Pferderennen auf der Festwiese
Die Maß braunes Kellerbier kostete drei Kreuzer und drei Pfennige, und das Rauchen im Bierzelt war kein Thema. Beim allerersten Oktoberfest vor 200 Jahren gab es gar keine geschlossenen Zelte, nur offene Häuschen aus Brettern. Die feiernden Münchner lagerten auf einer Anhöhe über der Festwiese, dem Berg des damals noch selbstständigen Dorfes Sendling.
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Die „Ur-Wiesn“ im Oktober 1810 war eine königliche Hochzeitsfeier, und ganz München feierte mit. Das Wetter stimmte, als Kronprinz Ludwig, der spätere König Ludwig I., Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen heiratete. Die Feierlichkeiten seien „unter dem größten Jubel einer unermesslichen Volksmenge und bei der erwünschtesten Witterung“ über die Bühne gegangen, zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ die „Allgemeine Zeitung“ von damals. Ein Pferderennen war am 17. Oktober auf dem Gelände der heutigen Wiesn Höhepunkt und Abschluss der fünftägigen Feiern - daraus entstand das größte Volksfest der Welt.
Die Idee zu dem Rennen kam praktisch von einem „Taxler“. Der Lohnkutscher Franz Baumgartner, der in der Kavallerie des Bürgermilitärs diente, unterbreitete den Vorschlag dem Kavalleriemajor Andreas von Dall’Armi, der beim König die Erlaubnis einholte.
Ganz München feierte die Hochzeit
Gemälde von damals zeigen eine bunte, herausgeputzte Menge, die am Rande eines riesigen Areals bei blauem Herbsthimmel das Spektakel verfolgt, in der Mitte das Zelt der königlichen Gesellschaft. Praktisch alle Münchner, damals 40.000 Menschen, waren auf den Beinen, um die Hochzeit zu feiern. „Allein das allgemeine Vivat-rufen drang vor und begleitete die allerdurchlauchtigste allgeliebte Regentenfamilie bis über den Rennplatz hinaus“, berichtete Dall’Armi.
Bei dem Pferderennen huldigten Vertreter aller bayrischen Volksgruppen der königlichen Familie, eine Gruppe von 16 Kinderpaaren in den verschiedenen Landestrachten zog mit Blumen und Früchten zum Königspavillon. Zu Ehren der Braut wurde der Rennplatz „Theresens-Wiese“ genannt, aus dem Zungenbrecher wurde Theresienwiese und schließlich die „Wiesn“. Die Pferderennen als ältester Bestandteil des Volksfestes wurden 1938 aus organisatorischen Gründen abgeschafft. Alle vier Jahre gibt es aber als Relikt das Bayerische Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF) im Südteil der Theresienwiese.
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