Megavolkszählung geht weiter
2,7 Millionen Beamte gehen seit Februar in Indien von Tür zu Tür. Ihr ehrgeiziges Ziel: jeden der mehr als eine Milliarde Inder zu erfassen. Die Volkszählung auf dem Subkontinent, die alle zehn Jahre stattfindet, ist ein gigantisches Unterfangen.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Lehrer und andere Beamte haben im Februar in Indien mit der Zählung der mehr als eine Milliarde Einwohner des zweitgrößten Landes der Welt begonnen. Vorläufige Ergebnisse werden Ende März erwartet. Es ist der zweite Teil der gigantischen Volkszählung, die in Indien alle zehn Jahre stattfindet.
Bei der ersten Phase wurden zwischen April und September vergangenen Jahres rund 240 Millionen Haushalte gezählt. Ziel der nun begonnenen Zählung ist es nun, jeden einzelnen Einwohner des Landes zu erfassen. Nach der Volkszählung 2001 lebten 1,02 Milliarden Inder in der weltgrößten Demokratie. Geschätzt wird, dass die Zahl auf mindestens 1,2 Milliarden angewachsen ist.
Auch Frage nach der Kastenzugehörigkeit
Rund 2,7 Millionen Beamte - die meisten davon Lehrer - müssen in den nächsten 20 Tagen jeweils zwischen 124 und 300 Haushalte besuchen. Sie erhalten umgerechnet knapp 100 Euro pro Person für die Arbeit. Lehrer werden als Zähler bevorzugt, weil sie am leichtesten Zugang zu Familien haben sollen.
Erstmals haben bei dieser Volkszählung auch Transsexuelle eine Option: Neben „männlich“ und „weiblich“ kann beim Geschlecht auch „Sonstiges“ angekreuzt werden. In einer dritten Phase der Zählung soll zwischen Juni und September erstmals seit 1931 die Kastenzugehörigkeit erfragt werden. Das Vorhaben ist kontrovers. Kritiker befürchten, dass Gräben zwischen den Kasten damit aufgerissen werden, statt sie zu schließen.
Was der Staat alles wissen will
Die Volkszählung hat ein Budget von umgerechnet rund 355 Millionen Euro und soll alle Bewohner in 7.742 Städten und 600.000 Dörfern erfassen. Neben Personen sollen auch Informationen über Religion, Sprache, Beruf, Ausbildung und Lebensstandard gesammelt werden. In weiteren Punkten wird etwa nach dem Besitz von Handys, Computern und Bankkonten sowie dem Zugang zu Trinkwasser und Internet gefragt.
Zumindest ein Ureinwohnerstamm auf der Inselkette der Andamanen und Nikobaren, der Außenstehenden gegenüber feindlich eingestellt ist, kann nach einem Bericht der englischsprachigen indischen Tageszeitung Zeitung „Business Standard“ nicht direkt gezählt werden. Zähler wollen laut Bericht Kokosnüsse und rote Tücher ins Meer werfen und die Menschen beim Einsammeln filmen. Daraus solle dann eine Einwohnerzahl errechnet werden. Schwierig könnte die Erhebung nach Medienberichten auch in Dörfern werden, die von maoistischen Rebellen kontrolliert werden.
Auch China zählt
Personenbezogene Daten sind nach Angaben der Volkszählungsbehörde streng geschützt und dürfen selbst von Gerichten nicht eingesehen werden. Die indische Behörde spricht von der größten Volkszählung der Welt. Das nehmen allerdings auch die Chinesen für sich in Anspruch: Im bevölkerungsreichsten Land der Welt waren im November rund 6,5 Millionen Volkszähler ausgeschwärmt, um mehr als 400 Millionen Haushalte zu besuchen. Ergebnisse der chinesischen Volkszählung werden im April erwartet.
Sunrita Sen und Can Merey, dpa
Link: