Ein „halber Österreicher“
Als neuer starker Mann wurde Ivo Sanader 2003, als er kroatischer Premier wurde, gefeiert. Als er 2009 zurücktrat, war er sowohl in Kroatien als auch international noch immer hoch angesehen. Doch als er 2010 durch einen Putsch wieder an die Macht kommen wollte, wurde er zum Buhmann der Nation.
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Es sollte nicht lange dauern und ein Gutteil jener Nation, die ihn einst feierte, wünschte ihn nach Remetinec, dem Gefängnis am Rande Zagrebs. Dorthin scheint es nun nicht mehr weit: Sanader wurde am 10. Dezember 2010 von der österreichischen Polizei im Bundesland Salzburg aufgrund eines internationalen Haftbefehls verhaftet. Die kroatische Justiz wirft ihm Amtsmissbrauch in mehreren Fällen vor.
Innsbruck als zweite Heimat
Wo seine Karriere startete, endete sie auch: in Österreich. Vor 20 Jahren gründete er in Innsbruck die österreichische Zweigstelle der HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft). Nach Innsbruck hatte ihn sein Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft und Romanistik verschlagen.
Nach seiner Promotion in Innsbruck kehrte er 1983 nach Kroatien zurück, wo er bis 1987 als Journalist in Split tätig war. Danach zog es ihn wieder in die Tiroler Hauptstadt, um vier Jahre als Unternehmer tätig zu sein. 1991 wurde er vom Kroatischen Volkstheater in Split zum Intendanten ernannt.
Politischer Quereinsteiger
Erst 1992 entschloss sich Sanader, professioneller Politiker zu werden. Im selben Jahr übernahm er das Amt des Wissenschaftsministers und wurde ein Jahr später Vizeaußenminister. Nach dem Krieg (1991-1995) leitete er für ein Jahr die Präsidentschaftskanzlei von Staatsgründer Franjo Tudjman, der im Dezember 1999 verstarb.
Zwischen 1996 und 2000 bekleidete Sanader erneut das Amt des Vizeaußenministers. Auf dem Parteitag 2002 wurde er zum zweiten Mal zum Parteichef gewählt. Dabei gab es eine heftige Auseinandersetzung mit seinem größten Konkurrenten, Ivic Pasalic, der kurz darauf die Partei verließ und den nationalistischen Kroatischen Block (HB) gründete.
Für Parteireform geachtet
Sanader arbeitete hart an einer Reform der Partei und entschuldigte sich auch bei allen Bürgern, die Probleme hatten, als die HDZ in den 90er Jahren an der Macht war. Sanader führte die Partei mehr in die Mitte und warf auch die nach außen schlimmsten Nationalisten aus der Partei. Im Vergleich zu diesen Hardlinern gilt Sanader als höflicher und gebildeter Mensch, der Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch spricht.
Obwohl einige Beobachter die HDZ als noch zu stark von nationalistischem Gedankengut geprägt einstuften, sah Sanader seine Partei „in dem Spektrum angesiedelt, wo die ÖVP, die CDU/CSU oder die spanische Volkspartei stehen“. 2007 gewann Sanader mit der HDZ die Parlamentswahlen erneut.
Verhaftung Bedingung für EU-Beitritt?
Er führte Kroatien in die NATO, doch in die EU schaffte es Kroatien nicht mit Sanader. Offensichtlich ist nun seine Verhaftung eine der Bedingungen für Kroatiens EU-Beitritt geworden. Die Geschichte wiederholt sich: Die Eröffnung von Kroatiens EU-Verhandlungen waren an die Verhaftung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ante Gotovina geknüpft, dessen Verhaftung Sanader massiv vorangetrieben hatte.
Sanaders Nachfolgerin wurde Jadranka Kosor, die bald nach ihrem Amtsantritt mit einem offensiven Kampf gegen die Korruption begann. Ex-Wirtschaftsminister Damir Polancec musste zurücktreten, und wurde im März 2010 wegen Korruptionsverdachts verhaftet. Auch Ex-Verteidigungsminister Berislav Roncevic wurde der Prozess wegen Amtsmissbrauchs gemacht.
Vorwürfe ohne Ende
Die Schlinge um Sanaders Hals wurde immer enger: Er wurde mit so gut wie jeder aufgedeckten Korruptionsaffäre in Zusammenhang gebracht. Auch hier gibt es eine Verbindung zu Österreich: WikiLeaks enthüllte nun, dass schon lange gegen Sanader ermittelt worden war, unter anderem wegen Verwicklungen in die Affäre der Kärntner Hypo Alpe-Adria. Sanader hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.
Sanader wurde 1953 in Split geboren, ist verheiratet mit Ankica Sanader und hat zwei Töchter, Bruna und Petra Sanader. Petra ist Schauspielerin und studiert in den USA. Bruna spielte bei seiner Flucht aus Kroatien eine bedeutende Rolle: Sie fuhr mit ihm über die slowenische Grenze.
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