Schwierige Kurven
Nach dem Abzug der Kampftruppen aus dem Irak läuft nun auch in Afghanistan der Countdown: US-Präsident Barack Obama hatte angekündigt, ab Juli kommenden Jahres Schritt für Schritt mit dem Truppenabzug zu beginnen.
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Der afghanische Präsident Hamid Karzai will bereits ab 2014 das Land nur noch mit einheimischen Polizeikräften sichern - und das, obwohl die radikal-islamischen Taliban in den letzten Monaten wieder deutlich Boden gewonnen haben, wie nicht zuletzt öffentliche Hinrichtungen mitten in Städten beweisen.
Umso wichtiger ist es, die afghanischen Sicherheitskräfte rasch auszubilden. Genau darauf legen die ausländischen Truppen in letzter Zeit vermehrt ihr Augenmerk. Sie stoßen dabei aber auf unerwartete Hürden. So kommt es immer wieder zu gewalttätigen Zwischenfällen: Vor zwei Tagen starben zwei spanische Ausbildner und ein Übersetzer, als ein Kadett während einer Übung plötzlich das Feuer auf sie eröffnete. Im Juli gab es zwei ähnliche - ebenfalls tödliche - Zwischenfälle.
Gefahrenquelle Nummer eins
Doch eines der größten Probleme bei der Ausbildung ist ein völlig anderes: die mehr als zweifelhaften Fahrkünste der afghanischen Soldaten. Wie die „Los Angeles Times“ berichtet, verletzen sich afghanische Soldaten weniger im Kampf mit dem Feind: Mehr als die Hälfte der Verletzungen geht vielmehr auf großteils selbst verschuldete Autounfälle zurück.
Afghanische und US-Trainer im von der NATO betriebenen Kabuler Militärtrainingszentrum, wo 10.000 Rekruten ausgebildet werden, seien „schockiert“ gewesen, als sie entdeckten, wie schlecht die Afghanen Auto fahren. „Wir verlieren sie schneller durch Autounfälle als durch Kampfeinsätze“, so der Leiter des Trainingszentrums, Generalleutnant der US-Armee William B. Caldwell, gegenüber der „L. A. Times“.
Probleme mit Vorrangregel
Mehr als die Hälfte der Verletzungen sind auf Autounfälle zurückzuführen. Seit 2005 wurden demnach 141 Soldaten und Rekruten durch Überfahren und Kollisionen getötet. Die häufigsten Unfallursachen: Zu hohe Geschwindigkeit, Unfähigkeit, Kurven zu fahren und die Weigerung, anderen Autos den Vorrang zu lassen.
Die Trainer kommen aus verschiedenen ISAF-Partnerländern. Während etwa rumänische Soldaten die Rekruten in Aufklärung unterrichten, sind US-Marines für die Fahrerausbildung zuständig. Mehr als 80 Prozent der Rekruten sind Analphabeten aus kleinen Dörfern, die noch nie ein Lenkrad in der Hand hatten. Und jene, die Fahrpraxis haben, eigneten sich diese auf den Straßen des von Stau und Dauerchaos beherrschten Kabul an, wo der Verkehr laut „L. A. Times“ einem „Zerstörungswettrennen“ gleichkommt.
Mitfahrer fallen von Ladefläche
In nächster Zeit werden die USA die afghanische Armee mit 5.000 Humvees ausrüsten. Diese sind mit Waffenständen und schwerer Panzerung, die Minen standhalten soll, bestückt. Selbst für autobegeisterte junge US-Amerikaner sei der Humvee aber eine Herausforderung, da das Lenken und Bremsen vergleichsweise kompliziert sei.
Pickup-Lastwagen stellen ein eigenes Problem dar: Viele afghanische Soldaten hinter dem Steuer würden darauf vergessen, dass ihre Kameraden auf der offenen Ladefläche sitzen. Häufig passiere es, dass ein Fahrer mit viel zu großer Geschwindigkeit über eine Bremsschwelle fährt und die Passagiere auf der Ladefläche regelrecht abwirft.
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