Verstrahltes Wasser in Meer gelangt?
Im schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 ist am Montag erstmals außerhalb des Gebäudes von Reaktor 2 stark radioaktiv verstrahltes Wasser entdeckt worden.
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In mehreren Kontrollschächten eines unterirdischen Kanals, der aus dem Turbinengebäude des Reaktors hinausführt, habe sich Wasser angesammelt, dessen Radioaktivität bei 1.000 Millisievert pro Stunde liege, teilte ein Sprecher der Betreiberfirma TEPCO mit. Die Kontrollschächte des Kanals, in dem Kabel und Abwasserleitungen verlaufen, befinde sich rund 60 Meter vom Meer entfernt, sagte der Sprecher. Möglicherweise sei verseuchtes Wasser in den Ozean gelangt.
„Wir sind dabei zu prüfen, ob das Wasser direkt in Kontakt mit dem Meer gekommen ist“, sagte der Sprecher. Bereits am Sonntag war ähnlich stark radioaktiv verseuchtes Wasser im Untergeschoß des Turbinengebäudes entdeckt worden. Bisher war jedoch außerhalb des Gebäudes kein Wasser entdeckt worden.

Reuters/Kyodo/Tokyo Electric Power Co.
Blick in den verstrahlten Kontrollraum von Reaktor 2
Auch bei Reaktoren 5 und 6
Am Montag war auch 30 Meter außerhalb der Reaktoren 5 und 6 stark radioaktiv belastetes Meerwasser entdeckt worden. Nach Angaben der Atomaufsichtsbehörde lagen die Werte radioaktiven Jods 1.150-mal über dem Normalwert. An den beiden Reaktoren wurden zur Zeit des Erdbebens und des anschließenden Tsunamis, der am 11. März Teile der Anlage beschädigte, Wartungsarbeiten vorgenommen. Zuvor waren die Messungen nur südlich des Kraftwerks, vor den Reaktoren 1 bis 4, vorgenommen worden.
Experte: Kernschmelze in mehreren Blöcken
Zuvor hatte die japanische Regierung erstmals offiziell bestätigt, dass es in Reaktor 2 zumindest zu einer „Teilkernschmelze“ gekommen sei. Der Wiener Atomexperte Helmut Rauch geht dagegen „schon längere Zeit davon aus, dass in mehreren Blöcken eine teilweise Kernschmelze stattgefunden hat“. Ansonsten wären diese hohen Strahlenwerte nicht erklärbar, betonte der langjährige ehemalige Leiter des Atominstituts in Wien am Montag.
Trotz des Teilschmelzens von Kernbrennstoff müsse angenommen werden, dass die Schmelze nach wie vor im Reaktordruckbehälter oder im Containment eingeschlossen sei. Es sehe so aus, als ob es im Druckbehälter ist, „alles andere wäre eine Überraschung“, so Rauch.
Kann „noch Monate dauern“
„Wir werden mit diesem Problem längere Zeit, wahrscheinlich Monate, zu tun haben“, sagte der Experte. Denn die Wärmeproduktion der Brennstäbe gehe nur langsam zurück, mittlerweile weniger als ein Prozent pro Tag. „Dadurch dauert das so lange, daran kann man nichts ändern. Das Kühlungsproblem wird man nur mittelfristig in den Griff bekommen“, sagte Rauch.
Mit dem kolportierten Begriff „vorübergehende Kernschmelze“ kann Rauch nicht viel anfangen. Es könnte darauf hindeuten, dass die Schmelze durch die Kühlung des Druckbehälters wieder erstarrt, was den Vorteil hätte, dass dann weniger Radioaktivität abgegeben werde.
Die Verwirrung um die Messwerte der Radioaktivität führt Rauch auf falsches Ablesen durch einen Arbeiter zurück: „Mit so etwas muss man immer rechnen, die Arbeiter stehen ja enorm unter Druck.“ Man müsse aber davon ausgehen, dass jetzt die Fachleute das Sagen haben und Arbeiter nur so lange in Bereiche geschickt werden, wie das strahlenschutzmäßig erlaubt ist. Bei höherer Strahlung müsse man die Mannschaft häufiger wechseln. Dass bisher keine Roboter in Fukushima I eingesetzt wurden, wundert den Experten. Allerdings würden sich Roboter in diesem Bereich „sehr schwertun, weil alles so verbaut ist“.
Japaner kehren in Gefahrenzone zurück
Trotz der weiter kritischen Lage im AKW kehren unterdessen zahlreiche Anrainer in die Gefahrenzone zurück. Vor allem ältere Menschen sorgten sich um ihre Häuser und wollten nicht länger in Notunterkünften bleiben, berichtete der japanische Nachrichtensender NHK am Montag. Die Regierung warnte am Montag neuerlich die Menschen aus der 20-Kilometer-Zone um das AKW, sie sollten vorerst nicht nach Hause zurückkehren. Das Gesundheitsrisiko sei viel zu groß.
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