Themenüberblick

„Dienstreise“ in Handschellen beendet

Gerüchte, dass Kroatiens Ex-Premier Ivo Sanader in Österreich abtauchen könnte, hat es schon länger gegeben - am Freitagnachmittag wurde er tatsächlich in Salzburg gefasst. Laut dem österreichischen Bundeskriminalamt (BK) wurde er um 15.46 Uhr auf der Tauernautobahn verhaftet.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Laut dem BK-Sprecher wurde Sanader anschließend ins Landesgericht Salzburg überstellt. Seit dem Vortag war nach Kroatiens vormaligem Regierungschef per internationalen Haftbefehl gesucht worden. Dem konservativen Politiker wird Amtsmissbrauch in Zusammenhang mit mehreren Korruptionsaffären während seiner Amtszeit (2003 bis 2009) vorgeworfen.

Das Auslieferungsverfahren Sanaders könnte sich über Jahre hinziehen, berichteten die kroatischen Zeitungen am Samstag. Sie verwiesen auf den Fall des früheren stellvertretenden kroatischen Verteidigungsministers Vladimir Zagorec. Der hatte seit 2000 unbehelligt in Wien gelebt und mit großen Immobilienprojekten und Geldsummen jongliert. Erst nach jahrelangem Bemühen war er an Kroatien ausgeliefert worden, wo er wegen Korruption zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde.

Millionen umgeleitet?

Sanader soll staatliche Gelder in Millionenhöhe in „schwarze Kassen“ der Regierungspartei HDZ geschleust haben. Führende Vertreter beteiligter Firmen, die zuvor festgenommen worden waren, sollen ihn schwer belastet haben. Nach einem entsprechenden Antrag der kroatischen Staatsanwaltschaft war Sanaders Immunität als Parlamentsabgeordneter am Donnerstag aufgehoben worden.

Sanader und seine Vertrauten hatten zuvor erklärt, dass er noch am Freitag von einer länger geplanten Geschäftsreise in Zagreb eintreffen würde. Das wäre zumindest knapp geworden - in Rechnung stellend, dass er am Nachmittag laut „Kurier“ (Internetausgabe) bei der Mautstelle St. Michael im Lungau gefasst und in Handschellen abgeführt wurde.

Festnahme „ohne Probleme“

Die Festnahme erfolgte laut einem Beamten der Autobahnpolizeiinspektion St. Michael „ohne Probleme“. Im Wagen saß gemäß Angaben der Salzburger Staatsanwaltschaft auch der Bruder Sanaders. Er sei nicht festgenommen worden. Sanader solle wegen seines offiziellen Wohnsitzes in Tirol - und der entsprechenden Zuständigkeit der dortigen Anklagebehörde - in weiterer Folge in die Justizanstalt Innsbruck gebracht werden.

Laut kroatischen Medienberichten wurde Sanader noch am Freitagabend in Salzburg verhört. Auch eine 30-tägige U-Haft sei verhängt worden. Zudem gab es Gerüchte, dass Sanader in die USA wollte. Er soll bei seiner Verhaftung in Salzburg ein Flugticket von München nach Washington, ausgestellt für den nächsten Donnerstag, mitgehabt haben. Zur Diskussion stand in kroatischen Medien auch, ob Sanader um Asyl in Österreich wegen politischer Verfolgung ansuchen würde.

Tiefe Verbindungen zu Österreich

Die Korruptionsvorwürfe hat Sanader stets als politische Hetzjagd gegen seine Person bezeichnet. Noch am Vortag hatte er sich per SMS bei einem Journalisten der kroatischen Zeitung „Vecernji list“ gemeldet und gelobt, er werde sich nach seiner „Dienstreise“ den Korruptionsermittlern stellen.

Am Freitag wurde auch Sanaders Haus in Kroatien durchsucht. Die Vermutungen, er könne sich in Österreich aufhalten, kamen jedoch nicht von ungefähr: In Innsbruck, wo der ausgezeichnet deutsch sprechende Politiker mehrere Jahre lang studierte, gründete Sanader jüngst das Handelsunternehmen Prima Consulting.

Links: