Metro-Kino: Blick nach vorne in die Vergangenheit
Filmarchiv-Direktor Ernst Kieninger referierte bei der Eröffnungspressekonferenz die Zahlen, Daten und Fakten. Dreieinhalb Jahre hatten die Umbauarbeiten des Metro Kinokulturhauses gedauert. 80 Prozent der Kosten wurden aus Eigenmitteln und mit Hilfe von Sponsorengeldern gestemmt. Der Einsatz machte sich bezahlt: Samtig rot atmet das historische Kino die Luft vergangener Tage - und in der neuen Ausstellung wird tatsächlich die Magie vermittelt, die dem Kino zugrunde liegt.
Ausstellungshinweis
Die Ausstellung „Kino.Magie - Was geschah wirklich zwischen den Bildern?“ läuft im Metro Kinokulturhaus noch bis 30. März 2016
Traditionelle Licht- und Schattenspiele aus Asien und Europa, Zerrspiegel aus vergangenen Jahrhunderten, optische Täuschungen und andere Spielereien: Das Herstellen von Bildern abseits der Malerei fasziniert Menschen seit Hunderten von Jahren. Malen mit Licht, Überraschen durch optische Effekte - das gab es schon lange vor dem Kino. Und genau dieser Faszination wird in der Ausstellung nachgegangen. Kieninger spricht dabei vom Erarbeiten des „Grundvokabulars“ des Kinos. Die Objekte stammen aus der Sammlung des Experimentalfilmers Werner Nekes und aus Beständen des Filmmuseums.
Radiohinweise
Am Donnerstag um 16.40 Uhr sendet Ö1 ein Synchron Spezial zur Viennale.
Bereits gesendet wurde in Leporello ein Beitrag über Werner Nekes.
Die DNA des Kinos
Hier wird die Illusion noch unverhohlen gezeigt - wo das Kino selbst als Illusionsmaschine so tut, als bilde es die Realität ab. Dabei gab es viele Zwischenschritte. Bewegtbilder etwa konnte man durch sogenannte „Wundertrommeln“ entstehen lassen. Von außen durch Schlitze betrachtet, bewegt sich eine Figur auf der Innenseite, wenn man eine Trommel dreht. Die Figur muss, dem Daumenkino ähnlich, in Bewegungsabfolgen aufgezeichnet sein. Damit war das Prinzip des analogen Kinos bereits vorweggenommen.
TV-Hinweis
Die ZiB 24 berichtet am Dienstag um 0.00 Uhr über das Viennale-Special zum heimischen Pulp-Kino - „Aus Fleisch und Blut“.
- ZiB 24
- Aus Fleisch und Blut (Viennale)
Beim Kaiserpanorama wiederum schaut man durch zwei Okulare, wodurch beim Blick auf eine in Schichten präsentierte Fotografie der Eindruck von 3-D-Optik entsteht. Mythisch muten schon alleine die Namen mancher der Apparaturen an: Camera Obscura und Laterna Magica. Sie und vieles andere erlebt der Ausstellungsbesucher in Aktion. Den Schlusspunkt der Schau, die durch Übersichtlichkeit und - im Wortsinn - spannende Einblicke besticht, macht der Kinematograf der Brüder Lumiere. Der Rest ist Geschichte. Kinogeschichte.

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Handschattenkarten (um 1900), hier auf Karton - mit den Händen brachten es damals manche Künstler zu wahrer Meisterschaft im Schattenspiel

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Eine Doppel-Laterna-Magica aus England (um 1900) - eine Art höchst effizienter Diaprojektor

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Das Bild der Doppel-Laterna-Magica (um 1900) - projiziert an die weiße Wand des Ausstellungsraumes im Metro-Kino

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Eine Camera obscura aus dem Jahr 1780. Wikipedia: Ein dunkler Raum mit einem Loch in der Wand, die als Metapher für die menschliche Wahrnehmung und für die Herstellung von Bildern verwendet wird. Hat der dunkle Raum die Größe einer Schachtel, spricht man auch von einer Lochkamera.

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Eine neue, spektakuläre Bilderwelt eröffnete sich Betrachtern im 18. Jahrhundert durch die Camera obscura. Das erste Tor Richtung Fotografie und Kino war aufgestoßen.

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Das Kaiserpanorama aus Wels. Ein beeindruckender Guckkasten (Ende 19. Jahrhundert) - eine Folge von Bildern zu einem bestimmten Thema entführt den Betrachter in „fremde Welten“ wie etwa nach New York

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Näher konnte man New York um 1900 in Österreich nicht kommen. Das Kaiserpanorama ließ die US-Metropole durch einen Stereo-Effekt in 3-D entstehen. Das ist auch heute noch faszinierend - zumal eine längst vergangene Welt in 3-D wieder aufersteht.

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Das Zoetrop (im Volksmund auch Wundertrommel genannt) ist ein recht simples optisches Gerät, das auf mechanischem Weg bewegte Bilder erzeugt - und somit ein Vorläufer der Kinematografie. Wird die Blase platzen? Wer das wissen möchte, muss ins Metro-Kino kommen.

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Der legendäre Kinematograf der Brüder Lumiere. Er kam auch in Wien zum Einsatz - gleich ums Eck vom Metro-Kino wurden erstmals Bewegtbilder gezeigt - die zuvor am Ring aufgenommen worden waren. Hier präsentiert von Nikolaus Wostry, dem Leiter der Sammlungen des Filmarchivs.

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Die Objekte in der Ausstellung des Metro Kinos entstammen der Sammlung des legendären Experimentalfilmers Werner Nekes.

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„Im Schatten des Kinos“ - eine Installation von Peter Weibel. Ein Filmstreifen läuft der Wand des Treppenhauses entlang. Film ab - Treppe hoch.

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„Frames“ - eine Installation von Christof Wiesinger. Die Säule dreht sich samt ihrer Lamellen. Eine Studie, die Menschen in Bewegung zeigt. Die Wundertrommel des 21. Jahrhunderts.
Simon Hadler, ORF.at