Festspiele Bregenz Eröffnung Zeremonie Festspielhaus

Dietmar Mathis

71. Bregenzer Festspiele sind eröffnet

Mit einem Appell zur Wahrung der Offenheit und Freiheit hat Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) am Mittwoch die 71. Bregenzer Festspiele eröffnet. Sie spannte in ihrer Rede den Bogen von der Bedeutung der Kunst über den Terrorakt in Nizza bis hin zur Wiederholung der Bundespräsidentenwahl.

Bures betonte am Mittwochvormittag bei ihrer Eröffnungsrede im Festspielhaus, dass es ihr eine „unverhoffte, aber wirklich große Freude und Ehre“ sei, die Festspiele „in diesem besonderen Jubiläumsjahr eröffnen zu dürfen“. Sie spielte somit darauf an, dass sie in Ermangelung eines Bundespräsidenten zu dieser Ehre kam.

Doris Bures Eröffnung

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Bures sprach von einer „unverhofften Ehre“, die Festspiele in der Jubiläumssaison eröffnen zu dürfen

Anlässlich des 70-jährigen Bestehens erinnerte Bures an die Anfänge der Festspiele auf zwei Kieskähnen im Jahr 1946. „Der Friede war Wirklichkeit geworden.“

Bures thematisierte Nizza und Wahlwiederholung

Bures hob in ihrer Rede auch die gesellschaftspolitische Kraft der Kunst hervor, immer wieder Kontroversen anzustoßen. Sie mahnte dazu, diese niemals zum Anlass zu nehmen, um „jene, die sie auslösen, zu beschränken“. Denn erst am Ermöglichen von kritischer Kunst erkenne man die Offenheit einer Gesellschaft. Man müsse alles daran setzen, „unsere Offenheit und Freiheit zu wahren und zu verteidigen“. Sie nannte sie „feige Terrorakte wie jüngst jener in Nizza“ als Angriffe auf unsere Grundwerte.

Außerdem sprach sie davon, dass in der nächsten Zeit viele substanzielle Kontroversen bevorstünden. Damit spannte sie einen Bogen zu den politischen Fragen der kommenden Wochen und Monate, die in Österreich erneut von einer Wahlauseinandersetzung geprägt sein werden, in der EU vom erstmaligen Austritt eines Mitgliedsstaates.

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Festspieleröffnung

Im Beitrag von Bernhard Stadler sehen Sie Hans-Peter Metzler, Doris Bures und Thomas Drozda.

Zentral sei dabei, wie diese Kontroversen geführt würden: „Im Zentrum muss immer die Frage stehen: Wie können wir Brücken bauen und Gräben zuschütten?“ Dabei gehe es immer um die Verantwortung für das Ganze, so Bures.

Festspiel-Präsident dankte Wiener Symphonikern

Mit der Landes- und Bundeshymne und einem Auszug aus der Hausoper „Hamlet“ von Franco Faccio – dargeboten von den Wiener Symphonikern unter Dirigent Paolo Carignani - begannen die Feierlichkeiten am Mittwochvormittag im Festspielhaus.

Danach ergriff Festspiel-Präsident Hans-Peter Metzler das Wort: Er hob in seiner Rede unter anderem das Schaffen des ehemaligen Intendanten Alfred Wopmann hervor. Ihm verdanke man, dass nicht nur bei Freilichtaufführungen eine neuartige Tradition geschaffen worden sei. Richtungsweisend sei auch die Entscheidung für die Zusammenarbeit mit den Wiener Symphonikern gewesen, die bereits 1946 bei der ersten Festwoche dabei waren und seit 1947 einen festen Bestandteil des Spiels auf dem See bilden.

Wiener Symphoniker

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Ernteten viel Lob von den Eröffnungsrednern - die Wiener Symphoniker (hier mit Dirigent Paolo Carignani)

Die Zusammenarbeit habe sich ungemein positiv für beide Seien erwiesen, sagte Metzler. Er dankte im Namen der Festspiele und „ganz persönlich“ den Wiener Symphonikern und deren Chefdirigenten.

„Zusammenspiel ohne Diktat von Nationalität“

Metzler sprach außerdem von Offenheit als „unabdingbarer Voraussetzung“ für Kunst. Für die Verantwortlichen der Festspiele gehöre es zum Selbstverständnis, die Bedingungen zu erhalten und zu schaffen, „Menschen über die Kunst zusammenzubringen“. Man könne sich nur wünschen, dass die ganze Welt eben doch Bühne sei - in Hinblick auf ein „kreatives und produktives Zusammenspiel von Menschen - ohne Diktat von Nationalität und Ideologie, allein fokussiert auf ein gemeinsames Projekt“. Diese Utopie werde in Bregenz gelebt.

Die Eröffnungsfeier zum Nachsehen

Die Eröffnungsfeierlichkeiten zum Nachsehen in der ORF-TVthek: tvthek.ORF.at.

Die Bregenzer Festspiele sind laut Metzler ein besonderes Fest - auch im Sinne des deutschen Philosophen Odo Marquard, gemäß dem bei einem Fest „das genießende Leben, das praktische Leben, das beschauliche Leben“ gleichermaßen zu pflegen seien. Der Sprung vom „Fest“ zum „Festival“ sei im Falle von Bregenz „ein alle Sinne ansprechendes Erleben“. Am Ende seiner Ausführungen wollte Metzler nur noch die Musik sprechen lassen: „Sie hat uns immer etwas zu sagen.“

Drozda wies auf Aufgabe der Kunst hin

Nach weiteren Auszügen aus dem musikalischen Programm der Festspiele war der neue Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) am Rednerpult. Auch er hob die Rolle der Wiener Symphoniker hervor. Dass Österreich in der Kultur weltweit eines der weltführenden Länder sei, habe mit Institutionen wie den Wiener Symphonikern und den Festspielen zu tun. Wer irgendwo in der Welt nach österreichischen Weltmarken suche, komme relativ schnell zu eben diesen Kulturveranstaltern, so Drozda.

Drozda

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Kulturminister Thomas Drozda bei seiner Eröffnungsrede im Festspielhaus

Außerdem betonte er, wie wichtig es ist, die Verantwortung für die freie Entwicklung der Kunst zu übernehmen. Diese sei in der Verfassung garantiert. Man habe aber auch Verantwortung, was die Finanzierung betreffe. Kunst brauche sich nicht über „Umwegrentabilitäten“ zu rechtfertigen. Sie sei der Reichtum unserer und folgender Generationen.

Die Kunst helfe uns, zu erkennen, „was richtig und was falsch ist, was menschlich geboten und was unmenschlich und zynisch ist“, so Drozda. Ihre Aufgabe sei es, „versteckte Gefährdungen für diese errungene Zivilisation beim Namen zu nennen und dann regelmäßig den Finger schmerzhaft in die Wunden unserer menschlichen Gemeinschaft zu legen“.

Prominente Gästeschar

Unter den Festgästen in Bregenz waren auch Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ), Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP), Sozialminister Alois Stöger (SPÖ), der Zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopf (ÖVP) sowie zahlreiche weitere Politiker auch aus den Nachbarländern.

Kern Eröffnungszeremonie

Dietmar Mathis

Vorarlbergs LH Markus Wallner, Bundeskanzler Christian Kern und Bures

Die Vertreter der Vorarlberger Landesregierung - allen voran Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) - ließen sich die Feierlichkeiten ebenfalls nicht entgehen. Auf der Gästeliste stehen außerdem namhafte Persönlichkeiten aus dem Bereich Wirtschaft und Kultur - mehr dazu in 70 Jahre Festspiele: Die Eröffnung in Bildern.

Sendungshinweise

Die Premiere von „Hamlet“ ist am Mittwoch um 20.15 Uhr live in ORF III zu sehen. Ö1 überträgt ab 19.30 Uhr - mehr dazu in Bregenzer Festspiele 2016 live - Franco Faccio: „Amleto“.

Erstaufführung der Oper „Hamlet“

Den künstlerischen Auftakt des fünf Wochen dauernden Sommerfestivals gibt es Mittwochabend mit der österreichischen Erstaufführung der Oper „Hamlet“ von Faccios. Das vertonte Shakespeare-Drama (Libretto Arrigo Boito) wurde 1865 in Genua uraufgeführt und seither - laut Intendantin Elisabeth Sobotka „zu Unrecht“ - nur noch zweimal inszeniert. Den Hamlet wird der junge Tscheche Pavel Cernoch verkörpern.

Hamlet Fotoprobe

Bregenzer Festspiele/Karl Forster

„Hamlet“ Claudio mit seinem Volk

„Turandot“ geht in zweite Saison

Interesse an der Seeaufführung zeigen die Zuschauer auch im zweiten Jahr von „Turandot“. Deutlich mehr als 75 Prozent der 162.000 Tickets seien bereits gebucht, es gehe „in Richtung 80 Prozent“, sagte Festspiel-Sprecher Axel Renner am Montag zur APA. Von den 4.600 Tickets für die Hausoper „Hamlet“ waren zwei Tage vor der ausverkauften Premiere am Donnerstag ebenfalls weit über drei Viertel abgesetzt. Karten für die Seeaufführungen seien praktisch noch „in allen Kategorien und für alle Tage“ zu bekommen, so Renner. Alles in allem sind 183.000 Tickets aufgelegt.

Fotoprobe "Turandot" 2016 Übersichtsbild mit der Maske Lou-Ling

Bregenzer Festspiele/Karl Forster

„Turandot“ 2016: Übersichtsbild mit der Maske Lou-Ling

Dabei verspricht die Wiederaufnahme des Publikumserfolgs „Turandot“ auf der Seebühne einiges. Giacomo Puccinis letzte und unvollendete Oper - die erst 1926, zwei Jahre nach dem Tod des Komponisten, uraufgeführt wurde - kommt in Bregenz in einer Fassung auf die Bühne, die bei der Uraufführung gestrichene Szenen des Opern-Vollenders Franco Alfano wieder aufnimmt.

Auch baute Regisseur Marelli in seiner Inszenierung 2015 psychologische Aspekte der Geschichte um eine chinesische Prinzessin ein, die alle Brautwerber auf die Probe stellt und bei deren Nicht-Bestehen köpfen lässt. Aufmerksamkeit erzeugte Marelli bereits im vergangenen Jahr mit seiner opulenten Seekulisse: eine Nachbildung der chinesischen Mauer, 27 Meter hoch, 72 Meter breit und 335 Tonnen schwer aus orangefarbenen, goldglitzernden Mauersteinen, die sich im Aufführungslicht auch zu einem Drachen verwandelt. Wie jedes Jahr spielen die Wiener Symphoniker, dirigiert werden sie von Paolo Carignani.

Besonderes Schmankerl am Vorabend

Ein besonderes Schmankerl gab es bereits am Dienstag, am Vorabend der Eröffnung. In Erinnerung an das erste Spiel auf dem See 1946 wurde wie damals auf einem Kieskahn im Bregenzer Gondelhafen Mozarts Jugendwerk „Bastien und Bastienne“ aufgeführt - mehr dazu in Die geheimnisvolle Geburtsstunde der Festspiele.

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