Großkundgebung auf dem Tahrir-Platz
Am elften Tag der Proteste gegen Ägyptens Staatspräsident Hosni Mubarak haben sich Freitagvormittag in der Innenstadt von Kairo bereits Zehntausende Menschen zu Protesten zusammengefunden. Die Regimegegner hatten den Freitag zum „Tag des Abgangs“ für Mubarak erklärt. Nach dem Freitagsgebet werden Hunderttausende Menschen zu den Kundgebungen erwartet.
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AP/Ben Curtis
Mubarak-Gegner harren auf dem Tahrir-Platz aus.
Tausende Menschen beteten nicht in den Moscheen, sondern direkt auf dem Platz im Zetrum der Hauptstadt, wie TV-Bilder zeigten. Auch in der Stadt Alexandria kam es erneut zu Massendemonstrationen. Die Nacht zuvor war laut Korrespondentenberichten in Kairo ruhig verlaufen. Nur sporadisch seien Schüsse zu hören gewesen. Eine Demonstrantin sagte al-Jazeera, die Regierungsgegner auf dem Platz seien besorgt, aber zuversichtlich, dass sie mit den neuen Massenprotesten am Freitag ihr Ziel erreichen können: den Rücktritt Mubaraks.
Nachdem die Demonstranten in den letzten Tagen immer wieder gezielt von Schlägertrupps angegriffen wurden, hofft man für Freitag auf die Macht der Masse. Wenn sich wie erwartet wieder Hunderttausende Mubarak-Gegner auf dem Platz versammeln, dürfte es den Pro-Mubarak-Kräften schwerfallen, ihre Übergriffe fortzusetzen.
Soldaten gehen in Stellung
Am Vormittag begaben sich laut al-Arabija auch Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi und mehrere Armeegeneräle auf den zentralen Platz. Im staatlichen TV hieß es dazu: „Verteidigungsminister Tantawi inspiziert die Lage auf dem Tahrir-Platz.“ Die Armee hat rund 1.000 Soldaten im Stadtzentrum postiert. Al-Jazeera meldete, Mubarak-Anhänger hätten am Vormittag versucht, Regierungsgegner am Betreten des Stadtzentrums zu hindern.
Armee will nicht eingreifen
Von der Armee dürfte am Freitag allerdings keine Gefahr für die Kundgebungsteilnehmer ausgehen. Nach US-Angaben hat sich die Armeeführung weiter Zurückhaltung auferlegt und will nicht gegen die Demonstranten vorgehen. US-Generalstabschef Mike Mullen sagte am Donnerstag im US-Fernsehen, die ägyptische Militärführung habe ihm versichert, dass sie nicht auf die eigene Bevölkerung schießen werde.
USA für Übergangsregierung
Zugleich drängen auch die USA mit aller Macht auf eine Wende in Ägypten. Obwohl Mubarak einen sofortigen Rücktritt bisher strikt ablehnte, arbeitet Washington an einer Lösung. „Wenn ich heute zurücktrete, wird Chaos ausbrechen“, sagte Mubarak dem TV-Sender ABC. Er hält sich nach Angaben des Senders im schwer bewachten Präsidentenpalast in Kairo auf. Laut einem Bericht der „New York Times“ diskutiert die Regierung von Präsident Barack Obama mit ägyptischen Regierungsbeamten einen Vorschlag für einen sofortigen Rücktritt Mubaraks.
Die Macht solle eine Übergangsregierung unter Vizepräsident Omar Suleiman an der Spitze übernehmen. Die Übergangsregierung solle die Unterstützung des Militärs haben, berichtete das Blatt unter Berufung auf Regierungsbeamte und arabische Diplomaten am Donnerstagabend (Ortszeit). Auch der Generalstabschef der ägyptischen Armee, Generalleutnant Sami Hafis Anan, und Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi sollten hinter der Übergangsregierung stehen.

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US-Außenministerin Hillary Clinton forderte die Regierung in Ägypten zu einem geordneten Übergang auf.
„Volk muss Entscheidungen treffen“
Es sollten auch andere politische Kräfte eingebunden werden einschließlich der Muslimbrüderschaft, schreibt das Blatt. Allerdings räumen die Regierungsbeamten ein, eine Lösung hänge von verschiedenen Faktoren ab, vor allem von der weiteren Entwicklung der Proteste. Außerdem betonten sie, dass nicht direkt mit Mubarak verhandelt werde.
Der US-Nachrichtensender CNN berichtete später unter Berufung auf den Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Tommy Vietor, dass US-Beamte mit den Ägyptern eine „Auswahl von unterschiedlichen Wegen“ diskutierten, wie eine neue Regierung aussehen könnte. Vietor betonte: „Alle Entscheidungen müssen vom ägyptischen Volk getroffen werden.“ Zu dem Bericht der „New York Times“ sagte ein hoher Beamter der Obama-Regierung nach CNN-Angaben: „Es ist schlicht falsch zu berichten, dass ein einziger Plan mit den Ägyptern verhandelt wird.“
Untersuchungen zu den Übergriffen angekündigt
Unterdessen bot Suleiman der Opposition einschließlich der Muslimbruderschaft umfassende Verhandlungen an. Der neue Regierungschef Ahmed Schafik kündigte eine Bestrafung der Verantwortlichen für die Angriffe auf Regimegegner und eine Untersuchung der Vorgänge auf dem Tahrir-Platz in Kairo an. Dabei wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in den vergangenen Tagen 13 Menschen getötet.
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