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Verizon schwenkt auf LTE

Wie auch die europäischen Provider rüsten die beiden wichtigsten US-Mobilfunker AT&T und Verizon auf den schnellen Datenfunk Long Term Evolution (LTE) um. Besonders Marktführer Verizon macht bei der Umstellung Druck, wie das Unternehmen auf der Elektronikmesse CES zeigte.

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Anders als der bisherige iPhone-Exklusivanbieter AT&T betreibt US-Marktführer Verizon sein Netz bisher mit dem Standard CDMA2000. Die Standards aus der in den USA entwickelten CDMA-Familie (CDMA = Code Division Multiple Access) konkurrieren mit dem europäischen Global System for Mobile Communications (GSM), die beiden Systeme sind untereinander nicht kompatibel, auch wenn es Handys gibt, die mit beiden Standards umgehen können.

Der US-Standard ist vor allem in Nordamerika und Asien gebräuchlich. In den USA ist Verizon der wichtigste CDMA-Provider, ihnen stehen die GSM-Netzbetreiber AT&T und T-Mobile USA gegenüber. Verizon, an dessen Mobilfunkabteilung die britische Vodafone mit 45 Prozent beteiligt ist, liegt derzeit mit 93,2 Millionen US-Kunden knapp vor AT&T (92,8 Mio. Kunden).

GSM weltweit stärker

Laut CDMA Development Group gab es zum Juni 2010 weltweit rund 550 Millionen Mobilfunk-Accounts, die diesen Standard nutzen, in der EU setzen vor allem Provider aus Ost- und Nordeuropa auf den US-Standard, so gibt es beispielsweise in der Tschechischen Republik, in Polen, Rumänien und Dänemark CDMA-Netze. Die GSM Association zählte im zweiten Quartal weltweit freilich 3,4 Milliarden GSM-Nutzer.

Dass US-CDMA schnell von der Bildfläche verschwinden wird, ist zwar unwahrscheinlich, doch spätestens seit der Elektronikmesse CES 2011 wird klar, dass auch US-Provider verstärkt auf den unter Führung des Konsortiums 3GPP entwickelten schnellen Datenfunk LTE setzen. AT&T baut derzeit sein HSPA+-Netz aus, hat aber schon die LTE-Einführung für Mitte 2011 angekündigt, bis Ende 2013 soll das LTE-Netz „weitgehend fertig“ sein, so das Unternehmen zur CES.

Technologien wachsen zusammen

Rein technisch gesehen handelt es sich bei LTE um ein System, das nach demselben Grundprinzip funktioniert wie CDMA, doch das für die in Europa gängigen Standards UMTS/HSPA sowie für den LTE-Datenverkehr verwendete W-CDMA ist aus der Familie der GSM-Standards hervorgegangen und wurde dafür optimiert.

Kooperation mit Google

Verizon, das vor rund einem Monat sein LTE-Netz offiziell gestartet hatte, stellte auf der CES in Las Vegas bereits zehn Endgeräte für das System vor, die bis Mitte des Jahres auf dem US-Markt verfügbar sein sollen, darunter vier Smartphones (drei davon mit Googles Betriebssystem Android), zwei Tablets, zwei mobile Hotspots und zwei leichte Notebooks von HP/Compaq.

Verizon ist darüber hinaus Partner von Google bei dessen Projekt Chrome OS. So bekommen US-Käufer eines Mininotebooks mit dem neuen Browserbetriebssystem, das ebenfalls Mitte 2011 erscheinen soll, automatisch einen Gutschein für 100 MB Datentransfer - weitere Pakete können zugekauft werden.

Schnellere Netze

Spezifiziert ist LTE auf Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s (Download) bzw. 50 Mbit/s (Upload), freilich nur unter optimalen Bedingungen und bei nur einem Nutzer in der Funkzelle, laut Tests der „Washington Post“ erreichte das LTE-Netz von Verizon Download-Geschwindigkeiten von 20 Mbit/s. Der Nachfolgestandard LTE Advanced, der maximale Download-Geschwindigkeiten von bis zu einem Gbit/s erreichen soll, wird voraussichtlich noch 2011 finalisiert werden.

In Österreich bieten die Mobilfunkprovider A1 Telekom Austria und T-Mobile Austria bereits LTE-Produkte an. Der Durchbruch für die Technologie wird allerdings erst 2012 kommen, wenn die für den nachhaltigen LTE-Betrieb wichtigen Frequenzpakete aus der Abschaltung des analogen terrestrischen Fernsehens („Digitale Dividende“) versteigert worden sind. Das ist frühestens für Herbst 2011 geplant.

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