Mit Paranoia gegen Gratisräder
Radfahren ist böse, vor allem wenn es um Citybikes geht. Diese Ansicht vertrat der republikanische Gouverneurskandidat in Colorado, Dan Maes, im Vorjahr. Er wollte damit den Bürgermeister von Denver und Widersacher um das Gouverneursamt, John Hickenlooper, der die Stadträder fördert, im Wahlkampf in Bedrängnis bringen. Die Strategie erwies sich allerdings als nicht besonders erfolgreich.
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Maes warnte in einer Wahlkampfrede seine Anhänger vor den Citybikes, wie die „Denver Post“ berichtete. Sie würden Denver in eine von den Vereinigten Nationen (UNO) kontrollierte Gemeinschaft verwandeln. Das sei noch sehr gut verschleiert, werde aber bald enthüllt werden, so Maes. In einem Interview verstärkte Maes seine Vorwürfe gegen die Radinitiative noch.
Früher habe er gedacht, die Stadträder und auch andere Umweltinitiativen von Hickenlooper seien gut gemeint und harmlos. Dann hätte er begriffen, „das ist genau, was sie wollen, dass man denkt“. Es sei viel mehr dahinter. „Es ist größer, als man oberflächlich erkennen kann, es könnte unsere persönliche Freiheit gefährden“, so Maes in einem Interview.
Umweltschutz als Dorn im Auge
„Das sind nicht nur kleine nette Ideen vom Bürgermeister. Das sind sehr klare Strategien, die von einem UNO-Programm diktiert werden“, die die Bürgermeister unterschrieben hätten, so Maes.
Maes bezog sich dabei auf die Mitgliedschaft Denvers beim International Council for Local Environmental Initiatives (ICLEI), einer internationalen Gemeinschaft, die sich für nachhaltige und umweltverträgliche Entwicklungen in Kommunen einsetzt und weltweit rund 1.200 Mitglieder hat, davon 600 Gemeinden in den USA. Denver ist laut Angaben der Stadtverwaltung bereits seit 1992 Mitglied - ein Jahrzehnt, bevor Hickenlooper Bürgermeister wurde.
Innere Überzeugung oder gesponsert?
Hickenlooper setzte sich bereits seit geraumer Zeit fürs Radfahren ein. Er sieht darin eine „umweltfreundliche und gesunde Weise, um in die Arbeit zu kommen“. Er hoffe, dass mehr Menschen dem Beispiel folgten. Hickenlooper hat allerdings damit die mächtige Autolobby gegen sich aufgebracht. Just am Vortag eines Fundraiser-Essens mit Autohändlern lobte er die Citybike-Initiative seiner Stadt. „So können wir uns von den Autos entwöhnen“, so Hickenlooper.
Ob Maes finanzielle Unterstützung von der Autolobby erhielt und deshalb die Citybikes als gefährlich für die Stadt und die persönliche Freiheit sah, oder ob er „nur“ aus innerer Überzeugung dagegen auftrat, war Gegenstand von Spekulationen in den US-Medien.
„UNO will unsere Städte übernehmen“
Maes forderte ein Ende der Stadträderinitiative. Die Betreiber setzten die Umwelt über die persönlichen Rechte der Amerikaner. Eine autofreie Zone etwa in der Innenstadt nannte Maes eine „Traumphilosophie der UNO“. Das Programm fordere auch, dass Arbeitgeber Duschen für die Radfahrer einrichteten und dass Parkplätze speziell für umweltfreundliche Fahrzeuge eingerichtet werden, so Maes. Er sah in den Umweltinitiativen einen größeren Plan der UNO, alle US-Städte unter ihre Kontrolle zu bringen. „Die UNO will die USA zersetzen“, wird Maes in der „Denver Post“ zitiert.
Verschwörungstheoretiker und „rechter Spinner“
Hochrangige Republikaner wie etwa der heutige Verkehrsminister Ray LaHood, der für die Republikaner im Senat saß, gingen auf Distanz zu Maes. LaHood lobte bei einem Besuch in Denver die Verkehrsinitiativen und schwang sich selbst aufs Rad.
Kritiker sahen in Maes einen Verschwörungstheoretiker, der versuche, im Wahlkampf Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Nichts von seinen befremdlichen Theorien und Aussagen habe etwas mit der Realität zu tun, so US-Politexperten.
Die Huffington Post sah in den Maes-Aussagen die verrückte Paranoia der Angst vor der Bedrohung durch Fremde. Andere Kritiker bezeichneten Maes als „rechten Spinner“. Bezeichnend dafür seien auch die unter Rechten sehr beliebten Angriffe auf die UNO, die in diesen Kreisen neben der US-Regierung so ziemlich für alles, was ihnen nicht passe, die Schuld zugewiesen bekomme. Maes bekam bei der Wahl auch die Rechnung präsentiert: Er landete abgeschlagen auf Rang drei.
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