„Interesse für die deutsche Seite“
Ein Wahldesaster bei den kommenden Zwischenwahlen („midterm elections“) scheint für die Demokraten von US-Präsident Barack Obama kaum noch abzuwenden. Einzelne schillernde, um nicht zu sagen skurrile Kandidaten der Republikaner sorgen aber zumindest für Verwunderung.
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Ein republikanischer Kandidat bei den US-Kongresswahlen geriet nun in Erklärungsnot, weil er auf einem Foto in einer Nazi-Uniform zu sehen ist. Der Herausforderer um einen Sitz im Repräsentantenhaus, Rich Iott, verkleidete sich Berichten in US-Medien zufolge mehrmals als Soldat der Waffen-SS, um Schlachten im Zweiten Weltkrieg aufseiten der Deutschen nachzustellen.
Der 59-Jährige aus dem Bundesstaat Ohio sei bis vor drei Jahren Mitglied einer nach der 5. SS-Panzerdivision benannten „Wiking“-Gruppe gewesen, deren Mitglieder nach eigenen Angaben „ein Interesse für die deutsche Seite des Krieges“ haben, berichtete das Magazin „The Atlantic“.
Demokraten: „Nazi-Enthusiast“
Iotts Teilnahme an den historischen Nachstellungen als SS-Soldat rief heftige Kritik bei jüdischen Organisationen sowie bei seinen politischen Gegnern hervor. Die Demokraten bezeichneten ihn als „Nazi-Enthusiasten“. Iott, der gemeinsam mit seinem Sohn in der „Wiking“-Gruppe aktiv war, bezeichnete die Vorwürfe in einer Reaktion als abscheulich und als Verzerrung der Wahrheit.
Er habe lediglich aus reinem Interesse an der Militärgeschichte an den Nachstellungen mitgewirkt. Dem Sender Fox News sagte Iott, Kriegsszenen nachzuspielen solle eine abschreckende Wirkung auf die Bevölkerung haben. Die Gruppe verbietet nach eigener Darstellung auf ihrer Website jegliche Verherrlichung der Nazi-Ideologie. Der Republikaner will bei den Wahlen am 2. November ins Repräsentantenhaus einziehen.
Allzu schrille Wahlkampftöne
Aber auch sonst präsentieren sich die schärfsten Gegner Obamas als ungeordneter Haufen. Von der republikanischen Senatskandidatin im Staat Connecticut, Linda McMahon, kursieren im Internet Videos, wie sie einem Mann auf offener Bühne herzhaft zwischen die Beine tritt. McMahon ist Chefin des Wrestlingverbands WWE.
Christine O’Donnell, Senatskandidatin in Delaware, hat sich bisher vor allem als Vorkämpferin gegen Masturbation und durch unbezahlte Rechnungen einen Namen gemacht. Gouverneurskandidat Dan Maes aus Colorado bezeichnete die zunehmende Anlage von Fahrradwegen in US-Städten als Komplott der UNO zur Schwächung Amerikas.
Bewaffnete Rebellion gegen Washington?
Die republikanische Senatskandidatin in Nevada, Sharron Angle, deutete in Reden die Möglichkeit einer bewaffneten Rebellion gegen die Regierung in Washington an - ein Recht, das Angle aus der US-Verfassung ableitet. Senatskandidat Rand Paul aus Kentucky lehnt die Bürgerrechtsgesetze aus den 1960er Jahren als unbefugten Eingriff des Staates ab und sieht es als Freiheitsrecht, dass Bürger und Unternehmen Minderheiten diskriminieren dürfen.
„Zutiefst irrational“ und „hysterisch“
Was all diese republikanischen Kandidaten vereint, ist der Zorn aufs politische Establishment in Washington im Allgemeinen und auf die linksliberale Politik von Präsident Barack Obama im Besonderen. Gestützt von einer losen erzkonservativen Basisbewegung, die sich als „Tea Party“ bezeichnet, haben sie sich in den parteiinternen Vorwahlen oftmals gegen den Willen der Republikaner-Führung die Kandidatur für wichtige Ämter gesichert. Die USA sehen diese Kandidaten unter Obama auf dem Weg in den Staatssozialismus. Ihre eigene Mission sehen sie darin, das mit allen Mitteln zu verhindern.
Der Politikexperte Eric Alterman von der linksliberalen Denkfabrik Center for American Progress in Washington stuft die „Tea Party“-Kandidaten als „zutiefst irrational“ und „hysterisch“ ein. Der Parteivorsitzende der Demokraten, Tim Kaine, sagte: „Moderate Ansichten sind bei den Republikanern nicht mehr willkommen.“ Selbst der republikanische Politguru Karl Rove, Berater des früheren Präsidenten George W. Bush, bescheinigte etwa der Kandidatin O’Donnell aus Delaware, sie sei „einfach bescheuert“.
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