„Vielfalt“ als heikler Auftrag
„Vielfalt gewinnt“ lautet das Motto der diesjährigen Gamescom, der weltgrößten Spielemesse im deutschen Köln, die am Mittwoch für Besucherinnen und Besucher öffnet. Gezeigt werden den 500.000 erwarteten Spielebegeisterten zahlreiche Neuigkeiten und viel Altbekanntes.
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Gleich zu Beginn präsentierte Publisher Ubisoft eine Fortsetzung der Strategiespielreihe „Anno“ und eine Neuauflage der seit den frühen 90ern bestehenden „Siedler“-Reihe. Während Fortsetzungen und Remakes nur selten zu wahrer Begeisterung bei langjährigen Fans führen, zielen Konzerne mit diesen Spielen auch auf die jüngere Generation ab, die bisher vielleicht gar nicht mit einer seit Langem bestehenden Reihe in Kontakt gekommen ist. Sowohl „Anno 1800“ als auch der neue Teil der „Siedler“ soll kommendes Jahr auf den Markt kommen.

Ubisoft
25 Jahre nach dem ersten „Siedler“-Teil soll mit einer Fortsetzung auch eine neue Zielgruppe angesprochen werden
Neue Bilder von dystopischem Actionspiel
Altbekanntes in neuem Gewand gibt es auch bei anderen bekannten Spielereihen. Während Neuigkeiten üblicherweise schon im Frühling auf der US-Spielemesse E3 vorgestellt werden, sind die Hersteller auf der Gamescom vor allem darum bemüht, Fans mit neuen Details zu langersehnten Titeln zu versorgen. Letzte Infos vor der Veröffentlichung im Herbst gab es etwa für die Cashcows „FIFA 19“ von Electronic Arts und den neuesten „Assassin’s Creed“-Teil.
Düstere Endzeitstimmung verspricht unterdessen das bereits vor einigen Jahren erstmals angekündigte „Cyberpunk 2077“ des polnischen Studios CD Projekt. Zwar gibt es für das Spiel immer noch keinen Veröffentlichungstermin, die polnischen Entwicklerinnen und Entwickler zeigten im Rahmen der Messe jedoch immerhin neue Bilder des Titels.
Termine für langerwartete Spiele fixiert
Weitere ebenfalls seit Längerem erwartete Spiele bekamen im Rahmen der Messe hingegen einen Veröffentlichungstermin und neue Trailer. So wird etwa der mehrmals verschobene dritte Teil der „Shenmue“-Reihe nun wahrscheinlich im August 2019 auf den Markt kommen. Auch das neue Spiel von „Dark Souls“- und „Bloodborne“-Macher Hidetaka Miyazaki soll im März 2019 erscheinen.
Weniger pompös als die Auftritte der größten Studios der Branche sind die Stände kleinerer Entwicklerinnen und Entwickler. Im Vergleich zu den großen Titeln der Messe arbeiten die Teams mit verschwindend kleinen Budgets - dafür werden oft auch ausgefallenere Ideen umgesetzt, etwa der „Bee Simulator“, bei dem Spielerinnen und Spieler in die Rolle einer Biene schlüpfen müssen.
Ein Spiel mit österreichischer Beteiligung startete einst ebenfalls als Indie-Titel, mittlerweile arbeitet das Studio mit Softwaregigant Microsoft zusammen: „Ori and the Will of the Wisps“ ist bereits der zweite Teil der Reihe, die vor allem für ihre künstlerische Präsentation gefeiert wurde. Das Spiel wurde im Rahmen der Messe gleich mit zwei Preisen ausgezeichnet.
Lange Warteschlangen für das Lieblingsspiel
Für die Fans in Köln bietet die Messe zahlreiche Möglichkeiten, die neuesten Entwicklungen auch anzutesten - Geduld vorausgesetzt. Im Vorjahr besuchten 350.000 Spielerinnen und Spieler die Messen, die Tickets für die diesjährige Ausgabe sind bereits lange ausverkauft. Für die beliebtesten Spiele der Messe bedeutet das, dass Fans sich oft stundenlang anstellen müssen, um die neuen Spiele ausprobieren zu können.

APA/dpa/Oliver Berg
Schon vor dem Messegebäude müssen Spielerinnen und Spieler mit längeren Wartezeiten rechnen
Branche will bessere Bedingungen für Frauen
Wie die restliche Unterhaltungsindustrie versucht auch die Spielebranche dieses Jahr die Vielfältigkeit ihres Sektors zu unterstreichen. Bewegungen analog zu „#MeToo“ schlugen auch unter Spieleentwicklerinnen und -entwicklern hohe Wellen. Auf Seite der Arbeitgebenden gibt es vielerorts Bemühungen, ein besseres Umfeld für Frauen in der Branche zu schaffen, nachdem viele Betroffene öffentlich über die teils schlechten Arbeitsbedigungen sprachen.
Im Gegenzug gibt es auch bei den Spielen selbst Bewegung: Zunehmend setzen Spielestudios auch auf Protagonistinnen in ihren Titeln - nicht zuletzt, weil sich der Anteil der Spielerinnen seit Jahren um die 50 Prozent bewegt.
Lautstarke Beschwerden in Sozialen Netzwerken gab es bereits im Vorfeld über eine sexistische Werbung, die in den Toiletten für die gemeinsam veranstaltete Game-Development-Messe Devcom angebracht wurde. Der Veranstalter der Messe distanzierte sich umgehend von dem Sujet.
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