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„Verräter“ an der Sache der Autofahrer

Der US-Verkehrsminister Ray LaHood hat seit dem Frühjahr umfassende Änderungen in der US-Verkehrspolitik angekündigt und dafür konträre Reaktionen geerntet. Der frühere republikanische Kongressabgeordnete will Radfahrern und Fußgängern künftig bei der Verkehrsplanung und der Vergabe öffentlicher Mittel dieselbe Bedeutung beimessen wie bisher Autos und Lkws.

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Dass LaHood mit diesem „Randthema“ scharfe Reaktionen auslöste, ist kein Zufall: Gelten Autos doch nicht nur als das Fortbewegungsmittel schlechthin in den USA. Vielmehr sind sie das Symbol für einen der zentralen gesellschaftlichen Werte - Freiheit. Auch wenn man sich in Europa den USA gern ökologisch überlegen wähnt, sind LaHoods Pläne auch im europäischen Maßstab durchaus fortschrittlich.

„Das ist das Ende des Vorzugs motorisierten Verkehrs auf Kosten des nicht motorisierten“, kündigte LaHood in seinem Blog im April den neuen Kurs seines Ministeriums an. Die Auto- und Lkw-Lobbyisten bremsten LaHoods Enthusiasmus und bezeichneten die Ideen als unsinnig, dumm und total verrückt.

Anhebung der Lebensqualität

Die Vorschläge sind eine Erweiterung der Initiativen Barack Obamas zur Anhebung der Lebensqualität. Der US-Präsident macht sich unter anderem für die Schaffung von Alternativen zum Individualverkehr durch den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel als Lösung des nationalen Transportproblems stark. Gleichzeitig mit dem Blogeintrag veröffentlichte LaHood eine Regierungserklärung mit dem Aufruf, „Fußgängern und Radfahrern auf Augenhöhe mit anderen Verkehrsteilnehmern“ zu begegnen. Er empfiehlt unter anderem einen Ausbau von Fuß- und Radwegen sowie bessere Schneeräumung von Gehsteigen.

Superstar in der Radcommunity

Durch seine neue Politik wird LaHood in der amerikanischen Radfahrercommunity als Superstar gefeiert. Als „Radsportmann des Jahrhunderts“ wird er auf der Bikerseite ridemonkey.com genannt, die Website der Adventure Cycling Association feiert den Verkehrsminister als „unseren Helden“. Während LaHood auch von Umweltschützern und Stadtplanern viel Lob für seine Ideen erntet, stehen ihm Konservative und Lobbyisten der Autoindustrie feindselig gegenüber.

„Für eine Industrienation unsinnig“

„LaHoods Wunsch nach Gleichstellung von Radfahrern ist für eine moderne Industrienation völlig unsinnig“, fasst das Blog der amerikanischen Industriellenvereinigung shopfloor.org zusammen. „Es ist kein Sakrileg, aber es radikal zu nennen, ist eine faire Beschreibung. Eine derartige Wende in der US-Verkehrspolitik könnte tiefgreifende Folgen für die US-Wirtschaft haben.“

Gleichstellung statt Bevorzugung

LaHood zeigte sich überrascht von der Kontroverse, die er mit seinem Vorstoß ausgelöst hatte und betonte, dass es ihm nicht um eine Bevorzugung, sondern um eine Gleichstellung der Radfahrer gegangen wäre. Der Verkehrsunterminister Roy Kienitz beruhigte die aufgeregten Gegner: LaHoods Vorschlag sei keine politische Verordnung und daher nicht zwingend umzusetzen. Trotzdem unterstützt er den Minister in der Ansicht, die Regierung dürfe nicht auf dem Standpunkt bleiben, dass Autos und Züge die einzig wahren Transportmittel seien. „Wir müssen prüfen, welche Vorteile wir durch alternative Verkehrsmittel haben und wie sich mögliche Ausgaben dafür rechnen könnten.“

Der Verkehrsminister und seine Frau sind selbst laut eigenen Angaben begeisterte Wochenendradler. Bei einer Versammlung von Hunderten Radenthusiasten in Washington erntete LaHood Jubel für seine Ankündigung, sich dafür einzusetzen, dass die Radfahrpolitik mit ähnlicher Priorität behandelt würde, wie etwa die Schaffung erschwinglichen Wohnraums.

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