„Midterms“ als Abrechnung mit Präsidenten
Der Demokratischen Partei von US-Präsident Barack Obama drohen bei den Kongresswahlen herbe Verluste. Das wäre nicht außergewöhnlich - viel eher gilt es als Ausnahme, dass die Präsidentenpartei bei den „Midterm-Elections“ ihren Mandatsstand halten oder gar ausbauen kann. Seit dem amerikanischen Bürgerkrieg ist das nur Franklin D. Roosevelt 1934, Bill Clinton 1998 und George W. Bush 2002 gelungen.
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Üblicherweise verliert die Partei des amtierenden Präsidenten bei den Halbzeitwahlgängen, nicht selten stark. An politischen Deutungsversuchen dafür mangelt es nicht: So sind die Wähler angesichts hoher Erwartungen - Obama ist ein typisches Beispiel - oft mit den Ergebnissen der ersten beiden Jahre unzufrieden.
Andererseits schaffen bei den Wahlen im Sog eines charismatischen Kandidaten - auch dafür kann Obama als idealtypisches Beispiel dienen - oft auch eigentlich schwächere Kandidaten den Sprung in Repräsentantenhaus oder Senat. Diese Sogwirkung büßt ein Präsident in zwei Jahren Amtszeit oft ein.
„Retourkutschen“ und Solidaritätsbekundungen
Neben dem historischen Sieg Roosevelts müssen vor allem Clintons und Bushs Erfolge im Lichte der ihnen vorangegangenen Ereignisse gesehen werden. 1998 wurden die Erfolge der Demokraten auch als „Retourkutsche“ für das zur gleichen Zeit von den Republikanern verbissen betriebene Amtsenthebungsverfahren gegen Clinton wegen der Lewinsky-Affäre gewertet.
Im Jahr 2002 verdankten dann die Republikaner ihre Zugewinne nicht zuletzt der allgemeinen Solidarität mit Bush in der Folge der Terroranschläge vom 11. September des Jahres davor.
Auch dem mythenumrankten John F. Kennedy gelang es übrigens im Jahr 1962, bei den auf seine Wahl folgenden Halbzeitwahlen zuzulegen, allerdings nur um zwei Senatssitze, während die Demokraten gleichzeitig vier Mandate im Repräsentantenhaus verloren.
Große Verluste keine Seltenheit
Der Langzeittrend ist deutlich: Halbzeitwahlen geben den Wählern eine oftmals willkommene Gelegenheit, gegen die Partei des amtierenden Präsidenten zu stimmen. Und Erdrutschverluste von Dutzenden Sitzen sind keine Seltenheit, auch davon kann Clinton ein Lied singen: Bei den ersten „Midterms“ nach seiner Wahl 1994 verloren die Demokraten auf einen Schlag 54 Sitze im Repräsentantenhaus und acht im Senat.
Clinton musste sich in der Folge - wie im übrigen auch viele seiner Vorgänger von Richard Nixon über Ronald Reagan bis George Bush sen. - mit einem Kongress herumschlagen, der unter der Kontrolle des politischen Gegners stand.
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