommen haben.

Wie sollen sich nun Kreditnehmer verhalten? Ein einfaches Rezept gibt es laut AK-Experte Prantner nicht. „Dafür sind die Kredite wegen der personalisierten Vergabe zu unterschiedlich.“ Neukunden rät Prantner aber zu genauen Vergleichen. Dabei seien die Zinsen oft nur Nebensache, vielfach würden Kredite erst durch hohe Nebenspesen wie Lebensversicherung, Kontoführung, Erhebungsgebühren etc. teuer.

Strenges Auge auf Zinserhöhungen

Wie rasch die einzelnen Banken auf einen höheren Leitzins reagieren werden, kann Prantner nicht abschätzen. Da sich während der Finanzkrise aber gezeigt habe, dass Banken sinkende Zinsen bei Sparbüchern viel schneller anpassten als bei Krediten, werde die AK ein besonderes Auge auf die künftigen Zinsverläufe haben. „Seit Anfang des Jahren sind sowohl Spar- als auch Kreditzinsen bereits angehoben worden“, erklärte Prantner. Für eine Analyse, wie fair die Zinssteigerungen an die Kunden weitergegeben wurden, sei es aber noch zu früh.

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