Gesundheitspolitik des Bürgermeisters
Viel Kritik erntet derzeit der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg für seine neueste Initiative. Gemeinsam mit Gouverneur David Paterson macht er sich dafür stark, dass man künftig mit Lebensmittelmarken keine stark zuckerhaltigen Getränke mehr kaufen kann. Auslöser für den Vorstoß ist das starke Ansteigen von Fettleibigkeit und Diabetes in ärmeren Gegenden New Yorks.
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Der Vorschlag ist Teil einer groß angelegten Kampagne gegen Fettleibigkeit und ungesunde Lebensweise. Unter anderem gibt es bereits strengere Regeln für in Schulen verkaufte Lebensmittel und auch Anzeigen, auf denen Männer zu sehen sind, die paketweise Zucker trinken. Mit einem Versuch, im Bundesstaat New York eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke durchzusetzen, war Bloomberg allerdings gescheitert.

AP/Craig Ruttle
New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg verfolgt seit Jahren eine strikte Gesundheitspolitik.
Der Bürgermeister hat nun gemeinsam mit dem Gouverneur beim US-Landwirtschaftsministerium (USDA), das für die Finanzierung und Organisation des Gutscheinprogramms verantwortlich ist, beantragt, die Auswahl der gegen Lebensmittelmarken erhältlichen Produkte einzuschränken. Rund jeder siebte US-Amerikaner ist auf staatliche Sozialleistungen in Form von Lebensmittelmarken angewiesen, alleine in New York City sind es rund 1,7 Mio. Menschen.
Angst vor Diskriminierung
Auch in der Bevölkerung steht man dem Vorstoß eher ablehnend gegenüber. Sozialhilfeempfänger würden stigmatisiert. Man bediene zudem das Vorurteil, sie könnten selbst keine vernünftige Wahl im Supermarkt treffen. Außerdem wurde der Vorwurf laut, der Bürgermeister messe mit zweierlei Maß. In dem von Bloomberg gegründeten Unternehmen Bloomberg L.P. gebe es immerhin gratis Softdrinks genauso wie fetthaltige ungesunde Lebensmittel zur freien Entnahme für die Mitarbeiter, so ein Angestellter gegenüber der „New York Times“.
Schon öfter erntete Bloomberg Hohn, weil er seine privaten Gewohnheiten nicht an seine strengen Maßstäbe der Gesundheitspolitik anpasst. Auch im Stadthaus des Bürgermeisters, in dem er seine offiziellen Empfänge abhält, gibt es für Gäste zuckerhaltige Limonaden - allerdings, wie der Bürgermeister betonte, nur auf Nachfrage.
Armut in den USA
In den USA hat im vergangenen Jahr jeder siebente Bürger in Armut gelebt. Das waren 43,6 Millionen Amerikaner oder 14,3 Prozent der Bevölkerung. Es war der höchste Stand seit 15 Jahren. Im Zuge der Wirtschaftskrise stieg 2009 auch die Zahl der Bürger ohne Krankenversicherung. Sie betrug im vergangenen Jahr 50,7 Millionen. 2008 waren es noch 46,3 Millionen.
„Irritation und Durcheinander“
Sollte die Behörde dem Antrag stattgeben, wäre es das erste Mal, dass Produkte aufgrund ihres Nährstoffgehalts von der Liste gestrichen würden. Schon 2004 gab es ähnliche Bemühungen im Bundesstaat Minnesota, die damals vom USDA abgelehnt wurden: Mit derartigen Einschränkungen würde die Definition von Lebensmitteln aufgeweicht und „Irritation und ein Durcheinander“ verursacht.
„Trotz der großen Erfolge im Gesundheitsbereich, die wir in den letzten acht Jahren erzielen konnten, gibt es nach wie vor zwei Bereiche, mit denen wir wirklich kämpfen: Fettleibigkeit und Diabetes“, erklärte Bloomberg in einem Statement. „Die Initiative wird New Yorker Familien ermöglichen, mehr Geld für Nahrungsmittel mit wirklichem Nährwert auszugeben,“ ist sich der Bürgermeister sicher.
Zusammenhang zwischen Softdrinks und Gesundheit
Die unlängst veröffentlichten Stadtstatistiken zeigten, dass fast 40 Prozent der Kinder in öffentlichen Betreuungseinrichtungen übergewichtig sind. Ebenso ist die Rate der Fettleibigen in armen Vierteln - wo laut Studien auch überdurchschnittlich viele zuckerhaltige Getränke konsumiert werden - wesentlich höher als in anderen Gegenden.
Thomas A. Farley, der Gesundheitsbeauftragte der Stadt New York betonte im Interview mit der „New York Times“, dass die Familien in Wahrheit keine Einschränkungen zu befürchten hätten: „Sie werden nach wie vor genauso viel Unterstützung wie jetzt bekommen, mit dem Unterschied, dass sie mehr Geld für gesunde Lebensmittel ausgeben können. Sie können selbstverständlich auch Softdrinks kaufen - aber nicht mit Geld vom Steuerzahler“.
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