Themenüberblick

Macht neu verteilt

Lowell McAdam, Chef des größten US-Mobilfunkers Verizon, hat am Dienstag gemeinsam mit Apple-Geschäftsführer Tim Cook in New York die CDMA-Version des Apple-Smartphones iPhone 4 vorgestellt. Damit mischt Apple die Karten auf dem US-Mobilfunkmarkt neu.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Wer seit Vorstellung des iPhones im Jänner 2007 in den USA ein iPhone betreiben wollte, war aufgrund eines Exklusivdeals von Apple mit AT&T gezwungen, zu Verizons Erzkonkurrenten zu gehen - auch wenn viele US-Konsumenten die schlechte Qualität des AT&T-Netzes beklagten. Das ändert sich nun, denn Apples Position als wichtigster Mitspieler auf dem Smartphone-Markt wird in jüngster Zeit immer stärker von Google bedroht.

Handshake von Daniel S. Mead (Präsident von Verizon Wireless) und Tim Cook (Apple-Geschäftsführer)

AP/Mark Lennihan

Handshake: Verizon-Boss Lowell McAdam und Apple-COO Tim Cook

Das Marktforschungsunternehmen Gartner etwa meldete im November, dass es Apple auf dem US-Smartphone-Markt zwar gelungen sei, den BlackBerry-Hersteller Research in Motion zu überholen, allerdings musste sich Steve Jobs mit dem zweiten Platz hinter Googles Mobilbetriebssystem zufrieden geben. Weltweit konnte Apple demnach im dritten Quartal 2010 13,4 Millionen iOS-Geräte absetzen, Android-Smartphones verkauften sich im selben Zeitraum 20,5 Millionen Mal.

Gegenangriff auf Google

Ein Bündnis mit dem größten US-Mobilfunker könnte Apple nun ermöglichen, Google das Leben wieder schwerer zu machen. Analysten schätzten bereits, dass Apple mit Verizon im US-Markt neun bis zwölf Millionen iPhones mehr pro Jahr verkaufen kann. Immerhin hat Verizon knapp 400.000 Mobilfunkkunden mehr als AT&T.

Dabei war auch ein technisches Problem zu lösen, denn Verizon benutzt den US-Mobilfunkstandard CDMA, Apple musste eine Version des iPhone 4 bauen, die mit diesem Standard zurechtkommt. Bis auf die CDMA-Fähigkeit sind die technischen Daten des Verizon-iPhones mit jenen des bekannten iPhone 4 identisch. Das Verizon-iPhone kann ab Werk mittels spezieller Software des Providers, die es auch auf den Android-Geräten bei Verizon gibt, auch als mobiler WLAN-Hotspot dienen und bis zu fünf Geräte drahtlos ins Netz bringen.

LTE-Version noch nicht in Sicht

Laut Lowell McAdam hätten die beiden Konzerne seit 2008 am CDMA-iPhone gearbeitet. Exklusivrechte an dem CDMA-iPhone hat Verizon allerdings nicht. Eine Variante des iPhone, das auf den neuen Mobilfunkstandard LTE ausgerichtet sei, habe man in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht herstellen können, dazu seien gegenüber der GSM-Version des Geräts zu große Änderungen notwendig gewesen, so Cook. Da CDMA aber auch in Asien eine starke Verbreitung hat, wird Apple das Gerät nicht nur in den USA einsetzen können.

Das CDMA-iPhone wird bei Verizon bei Abschluss eines Vertrags mit zweijähriger Laufzeit 199,99 (16 GB; 155 Euro) bzw. 299,99 (32 GB; 232 Euro) US-Dollar kosten. Das sind jeweils 99 US-Cent mehr als bei AT&T. Die Konsumenten können die Geräte ab dem 3. Februar vorbestellen. Wie hoch die monatlichen Gebühren für Sprachtelefonie und Datenverkehr sind, hat Verizon noch nicht bekanntgegeben.

AT&T hat in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres 11,1 Millionen iPhones in den USA absetzen können. Unmittelbare Auswirkungen des Verizon-Deals auf das Geschäft von AT&T sehen Analysten nicht, da viele Konsumenten an die Zweijahresverträge gebunden seien.

Links: