„Hunger auch unter uns“
Immer mehr Familien in Österreich leben ab einem bestimmten Tag im Monat fast ausschließlich von Pasta und anderen billigen Lebensmitteln. Armutsexpertin Michaela Moser nennt diese massiv von Armut betroffenen Landsleute „Nudelfamilien“. Im Rahmen einer zum Welternährungstag (16. Oktober) zählenden Veranstaltung erinnerte sie daran, dass es „Hunger auch unter uns“ gebe.
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Ernährungssicherung habe in unseren Breiten zweifellos eine andere Bedeutung als in den ärmeren Ländern, räumte Moser ein. Die relative Armut, die im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung registriert wird, steige auch in Österreich. Vor allem qualitativ hochwertige Nahrung wie frisches Obst und Gemüse werde für immer mehr Menschen zum Luxusgut. Nebenaspekt: Auch die Sozialkontakte nehmen ab, da gemeinsame Mahlzeiten sehr zentral für unser gesellschaftliches Leben sind. Kann man es sich nicht leisten, jemanden einzuladen, verarmt man auch an Beziehungen.
Im EU-Vergleich liegt Österreich mit Platz fünf in Sachen Armut zwar immer noch gut, dennoch können sich immer mehr Menschen nicht mehr auf „regulärem Weg“ ernähren. Die Zahl der Sozialmärkte und anderer Einrichtungen wie „Tafeln“, die günstig oder kostenlos Nahrungsmittel an Bedürftige ausgeben, steigt. In Wien etwa verkaufen derzeit acht SOMAs (Sozialmärkte) billige Lebensmittel.
Genaue Daten schwer zu ermitteln
Verlässliche Daten, wie viele Österreicher hauptsächlich von derartigem Essen leben, seien schwer zu ermitteln. Fakt sei jedenfalls, dass die Zahl derartiger Einrichtungen steigt. Hierzulande würden die Menschen immer weniger für die Ernährung ausgeben. In den 70er Jahren waren es noch rund 30 Prozent des Einkommens, derzeit liege die Zahl bei etwa zwölf Prozent. Dennoch können sich immer weniger Menschen selbst ernähren.
Sozialexperte Martin Schenk vom Netzwerk Armutskonferenz erläuterte im APA-Gespräch: „Solche Einrichtungen sind immer ein soziales Fieberthermometer.“ Seit Ende der 90er Jahre steige die Anzahl kontinuierlich - was den Betroffenen zwar zweifelsohne nütze, aber nur eine Notlösung sein könne. Einerseits, weil diese Einrichtungen nehmen müssen, was ihnen zur Verfügung gestellt werde, und andererseits, weil diese Hilfseinrichtungen das Problem Armut überdecken und bagatellisieren würden. Die Armutskonferenz fordert daher existenzsichernde Einkommen und eine Mindestsicherung, von der man auch leben könne.
Armutshaushalte sparen als Erstes beim Essen und dann bei der Energie: Laut Schenk werde dann etwa nur noch ein Raum geheizt oder man trage in den eigenen vier Wänden Wintermäntel. Die Miete hingegen wird aus Angst, die Wohnung zu verlieren, meist pünktlich bezahlt. Laut Wiener Tafel, die kostenlose Lebensmittel an Bedürftige ausgibt, sind über 13 Prozent der Bevölkerung - das sind mehr als eine Million Menschen - arm oder armutsgefährdet.
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