Humor und Holzhammer
Humorvoll, temporeich, spannend und gewohnt lässig hat US-Regisseur Spike Lee die Geschichte eines afroamerikanischen Polizisten verfilmt, der in den 1970er Jahren den rechtsradikalen Ku-Klux-Klan infiltrierte. Wer Quentin Tarantinos „Jackie Brown“, Rosalyn Rosenfelds „American Hustle“ und Ben Afflecks „Argo“ mochte, wird auch „BlacKkKlansman“ lieben.
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Spike Lee hat einen Sinn fürs Absurde. Und er hat eine Botschaft. Wann auch immer er das eine mit dem anderen verbinden kann, schlägt er zu. Seine Mission: die historische Diskriminierung von Afroamerikanern anzuprangern. Sein Stilmittel: Coolness; eine mit Tarantino vergleichbare Coolness, die sich aus dem Blaxploitation-Kino der 1960er und 70er Jahre speist; eine Coolness, die so cool ist, dass man Lee ihretwegen den edukatorisch erhobenen Zeigefinger als halb ironisches Stilmittel abnimmt. Dabei ist es ihm damit in Wahrheit bitter ernst.
Das Absurde von „BlacKkKlansman“, die Mimikry, das Changieren von Rollenbildern, war bei Lee schon einmal Thema, als er einen Film über die Geschichte der Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner drehte. Damals ging es um Schaustellerinnen und Schausteller, die in Minstrel-Shows auftraten - in denen normalerweise Weiße, geschminkt mit schwarzer Farbe, Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner darstellten und verballhornten. Es gab aber tatsächlich auch Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner, die in Minstrel-Shows auftraten. Eine von ihnen war, in jungen Jahren, als sie Geld brauchte, die begnadete Blues-Sängerin Bessie Smith.
King of Cool
Auch diesmal greift Lee auf den Grundriss einer wahren Geschichte zurück. In den 1970er Jahren wurde Ron Stallworth Polizeibeamter in Colorado Springs und war damit der erste schwarze Beamte des Colorado Springs Police Departement. Von Lee wird Stallworth zum King of Cool hochstilisiert, der mit Lederjacke, dicker Halskette und riesigem Afro in die Wachstube marschiert, wo er mit Rassismus aufräumt und lässige Meldungen am laufenden Band schiebt.

Universal
Adam Driver als realer V-Mann (l.), Denzel Washingtons Sohn John David Washington als telefonischer V-Mann
Riesenerfolg in Cannes
„BlacKkKlansman“ wurde beim Filmfestival von Cannes nicht nur mit Standing Ovations, sondern auch mit dem großen Preis der Jury bedacht. Auch die Feuilletons lobten den Film in höchsten Tönen. Deutschlandfunk Kultur etwa schrieb: „‚BlacKkKlansman‘ ist ein großer, ein sehr großer und wütender Film!“
Stallworth jedenfalls (der Reale genauso wie der im Film) schaffte es schon bald, verdeckter Ermittler zu werden. Als solcher meldete er sich auf eine Annonce hin beim Ku-Klux-Klan. Am Telefon nahm man ihm den Rassisten ab, nur konnte er naturgemäß zu keinem Treffen gehen. Hierfür sprang „Chuck“ ein, im Film „Flip“ genannt, ein Drogenermittler. So blieb es: Ron telefonierte, Flip ging zu den Zusammenkünften - ein gefährliches Spiel, aus dem der Film seine Spannung speist. Schließlich dringt Ron am Telefon sogar zu David Duke vor, dem Großmeister des Klans. Der Film steuert schließlich auf einen Showdown zu, der mit den realen Ereignissen kaum noch zu tun hat.
Kontinuitäten rechtsnationaler Hetze
Duke, der damalige Großmeister, jedenfalls ist bis heute aktiv - und unterstützt US-Präsident Donald Trump (wenn auch von diesem ungefragt). Von 2009 an lebte Duke drei Jahre lang unbehelligt in Österreich, trotz einer Anzeige der Wiener Kultusgemeinde wegen antisemitischer Hetze. Er war ein beliebter Redner bei Veranstaltungen der neuen Rechten in Europa. Es gibt also zahlreiche Kontinuitäten - Stichwort Rassismus in der Politik -, die durch den Film gewahr werden.

Universal
Regisseur Lee (l.) mit David-Duke-Darsteller Topher Grace (M.) und Driver
Darauf weist Lee mit dem Holzhammer hin. Die Analogien hätte man auch so verstanden, aber wie schon in anderen Filmen zuvor spielt er hier Dokumentarfilmmaterial aus der realen Welt ein. Man sieht die Ereignisse von Charlottesville, wo 2017 bei einer rechtsradikalen Kundgebung eine Gegendemonstrantin getötet worden war, als ein 20-jähriger Extremist mit dem Auto in die Menge raste. Und man hört am Ende des Films US-Präsidenten Trump reden.
Stallworth, der Echte: „Bedrohung ernst nehmen“
Lee dazu im Interview mit der ZIB2: „Nach Charlottesville hat unser Präsident, dessen Namen ich nicht in den Mund nehme, die Chance gehabt, diese Terroristen vom Ku-Klux-Klan und den anderen rechten Bewegungen zu verurteilen. Das hat er nicht getan. Das war ein Freibrief für alle Rechten in den USA: ‚Das ist unser Mann im Weißen Haus!‘“
Auch wenn das gar ein bisschen viel Zeigefinger ist - die Frage darf man sich schon stellen: Was würde Stallworth heute infiltrieren, wollte er Strukturen rechtsnationaler Hetze aufdecken? Er jedenfalls ist von der Aktualität der damaligen Ereignisse überzeugt, wie er, ebenfalls im Gespräch mit der ZIB2, sagte: „Man muss diese ganzen rechten Bewegungen und diese Bedrohung, die von ihnen ausgeht, ernst nehmen. Und man darf vor allem nie aufhören, sich ihnen in den Weg zu stellen.“
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