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Raketenangriffe und Bombenanschläge

Mit Bomben und Raketen haben die Taliban versucht, die Afghanen von der Parlamentswahl fernzuhalten. Präsident Hamid Karzai rief dazu auf, der Gewalt zu trotzen. Zahlreiche Unregelmäßigkeiten wurden gemeldet. Massiver Wahlbetrug wird befürchtet.

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Überschattet von Anschlägen und Angriffen wählten die Afghanen zum zweiten Mal seit dem Sturz des Taliban-Regimes vor acht Jahren ein neues Parlament. Die Wahllokale schlossen um 16.00 Uhr Ortszeit. Karzai hatte an seine Landsleute appelliert, sich von der Gewalt der radikal-islamischen Aufständischen nicht einschüchtern zu lassen und sich an der Abstimmung zu beteiligen.

Vor Eröffnung der Wahllokale und zu Beginn der Abstimmung Samstagfrüh kam es in mehreren Provinzen zu Raketenangriffen und Bombenanschlägen. Die Taliban hatten zum Wahlboykott aufgerufen und Wähler bedroht.

Mehr als 40 Menschen getötet

Nach Regierungsangaben wurden am Wahltag mindestens 42 Menschen getötet, darunter 27 Aufständische. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt, 45 davon waren Zivilisten. Die Zahl der Angriffe und Anschläge am Samstag lag nach Regierungsangaben allerdings deutlich unter der bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr. Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak sagte, landesweit seien 305 gewaltsame Zwischenfälle verzeichnet worden. Bei der Präsidentschaftswahl am 20. August 2009 seien 422 Anschläge und Angriffe verübt worden.

Wie hoch war die Wahlbeteiligung?

An der Parlamentswahl beteiligten sich nach Angaben der Unabhängigen Wahlkommission (IEC) 40 Prozent der Stimmberechtigten beteiligt. IEC-Chef Fasel Ahmad Manawi sagte, 3,6 Millionen von neun Millionen Wahlberechtigten hätten ihre Stimme abgegeben. Ursprünglich hatte die IEC die Zahl der Wahlberechtigten allerdings mit 12,5 Millionen angegeben. Nähme man diese Zahl zur Grundlage, läge die Beteiligung unter 30 Prozent.

Unregelmäßigkeiten beobachtet

Nach Angaben der Wahlbeschwerdekommission (ECC) wurde in Kabul ein Mann mit 15 gefälschten Wahlausweisen festgenommen. Die ECC überprüft Betrugsvorwürfe. Nach offiziellen Angaben und Berichten von Augenzeugen wurden auch am nordafghanischen Militärstandort Kundus und in der südafghanischen Provinz Helmand gefälschte Wahlausweise entdeckt.

Ein Reporter der deutschen Nachrichtenagentur dpa in Kundus sagte, Wähler hätten zudem die eigentlich nicht abwaschbare Tinte, mit der ein Fingernagel nach der Stimmabgabe markiert wird, abwischen können. Mit der Markierung sollte vermieden werden, dass Afghanen mit mehreren Wahlausweisen mehrfach wählen. Nach Medienberichten waren zahlreiche gefälschte Wahlausweise im Umlauf. Bei der Präsidentschaftswahl 2009 war der Betrug vor allem dem Karzai-Lager angelastet worden.

Karzai: „Nicht abschrecken lassen“

Karzai sagte bei seiner Stimmabgabe in Kabul: "Wir hoffen, dass es eine hohe Wahlbeteiligung geben wird und dass sich niemand von Zwischenfällen abschrecken lassen wird." Die Männer und Frauen müssten ihre Kandidaten ohne Druck wählen können.

Afghanischer Präsident Hamid Karzai

APA/EPA/S. Sabwoon

Präsident Hamid Karzai bei der Stimmabgabe

Der Sprecher der Unabhängigen Wahlkommission (IEC), Nur Mohammad Nur, sagte, trotz Anschlagsdrohungen hätten landesweit 90 Prozent der Wahllokale pünktlich geöffnet. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Sahir Asimi, fügte hinzu, in den ersten Stunden der Wahl sei es zu keinen bedeutenden Zwischenfällen gekommen. Die Taliban teilten auf ihrer Website mit, sie hätten Dutzende Anschläge verübt und hunderte Wahllokale zur Schließung gezwungen. Angaben der Taliban sind in der Regel stark übertrieben.

Bombenexplosion in Wahllokal

Zwischenfälle wurden aus mehreren Provinzen gemeldet. Die Polizei teilte mit, bei einer Bombenexplosion in einem Wahllokal in der ostafghanischen Stadt Chost sei ein Mitarbeiter der Wahlkommission (IEC) verwundet worden. In der Hauptstadt Kabul sei ein Geheimdienstmitarbeiter verletzt worden, als ein Sprengsatz kurz vor Öffnung der Wahllokale detonierte. Ein Selbstmordattentäter sei in Kabul festgenommen worden, bevor er sich in die Luft sprengen konnte.

Wenige Stunden zuvor war eine Rakete in der Kabuler Innenstadt eingeschlagen. Auch in mehreren anderen Provinzen wie Kundus, Kandahar oder Nangarhar kam es zu Raketenangriffen. In der östlichen Provinz Kunar griffen Taliban-Kämpfer nach Angaben des Verteidigungsministeriums Wahllokale an.

Mehr als 1.000 Wahllokale blieben geschlossen

Nach Angaben des Innenministeriums wurden an den knapp 6.000 Wahllokalen im ganzen Land 52.000 Polizisten eingesetzt. Im weiterem Umkreis sorgten zusätzlich 63.000 afghanische Soldaten für Sicherheit. Die Internationale Schutztruppe ISAF mit ihren 120.000 Soldaten stand bereit, um in Notfällen einzugreifen. Trotzdem blieben mehr als 1.000 Wahllokale geschlossen, die in unsicheren Gegenden besonders im Süden und Osten liegen.

Die IEC operierte mit der Zahl von 12,5 Millionen Wahlberechtigten. Sie vergaben ihre Stimme nicht an Parteien, sondern an einzelne Abgeordnete, die einem politischen Lager nicht immer eindeutig zuzuordnen sind. Rund 2.500 Kandidaten - darunter mehr als 400 Frauen - bewarben sich um die 249 Sitze im Unterhaus (Wolesi Jirga). Beschwerden über Betrug muss die ECC überprüfen. Nach dem offiziellen Zeitplan soll sie ihre Entscheidungen bis zum 24. Oktober an die IEC übermitteln. Die IEC will am 9. Oktober ein vorläufiges Ergebnis und am 30. Oktober ein amtliches Endergebnis verkünden.

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