„A Uma Hora Incerta“

Viennale

Preisregen auf der Viennale

Obwohl die Viennale traditionell keinen Wettbewerb ausrichtet, werden zum Abschluss dennoch Preise vergeben. Mit dem Wiener Filmpreis wurden „Lampedusa im Winter“ von Jakob Brossmann, sowie „Ich seh Ich seh“ von Veronika Franz und Severin Fiala ausgezeichnet. Der Fipresci-Preis, der Preis der internationalen Filmkritik, geht an „Coma“ von Sara Fattahi. Daneben wurden auch mehrere Publikumspreise verliehen.

Der seit 1991 jährlich vergebene Wiener Filmpreis zeichnet jeweils einen österreichischen Langfilm in der Kategorie „Spielfilm“ und „Dokumentarfilm“ aus, der im vergangenen Jahr zur Aufführung gelangte. Die mit 17.000 Euro und Sachpreisen dotierte Auszeichnung wird von einer prominent besetzten Jury vergeben, die sich dieses Jahr aus der Journalistin Nicole Albiez, der Künstlerin Dorit Margreiter, dem Zeichner Tex Rubinowitz, der Künstlerin und Philosophin Elisabeth von Samsonow und dem künstlerischen Leiter des Donaufestivals, Tomas Zierhofer-Kin, zusammensetzt.

Wiener Filmpreis geht an „Ich seh Ich seh“

Mit „Ich seh Ich seh“ von Veronika Franz und Severin Fiala gelangt das Horror-Highlight des letzten Jahres zur Auszeichnung. Die Jury begründet ihre Wahl unter anderem damit, dass der Film „die Figur einer jungen Frau, die den Erwartungen ihrer Kinder nicht mehr entspricht, zur Quelle des Horrors“ transformiert. Dem Film gelinge es, „in der ‚totalen Projektion‘ von Phantasma, Wahn und visueller Oberfläche ein ‚Reales‘ aufzuzeigen, dem nicht zu entkommen ist.“

Szene aus "Ich seh ich seh"

Stadtkino Filmverleih

„Ich seh Ich seh“: Der Horrorfilm kann derzeit auch international punkten

Internationaler Kritikerperis an „Coma“

Jakob Brossmann wird für „Lampedusa im Winter“ ausgezeichnet, das sich der Lage auf der süditalienischen Insel widmet. „Der Film beeindruckt durch die Art und Weise, wie er die komplexe Problemlage der Menschen in Lampedusa nachzeichnet, das Bild einer Insel wiedergibt, die nicht nur um ihr eigenes ökonomisches Überleben kämpft, sondern auch mit den ankommenden Flüchtlingen zurecht zu kommen versucht. Dieser Film macht Mut durch die Schilderung der zivilen und institutionellen Haltung der Menschen von Lampedusa, insbesondere der Frauen.“

Filmstill aus "Lampedusa im Winter"

Viennale

„Lampedusa im Winter“: Jakob Brossmanns Dokumentation wurde gleich zwei Mal prämiert

Der Fipresci-Preis, der Preis der internationalen Filmkritik, geht ebenfalls an eine aktuelle Dokumentation, die sich mit der Situation in Damaskus befasst: Sara Fattahis „Coma“ wird von der Jury als „Home-Movie aus dem winterlichen Damaskus, eine Isolationsstudie, ein Kriegs- und Familienfilm“ bezeichnet, dessen „rohe, fragmentarische Form (...) die Dringlichkeit dieses Unterfangens, das intim und hochpolitisch zugleich erscheint“ betont.

Filmstill aus "Coma"

Viennale

„Coma“: Dokumentarfilm, der drei Frauen im umkämpften Damaskus begleitet

Doppelte Ehre für „Lampedusa im Winter“

Neben den Auszeichnungen der Fachjurys wird auch der Viennale-Publikumspreis vergeben. Eine Leserjury des „Standard“ prämiert dabei einen Film, der noch keinen Verleih in Österreich hat und dem ein Kinostart in Österreich besonders empfohlen wird. „A Uma Hora Incerta“, eine „Vater-Tochter Beziehung inmitten einer Geschichte über Verrat, Intrigen, Begierden und dunkle Neugier“ des portugiesischen Regisseurs Carlos Saboga konnte mit „komplexen Charakteren, die immer verführen aber nie erklären“ die Leser „begeistern“.

Szene aus „A Uma Hora Incerta“

Viennale

„A Uma Hora Incerta“: Komplexe Charaktere im Portugal der 40er Jahre

Über eine zweite Prämierung durfte sich Jakob Brossmann freuen: Seine „berührende, aufrüttelnde und zugleich tröstliche Dokumentation“ „Lampedusa im Winter“ wurde auch mit dem „MehrWERT“-Filmpreis der Erste Bank ausgezeichnet. Der „MehrWERT“-Kurzfilmpreis geht an Claudia Larchers „Self“: Ihr siebenminütiger Film über das größte Sinnesorgan, die Haut, konnte die Jury als „faszinierende akustische und visuelle Seelenlandschaft voller Abgründe fremdartigen, unheimlichen Lebens“ überzeugen.

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