Der kommende Politstar?
Noch kennen sie selbst in den USA wenige, doch Medien spekulieren bereits, sie könnte der kommende Politstar werden. In einem harten Wahlkampf hat sich Kamala Harris für den Posten als neue Generalstaatsanwältin in Kalifornien durchgesetzt – und das könnte ihr Sprungbrett für noch höhere Würden werden. Schon jetzt wird sie als demokratische Antwort auf die Republikanerin Sarah Palin gefeiert.
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Bisher war das Amt des Generalstaatsanwalts in Kalifornien immer von weißen Männern – nie von einer Frau oder einem Schwarzen - besetzt worden. Schon im Vorwahlkampf der Demokraten musste sich die bisherige Bezirksstaatsanwältin von San Francisco gegen fünf weitere Kandidaten durchsetzen.
Parallelen zu Obama
Aufsehen erregte die 46-Jährige bereits, als Parteigrößen wie die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, und die Senatorinnen Barbara Boxer und Dianne Feinstein sich für sie einsetzten. Das wiederum rief auch US-weit agierende Medien auf den Plan, Interviews mit großen Zeitungen, Magazinen und Fernsehsendern folgten.
Auch mit der Unterstützung von Gewerkschaften konnte sie sich in der Vorwahl deutlich durchsetzen, genauso wie in der Wahl um das Amt gegen ihren republikanischen Gegner Steve Cooley. US-Medien nennen sie auch bereits einen „weiblichen Barack Obama“. Sie gilt als telegen und rhetorisch versiert, Parallelen mit dem US-Präsidenten werden aber vor allem wegen ihrer Herkunft gezogen. Ihre Mutter stammt aus Indien und arbeitet als Brustkrebsforscherin, ihr Vater ist ein aus Jamaika stammender Wirtschaftsprofessor.

AP/Damian Dovarganes
Harris bei der Pressekonferenz nach ihrer Wahl
Erfolgreiche Projekte in der Strafjustiz
Von all diesen Vergleichen will sie derzeit aber nichts wissen: „Das ist schmeichelhaft“, sagte sie dem Internetmagazin Politico. Diese Vergleiche seien für sie aber unangenehm, weil sie wisse, was sie wolle. Und derzeit sei sie begeistert, die Generalstaatsanwältin zu werden. Und was sie derzeit vor allem interessiere, sei eine eingehende Diskussion darüber, wie man das System der Strafjustiz verbessern könne.
Und genau da kann Harris aus ihrer Zeit in San Francisco erstaunliche Erfolge aufweisen: Ihr Programm „Back on Track“ senkte die Rückfallrate bei Verurteilten auf weniger als zehn Prozent – in Kalifornien liegt diese durchschnittlich bei 70 Prozent. Ihre Herangehensweise ist dabei eine ökonomische: So wanderten etwa nicht gewalttätige Ersttäter in ein Jobtraining statt in ein Gefängnis. Der scheidende Gouverneur Arnold Schwarzenegger lobte das Modell, das sie nun wohl auch zur Basis ihrer Reformen machen will.
Gegen Todesstrafe
Harris stellt sich auch deutlich gegen die Todesstrafe. Dass sie als Staatsanwältin im Fall eines Polizistenmörders diese nicht verlangt hatte, wurde ihr im Rennen um ihren neuen Job von ihrem Gegner Cooley zur Last gelegt. Seine Strategie war klar: Liberale Standpunkte der Demokraten ziehen bei den Wählern, vor allem wenn es um das Strafrecht geht, oft den Kürzeren.
Dennoch setzte sich Harris durch – auch weil sie in manchen Fragen doch eine härtere Linie vertritt: Sie trat gegen die völlige Freigabe von Marihuana ein und auch gegen die vorzeitige Freilassung von 40.000 Gefangenen aus Budgetgründen: Die beste Lösung gegen überfüllte Gefängnisse sei Prävention.
Auf jede Menge Widerstand – auch aus den eigenen Reihen - stieß sie bei einem unorthodoxen Projekt: Strafen für Eltern, deren Kinder regelmäßig die Schule schwänzen. „Die Kinder müssen in der Schule sein“, zitierte sie Statistiken, die deutliche Zusammenhänge zwischen Kriminalität mit Schulabwesenheiten nachweisen. „Sonst ist in zehn Jahren die Empörung groß, wenn sie eine Bedrohung für die Gesellschaft sind, wenn sie an den Straßenecken herumlungern.“
Job als Sprungbrett
Nachdem sie bereits 2008 ihre in das Buch „Smart on Crime“ gegossenen Ideen beim Demokraten-Parteitag einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen wollte, aber das Strafrecht dort kein Thema war, gibt ihr der neue Job eine ganz neue Bühne.
Und sie kündigte bereits an, im Fokus der Öffentlichkeit stehende Themen in Angriff nehmen zu wollen, wie etwa Fragen der Privatsphäre bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder auch des Klimaschutzes. Obwohl sie treue Wahlkämpferin für Obama war, überlegt sie etwa eine Klage gegen die US-Umweltschutzbehörde EPA für niedrigere Grenzwerte bei Autoabgasen. All das könnte für sie zum Sprungbrett werden:
Sie sei ein seltenes Talent und werde in Kürze auch US-weit in der Politik mitspielen, meint der ehemalige Clinton-Berater Chris Lehane gegenüber Politico: „Die Leute nennen sie den weiblichen Obama, treffender ist es aber zu sagen, die ist der weibliche Obama, den die Fortschrittlichen geglaubt haben zu wählen.“
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