„Großes Sicherheitsproblem“ bei Motoren
Nach der gefährlichen Triebwerkspanne bei einem Airbus A380 haben die australischen Ermittler ein „großes Sicherheitsproblem“ bei den Motoren konstatiert. Dieses hätte zu „einem katastrophalem Triebwerksausfall“ führen können, hieß es in einem am Donnerstag veröffentlichten Untersuchungsbericht der australischen Flugsicherheitsbehörde.
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Die Experten hatten die betreffenden Trent-900-Triebwerke von Rolls-Royce unter die Lupe genommen und erklären in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Bericht, der gefundene Defekt könne „zu Brüchen aus Materialermüdung sowie Öllecks und anschließenden Ölbränden“ in den Triebwerken führen. Die australische Verkehrssicherheitsbehörde ATSB kündigte an, weitere Sicherheitstests an den A380-Flugzeugen mit den betreffenden Trent-900-Triebwerken durchzuführen. Der britische Motorenhersteller Rolls-Royce sei bereits informiert worden.
Qantas leitet rechtliche Schritte ein
Die australische Fluggesellschaft Qantas unterdessen rechtliche Schritte gegen den Motorenbauer Rolls-Royce ein. Das Unternehmen habe eine Klageschrift eingereicht und eine Verfügung eines australischen Bundesgerichts erreicht, teilte Qantas am Donnerstag mit. Das sei ein erster Schritt, um Rolls-Royce klagen zu können, falls eine Einigung mit dem Motorenhersteller nicht zustande komme. Die Triebwerksprobleme haben Qantas bereits Millionen Dollar gekostet.
Milliardengewinn 2009
Mit der Luftfahrt macht Rolls-Royce fast zwei Drittel seines Geschäfts. 64 Prozent des Umsatzes von rund zehn Mrd. Pfund (2009) (rund 11,5 Mrd. Euro) erwirtschaftete der britische Konzern in diesem Sektor. Unter dem Strich machte Rolls-Royce einen Gewinn von 2,2 Mrd. Pfund (2,53 Mrd. Euro).
Airbus hatte Mitte November erklärt, vom britischen Triebwerkshersteller Schadenersatz zu fordern. „Für die Kosten, die bei Airbus dadurch anfallen, werden wir volle Kompensation verlangen.“ Der finanzielle Schaden sei erheblich. Konkrete Zahlen hatte der europäische Flugzeughersteller bisher nicht genannt.
Ein Motorschaden hatte einen A380 von Qantas Anfang November zu einer dramatischen Notlandung in Singapur gezwungen. Bei dem Triebwerksbrand hatten sich Teile gelöst und die Tragflächen beschädigt. Daraufhin ließen die australische Airline und auch andere Fluggesellschaften ihre A380-Flotte vorübergehend auf dem Boden.
Triebwerke werden ausgetauscht
A380-Maschinen mit Trent-900-Triebwerken sind zurzeit bei drei Fluggesellschaften im Einsatz: neben Qantas bei der deutschen Lufthansa und bei Singapore Airlines. Am Wochenende hatte Qantas erstmals wieder einen ihrer sechs Riesenjets aufsteigen lassen. Zuvor hatte Konzernchef Alan Joyce angekündigt, dass in der Flotte 16 Triebwerke ausgetauscht würden.
Singapore Airlines kündigte neue Sicherheitsüberprüfungen ihrer A380-Flotte an, die elf Maschinen umfasst. Bis zum 16. Dezember würden bei den Flügen von und nach Sydney und Melbourne andere Flugzeuge eingesetzt werden. Auch Singapore Airlines will aber nicht von ihren A380-Bestellungen abrücken. Noch bis Jahresende und Anfang 2011 soll die Fluggesellschaft vier weitere Flugzeuge des Typs erhalten.
Lufthansa flog weiter
Trotz des Wissens um die Gefährlichkeit eines seiner A380-Triebwerke war die deutsche Lufthansa mindestens zwei Wochen lang damit weitergeflogen. Das betreffende Triebwerk werde erst ausgewechselt, sagte ein Sprecher der Fluglinie. Die Lufthansa war an sich bereits vor zwei Wochen über einen möglichen Baufehler an dem Triebwerk informiert. Bereits damals hatte die größte deutsche Airline angekündigt, das Triebwerk austauschen zu wollen. Der Lufthansa-Sprecher sagte nun, vor zwei Wochen sei kein neues Triebwerk zur Verfügung gestanden.
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