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Tote auf beiden Seiten

Libysche Rebellen haben bei Kämpfen gegen die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Westen des Landes nach eigenen Angaben mehr als ein Dutzend Soldaten gefangen genommen.

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Ein Sprecher der Aufständischen sagte dem arabischen Nachrichtensender al-Jazeera am Montag, von den 14 Soldaten der Chamis-Brigade seien vier verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Bei den Kämpfen um die Städte Misrata und al-Sawija habe es auf beiden Seiten Tote gegeben. Am Frontverlauf habe sich jedoch weder dort noch im Osten an der Küste etwas geändert. Dort sei die Schlacht um die Stadt Bin Dschawad noch nicht entschieden.

Truppen rücken auf Ras Lanuf vor

Regierungskräfte rückten laut Augenzeugen am Montag weiter auf die Ölstadt Ras Lanuf im Osten des Landes vor. Der TV-Sender al-Jazeera berichte bis Montagabend von mehreren Luftangriffen. Mehrere Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein. Aus Angst vor Angriffen der Al-Gaddafi-Getreuen waren bereits in der Früh zahlreiche Menschen aus der umkämpften Stadt geflohen.

Unklare Lage

Gesicherte Berichte über die Kämpfe gibt es derzeit kaum. Die Angaben von Rebellen und dem Regime widersprechen einander häufig und können kaum überprüft werden.

Brega wird seit vergangener Woche von den Aufständischen kontrolliert. Entgegen der Warnungen der Rebellen machten sich einige Bewohner auch in Richtung Westen nach Bin Dschawad auf. Die Stadt war am Sonntag von Getreuen Gaddafis zurückerobert worden.

Angst vor Festnahmen und Entführungen

„Wir haben gehört, dass sie Menschen festnehmen und entführen. Wir müssen jetzt weg“, sagte ein Familienvater mit Blick auf mögliche Angriffe von Anhängern des Machthabers. In dem einzigen Hotel in der Stadt, das fast ausschließlich von Journalisten bewohnt wird, lief das Personal in der Nacht aufgeregt durch die Gänge. „Schnell, schnell, Sie müssen gehen“, riefen die Angestellten.

Grafik: Umkämpfte Städte in Libyen

APA/Martin Hirsch

Ras Lanuf war von den Regimegegnern am Freitag eingenommen worden. Am Sonntag wurde die Ortschaft von der Luftwaffe angegriffen. Die Aufständischen konnten sich aber in Ras Lanuf halten. Sie mussten sich nach heftigen Kämpfen allerdings aus Bin Dschawad zurückziehen, von wo aus sie ursprünglich Richtung Sirte, der Heimatstadt Al-Gaddafis, vorrücken wollten. Bei den Kämpfen kamen nach jüngsten Angaben mindestens sieben Menschen ums Leben, mehr als 50 wurden verletzt.

Al-Gaddafis doppelte Strategie

Al-Gaddafi will die Aufständischen nicht nur mit militärischer Gewalt bezwingen, sondern auch durch undurchsichtige Manöver. Die arabische Zeitung „Al-Schark al-Awsat“ berichtete am Montag, Al-Gaddafi habe am Sonntag in der Hauptstadt Tripolis Waffen und Munition an junge Männer verteilen lassen, die aus dem Kreis der Unterstützer seines Regimes stammen. Diese Männer hätten in mehreren Vierteln sinnlos herumgeschossen, um Chaos zu stiften.

Zugleich soll der Machthaber Kontakt zum neuen „Nationalrat“ in Bengasi aufgenommen haben, um vorzuschlagen, dass er mit seiner Familie ins Exil geht. Seine Bedingungen seien: Die neuen Machthaber lassen ihn mitsamt seinem Vermögen ausreisen und verzichten auf Ermittlungen gegen ihn und seinen Clan, berichtete „Al-Schark al-Awsat“.

Straffreiheit für Al-Gaddafi

Mit einem Verzicht auf Strafverfolgung wollen die Aufständischen Al-Gaddafi zur Aufgabe bewegen. „Wenn Gaddafi akzeptiert, das Land zu verlassen, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, würden wir die Forderung aufgeben, dass er vor ein Gericht gestellt werden muss“, sagte der Vorsitzende des Nationalrats der Rebellen, Mustafa Abdul Dschalil, in einem Interview mit stern.de am Montag in Bengasi.

Der ehemalige Justizminister Al-Gaddafis bestätigte, dass es Versuche des Regimes gegeben habe, mit den Aufständischen in Kontakt zu treten. Er selbst stehe jedoch nicht in Kontakt mit Al-Gaddafi, es gebe auch keine Verhandlungen.

Britisches Team wieder frei

Ein im Osten des Landes von Rebellen festgehaltenes Diplomatenteam aus Großbritannien kam unterdessen wieder frei und verließ das umkämpfte Land bereits wieder. Die Gruppe sei auf „Schwierigkeiten“ gestoßen, sagte der britische Außenminister William Hague am Sonntag. Großbritannien werde demnächst eine neue Delegation ins Land schicken, um Anführer der Aufständischen zu treffen. Den Aufständischen sei nicht klar gewesen, ob es sich um Feinde oder Verbündete gehandelt habe.

Die Gruppe war in der Hafenstadt Bengasi festgehalten worden. Zu ihr hätten mehrere Soldaten einer britischen Spezialeinheit gehört, die einen Diplomaten durch Rebellengebiet begleiten sollten, berichte die britische Zeitung „Sunday Times“. Der Diplomat habe den Besuch eines höherrangigen Kollegen vorbereiten sollen. Ein libyscher Menschenrechtsaktivist mit Verbindungen zu den Rebellen sagte, die Gruppe habe Verdacht erregt. Großbritannien versucht, mit den Rebellen zusammenzuarbeiten, um Machthaber Al-Gaddafi aus dem Amt zu drängen.

Dschumaa Ibrahim, ein Staatssekretär im libyschen Außenministerium, nannte es „nicht akzeptabel und illegal“, dass französische und britische Diplomaten Kontakte zu den Rebellen im Osten des Landes aufgenommen hätten. Der einzige Ansprechpartner für die Regierungen dieser beiden europäischen Länder müsse die libysche Regierung sein, sagte er am Sonntagabend.

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