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„Niemand von uns ist perfekt“

„Ich bin keine Hexe“ - das sind die ersten Worte, die Christine O’Donnell via Werbespot an ihre Wahlkampfgemeinde richtet. Die Republikanerin und Anwärterin auf einen Senatssitz in Delaware bemüht sich - auf ungewöhnliche Art - um eine Imagepolitur. Die teils radikalen Aussagen der ultrakonservativen Hardlinerin scheinen sie in ihrem Wahlkampf einzuholen.

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Die 41-jährige O’Donnell schaffte es bei den Vorwahlen als Protestkandidatin der Tea-Party-Bewegung, sich im Bundesstaat Delaware gegen einen Vertreter des Partei-Establishments durchzusetzen. Ihren Aufstieg verdankt die fundamentalistische Christin nicht zuletzt der Unterstützung der ehemaligen Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin.

„Ich bin keine Hexe. Ich bin nichts davon, was Sie gehört haben.“ Im schwarzen Blazer vor schwarzem Hintergrund und mit dunkel gefärbten Haaren lächelt sie direkt in die Kamera: „Ich bin so wie Sie.“

Gegen Masturbation, für Hexerei

Seit O’Donnell die Vorwahlen der Republikaner in Delaware gewonnen hat, tauchte eine Vielzahl von Videos im Internet auf, in denen ihre radikalen Positionen und Äußerungen persifliert werden. Die ehemalige PR-Managerin kämpft gegen Abtreibung, prangert Masturbation und Sex außerhalb der Ehe als Sünde an und glaubt nicht an Darwins Evolutionslehre. Sie ist eine Ultrakonservative, die die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama für ein Verbrechen hält. Mit ihren Scherzen, dass sie einst Hexerei ausprobierte, erregte sie Aufsehen. Die Evolution bezeichnete sie als Mythos und erklärte das 1998 in der TV-Politshow „rational“: „Warum werden aus Affen denn jetzt keine Menschen mehr?“

Für ihre ersten Werbespots engagierte O’Donnell laut „New York Times“ („NYT“) nun den republikanischen Werbeexperten Fred Davis. „Niemand von uns ist perfekt“, heißt es in dem Spot. „Aber keiner von uns kann glücklich sein darüber, was wir rund um uns herum sehen: Politiker, die glauben, Geld rauszuwerfen, Vergünstigungen zu kassieren und Hinterzimmerabkommen zu schließen, sind Möglichkeiten, im Amt zu bleiben. Ich gehe nach Washington und mache das, was Sie machen würden. Ich bin wie Sie“, lautet ihre Botschaft.

Futter für Kampagnen der Demokraten

Die Demokraten entdeckten die verbalen Ausrutscher und seltsamen Ansichten republikanischer Kandidaten nun für sich - sie seien Futter für ihre Kampagnen, wie die „LA Times“ schreibt. Durch die Vermischung der alten republikanischen Partei mit dem Rechtsaußenflügel der Tea-Party-Bewegung gehen in einigen Bundesstaaten unerfahrene Kandidaten bzw. Kandidatinnen, die früher von der eigenen Partei nicht ernst genommen wurden, ins Rennen.

Teils sind ihre Ansichten auch von der eigentlichen Parteibasis sehr weit entfernt, und das verstehen die Demokraten, denen bereits eine Wahlschlappe prognostiziert wurde, in ihrer Aufholjagd auszunutzen. Je mehr die Tea-Party-Kandidaten unter Druck kommen, desto mehr geraten sie mit ihren anschließenden Erklärungen ins Schlingern und Trudeln. Das kommt den Demokraten zugute.

Vom „Nebeneffekt“ zur Hauptsache

Diese Strategie der Demokraten hat nichts mit der Spitzfindigkeit der Medien und Videos auf YouTube zu tun. In einigen Fällen trugen diese „Nebeneffekte“ dazu bei, das Rennen um den Sitz im Kongress bzw. im Senat zu beeinflussen.

Bei den „Midterm Elections“, den Wahlen in der Mitte der vierjährigen Präsidentschaft, werden beide Parlamentskammern gewählt. Im Repräsentantenhaus geht es um alle 435 Sitze, im Senat stehen etwas mehr als ein Drittel der 100 Sitze zur Abstimmung. Derzeit können sich die Demokraten im Haus noch auf eine komfortable Mehrheit stützen, im Senat verfügt das Regierungslager über 59 Sitze.

Demokraten: Republikaner als Extremisten

Die Situation ist nun in weiten Strecken das Resultat des Strategiewechsels der Demokraten vom versuchten Abbau der Frustration der Wähler mit den demokratischen Führern in Washington und den Hinweis auf ihre Leistungen hin zur Darstellung der Republikaner als Extremisten - was durch die Ansichten der Tea-Party-Kandidaten noch gestärkt wird, wie die „LA Times“ schreibt.

Die Taktik war eine der wenigen, die die durch die schlechten Wirtschaftsdaten und das allgemeine politische Klima unter Druck geratenen Demokraten überhaupt anwenden konnten. Die neue Taktik funktioniert in einigen Bundesstaaten besser als in anderen. Allerdings gab bisher kaum eine Gruppe von Kandidaten ihren Gegnern so viel Material zum Arbeiten in die Hand.

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