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Edano: Keine frische Kernschmelze

In Reaktor 2 des nach der Beben- und Tsunami-Katastrophe havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima I hat nach Einschätzung der Regierung teilweise eine Kernschmelze eingesetzt. Das sagte am Montag Regierungssprecher Yukio Edano.

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Die im dortigen Turbinengebäude im Wasser entdeckte hochgradige Radioaktivität sei auf diese „Teilkernschmelze“ zurückzuführen, sagte der Sprecher. Die Kernschmelze dürfte sich demnach bereits unmittelbar nach dem Tsunami ereignet haben. Die Strahlung stamme offenbar von Brennstäben, die „teilweise schmolzen und mit dem Kühlwasser in Kontakt kamen“, so Edano. Die Angaben des Regierungssprechers legten den Schluss nahe, dass der Kessel in Reaktor 2 keinen Riss hat, wie befürchtet wurde. Außerdem gab Edano auch keine Hinweise, dass es eine frische Kernschmelze gab.

„Die Strahlung ist weitgehend im Reaktorgebäude eingeschlossen. Wir müssen sicherstellen, dass das verstrahlte Wasser nicht in den Boden oder ins Meerwasser gelangt“, so Edano weiter. In dem Wasser waren mehr als 1.000 Millisievert pro Stunde gemessen worden. Der Betreiber der Anlage, TEPCO, hatte zuvor seine Angaben korrigiert und spricht jetzt noch von einer 100.000-fach höheren Konzentration als normal. Zuvor war gemeldet worden, die Strahlung sei zehn Millionen Mal höher als sonst.

Starkes Nachbeben

Der Norden Japans wurde am Montag von einem Erdbeben der Stärke 6,5 erschüttert. Die zunächst von den Behörden ausgegebene Tsunami-Warnung wurde wieder aufgehoben.

TEPCO spricht von jahrelanger Krise

Nach zahlreichen Rückschlägen, die Reaktoren in Fukushima I unter Kontrolle zu bringen, räumte TEPCO am Montag die unsicheren Aussichten für seine Versuche ein, eine Kernschmelze zu verhindern. Leider gebe es keinen konkreten Zeitplan, um klar zu sagen, in wie vielen Monaten oder Jahren die Krise vorbei sei, sagte TEPCO-Vizepräsident Sakae Muto. Der Atomexperte Najmedin Meshkati von der University of Southern California sagte, die Situation sei deutlich ernster als angegeben. „Das ist deutlich mehr als das, was eine Nation alleine bewältigen kann.“ Meshkati forderte ein Eingreifen des UNO-Sicherheitsrates. Diese Krise sei „meiner bescheidenen Meinung nach“ viel wichtiger als die - vom Sicherheitsrat beschlossene - Flugverbotszone über Libyen.

Meer vor AKW verstrahlt

Im Wasser nahe Fukushima I maß der AKW-Betreiber unterdessen erneut stark erhöhte Radioaktivitätswerte. Im Wasser in 30 Meter Entfernung der Reaktoren 5 und 6 würden die Werte radioaktiven Jods 1.150-mal über dem Normalwert liegen, teilte die japanische Atomaufsichtsbehörde am Montag mit.

An den beiden Reaktoren wurden zur Zeit des großen Bebens am 11. März Wartungsarbeiten vorgenommen. Zuvor waren die Messungen nur südlich des Kraftwerks, vor den Reaktoren 1 bis 4, vorgenommen worden. Meerwasserproben hatten dort am Sonntag Werte radioaktiven Jods ergeben, die 1.850-mal über dem Normalwert lagen.

Gebrauch von Regenwasser verboten

Aus Sorge vor radioaktiver Strahlung wies das Gesundheitsministerium Wasseraufbereitungsanlagen im ganzen Land an, kein Regenwasser mehr zu verwenden und Becken mit Plastikplanen abzudecken. Da radioaktive Partikel über das Regenwasser in Flüsse gelangen könnten, sollte aus Flüssen kein Trinkwasser mehr entnommen werden, sagte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur AFP am Montag. Allerdings sollten diese Maßnahmen nur in dem Maße umgesetzt werden, wie sie nicht die Trinkwasserversorgung gefährden.

Vergangene Woche waren im Trinkwasser der Hauptstadt Tokio und mehrerer anderer Städte erhöhte Werte von radioaktivem Jod 138 gemessen worden. Seitdem ging die Belastung zurück.

TEPCO-Chef meldete sich krank

Unterdessen berichteten japanische Medien am Montag, TEPCO-Chef Masataka Shimizu habe sich während der Atomkrise mehrere Tage krankgemeldet. Der 66-Jährige sei am 16. März erkrankt und habe sich aus dem Krisenmanagement eine Woche lang zurückgezogen, berichtete die Zeitung „Mainichi Shimbun“. Die Agentur Kyodo berichtete, er sei inzwischen wieder bei der Arbeit. Shimizu war seit einer Pressekonferenz am 13. März nicht mehr öffentlich aufgetreten. In lokalen Medienberichten wurde dem TEPCO-Chef vorgeworfen, unverantwortlich zu handeln.

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