Szene aus "Iris"

Viennale

Das älteste It-Girl der Welt

Iris Apfel, 93-jährige Kultfigur der New Yorker Modeszene, ist der Star in Albert Maysles bemerkenswerter Doku „Iris“. Beherzt hat der hochbetagte Filmemacher kurz vor seinem Tod eine ebenso exzentrische wie warmherzige Persönlichkeit porträtiert und damit ein inspirierendes, generationenübergreifendes Zeitdokument geliefert.

Der im März 2015 im Alter von 87 Jahren verstorbene Maysles gehörte zu den wichtigsten Dokumentarfilmern der Vereinigten Staaten. Er drehte Dokumentationen über Berühmtheiten wie Marlon Brando und Truman Capote und über Bands wie die Rolling Stones („Gimme Shelter“, 1969).

Extravagante Stilikone

Mit seinem letzten Film „Iris“ setzte er der extravaganten New Yorker Stilikone Iris Apfel ein liebenswertes Denkmal. Die 93-Jährige, die aufgrund ihres außergewöhnlichen Stils weit über die USA hinaus bekannt ist, wird als kreativer, charmanter und kluger Freigeist dargestellt - durch und durch eine Lady, die ihr Leben lang weit mehr war als ein „Fashion Victim“.

Szene aus "Iris"

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Lebender Beweis: Stil ist keine Frage des Alters

Aufgewachsen zur Zeit der großen Depression, studierte Iris Kunstgeschichte in New York und Wisconsin und arbeitete unter anderem für „Women’s Wear Daily“. 1948 heiratete sie ihren Mann Carl, mit dem sie bis zu seinem Tod im Sommer 2015 in New York lebte. Gemeinsam gründeten die beiden in den 1950er Jahren eine Textilienfirma und statteten mit ihrem unverwechselbaren Händchen für Innendekor VIPs von Hollywood bis zum Weißen Haus aus.

Szene aus "Iris"

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Wichtiger als Schönheit: Stil

Mit ihren riesigen Brillengläsern und ihrer abenteuerlichen Kollektion an Modeschmuck wurde Iris bald zum Darling der Modewelt. „Ich war nie hübsch“, sagt sie im Film, „aber ich hatte immer etwas viel Wichtigeres: Stil.“ Zu internationaler Berühmtheit gelangte sie 2005, als ihr das New Yorker Metropolitan Museum of Art eine eigene Ausstellung widmete, die zu einem Überraschungserfolg wurde. „Jetzt bin ich ein geriatrisches Starlet“, lautete damals der trockene Kommentar der alten Dame.

Improvisation ist alles

Weggefährten wie der Fotograf Bruce Weber, Designer Dries van Noten und Modejournalistin Tavi Gevinson attestieren Iris Apfel pure Lebensfreude, mit der sie stets ihr gesamtes Umfeld inspiriert habe. In ihrem bunten, üppig dekorierten Park-Avenue-Apartment lässt Maysles Iris die verschiedensten Outfits mit dazugehörigen riesigen Armreifen und Halsketten präsentieren. Von überall auf der Welt zusammengesammelte Flohmarktstücke mixt sie wild mit edlen Haute-Couture-Teilen und kreiert so den originellen Iris-Apfel-Stil. „Ich mag es zu improvisieren“, erscheint hier wie die Untertreibung des Jahrhunderts.

Szene aus "Iris"

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Dreamteam über 67 Jahre: Carl und Iris Apfel

Aber im Leben der Apfels geht es um viel mehr als nur um Mode. Die Doku zeigt, wie sich das Paar mit Humor und Bodenständigkeit nicht nur ein erfülltes Leben, sondern auch eine glückliche Ehe geschaffen und erhalten hat. „Wenn sie Kinder haben will - ich bin dabei“, sagt der 100-jährige Carl und schaut seine Frau liebevoll und stolz an. Über 67 Jahre lang haben die beiden alles geteilt und wissen das eine oder andere über die Ehe zu erzählen.

Filmhinweis

„Iris“ läuft bei der Viennale noch am 5.11. um 11.00 Uhr im Metro Kino.

„Iris“ ist ein zeitloses Dokument darüber, dass Stil keine Frage des Alters und Mode eine der schönsten Nebensachen der Welt ist. Und obwohl Iris ihr Leben dem Sammeln und Komponieren von Kleidern und Accessoires verschrieben hat, weiß sie sehr genau, was wirklich zählt: „Es ist besser, glücklich zu sein als gut angezogen.“

Sonia Neufeld, ORF.at

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