Angst vor Plünderungen
Die Unruhen in Ägypten haben Kunsträuber auf den Plan gerufen. „Das Museum in der alten Pharaonenstadt Memphis wurde geplündert“, sagte der Chemnitzer Museologe Thomas Schuler am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Noch sei nicht bekannt, welche Verluste es dort gab.
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Außerdem gäbe es immer wieder Versuche von Räubern, in das Ägyptische Museum im Zentrum Kairos einzudringen, wo Kunstgegenstände von unschätzbarem Wert ausgestellt sind. Zuletzt konnte ein Einbruchsversuch nur durch das beherzte Eingreifen von Demonstranten verhindert werden, indem sie das Haus mit einer Menschenkette schützten.
Die Einbrecher beschädigten unter anderem Grabbeigaben für den Pharao Tutanchamun, erklärte Schuler. Dreizehn Glasvitrinen im Nationalmuseum wurden eingeschlagen und etwa 70 Ausstellungsstücke kamen zu Schaden. „Die Einbrecher haben vor allem Gold gesucht“, berichtet Schuler, der seit sechs Jahren Chef einer Eingreiftruppe des Internationalen Museumsverbandes (ICOM) ist.
Molotowcocktails explodierten vor Museum
Auch die UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa forderte eindringlich Schutz für das einzigartige Kulturerbe des Landes. „Der Wert der 120.000 Stücke in dem Museum ist unschätzbar, nicht nur in wissenschaftlicher und finanzieller Hinsicht“, betonte die Chefin der UNO-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur.
ICOM-Eingreiftruppe
Die zehnköpfige Eingreiftruppe des Internationalen Museumsbundes ICOM wurde 2005 nach der Tsunami-Katastrophe in Thailand gegründet. Etwa 20-mal musste sie in den vergangenen sechs Jahren in verschiedenen Ländern der Welt eingreifen.
Erst am Mittwoch sind bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen im Zentrum Kairos zwei Molotowcocktails in den Hof des Ägyptischen Museums geflogen. Vor dem Museum ging zudem nach der Zündung weiterer mit Benzin gefüllter Bomben ein Baum in Flammen auf, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Armee versuchte, die Brände zu löschen.
Lager mit Fundstätten ausgeraubt
Für Schuler ist Ägypten ein „schwieriger Fall“. „Wir hatten noch nie einen solchen Zusammenbruch von staatlicher Autorität und dass sich die Polizei so einfach zurückzieht.“ Jetzt hofft er, dass zumindest für die Museen das Schlimmste überstanden ist. „Wir haben die Armee auf die Gefahr aufmerksam gemacht. Jetzt werden alle 24 großen Museen des Landes von Soldaten bewacht.“
Sorgen bereiten Schuler hingegen die Ausgrabungsstätten im Niltal. Zwar gebe es auch dort mittlerweile Bürgerwehren, denen es in einigen Fällen auch gelungen sei, bewaffnete Räuber zurückzuschlagen. Diese relativ großen Gebiete seien aber nur schwer zu schützen. So hätten Räuber die Depots und Lagerhäuser teilweise ausgeräumt. „Die Fundstücke waren vermutlich noch gar nicht dokumentiert.“ Tempel und Gräber wurden aufgebrochen. „Das kann sich jederzeit wiederholen. Ich bin da in großer Sorge“, sagte Schuler.
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