Messi, Macri und andere
Zwei Jahre nachdem die Panama-Papers das System der Offshore-Finanzwelt erschüttert haben, wirft ein neues Datenpaket aus der Kanzlei Mossack Fonseca ein Licht auf die Tricks der Superreichen, unter ihnen der Fußballstar Lionel Messi, die Familie des argentinischen Präsidenten Mauricio Macri und die Erben der Juwelierfamilie Cartier.
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Das neue Datenpaket umfasst insgesamt 1,2 Millionen Dokumente. Sie datieren von Anfang 2016 bis Dezember 2017 und zeigen, wie Mossack Fonseca und seine Kundschaft mit der Veröffentlichung der Panama-Papers umgegangen sind. Jürgen Mossack und Ramon Fonseca, die beiden Gründer der Kanzlei, wollten gegenüber der Journalistengruppe ICIJ keinen Kommentar abgeben. Im Juni 2018 veröffentlichten ihre Anwälte eine Stellungnahme, nach der weder die Firma selbst noch ihre Gründer und Angestellten „jemals gesetzwidrige Handlungen begangen haben“. Die Partner des ICIJ werden in den kommenden Wochen detaillierte Berichte veröffentlichen, die aus der Auswertung des neuen Datenpakets hervorgegangen sind.
Messi-Business
Die ursprünglichen Panama-Papers zeigten, dass der argentinische Fußballstar Messi und sein Vater Jorge Horacio Messi eine Gesellschaft namens Mega Star Enterprises in Panama registriert hatten. Welchem Zweck diese Firma diente, ist bisher unbekannt. Die Messis hatten aber bereits andere Gesellschaften in Belize und Uruguay dazu benutzt, Steuerzahlungen zu vermeiden. Vater und Sohn Messi teilten dem ICIJ im April 2016 mit, dass ihre Briefkastenfirma namens Mega Star Enterprises Inc. „keinerlei Aktivitäten“ ausübe. Die internen Mails aus dem neuen Mossack-Fonseca-Datenpaket stellen diese Aussage infrage.

Reuters/Alberto Estevez
Lionel Messi und sein Vater vor Gericht am 2. Juni 2016 in Barcelona
Urteil gegen Messis in Spanien
„Das Büro in Uruguay hat mir mitgeteilt, dass der Kunde die Firma benutzt“, heißt es in einer Mail vom Mai 2016. Mossack Fonseca zog sich als Registrar der Gesellschaft Mega Star Enterprises im Juli 2016 zurück. Die Kanzlei verfasste sogar einen Bericht über verdächtige Aktivitäten der Messi-Firma und schickte ihn im Februar 2017 an die panamaischen Behörden. Auch abseits der Panama-Papers sind die Messis in Konflikt mit dem Finanzamt geraten: In einem anderen Fall wurden sie von einem spanischen Gericht im Juli 2016 wegen Steuerbetrugs verurteilt.
Gegenüber der spanischen ICIJ-Partnerzeitung „El Confidencial“ sagte ein Anwalt der Messis, dass Mega Star Enterprises Teil einer alten Strategie gewesen sei, deren rechtliche Aspekte bereits gerichtlich geklärt worden seien. Die Firma werde derzeit nicht aktiv genutzt, so der Anwalt.
Der Buchhalter von Uruguay
Im September und Oktober 2016 lief ein hektischer E-Mail-Verkehr zwischen der Zentrale von Mossack Fonseca in Panama-Stadt und der Niederlassung in Uruguay. Die Angestellten entwickelten darin einen Plan, mit dem sie die Tatsache verschleiern wollten, dass sie den eigentlichen Eigentümer der auf den Bahamas registrierten Firma Fleg Trading Co. nicht kannten. Die Firma wurde von der Familie des argentinischen Präsidenten Mauricio Macri kontrolliert.
Wie die erste Tranche der Panama-Papers enthüllte, waren Macri selbst und andere Familienmitglieder als Direktoren der Fleg Trading eingetragen. Macris Vater Francisco war der Eigentümer. Nach geltendem Recht hätte Mossack Fonseca das wissen müssen.
Handschriftliches Rückdatieren
Die Mossack-Fonseca-Angestellten dachten darüber nach, Macris Buchhalter 2016 ein handschriftliches Dokument herstellen zu lassen, das man einige Jahre rückdatieren wollte, um den Eindruck zu erwecken, dass die Kanzlei über ihren Kunden doch Bescheid gewusst habe. Der Buchhalter jedoch sprach sich gegen diesen Trick aus und schrieb, er sei „zu riskant“, da das Dokument „sehr einfach von einem Schriftexperten als Fälschung erkannt“ werden könne. Der Kunde wolle dieses Risiko nicht eingehen, da der Präsident Argentiniens und seine Familie involviert seien.
Die neuen Panama-Papers zeigen darüber hinaus, dass Mossack Fonseca nichts über die Verbindungen der Familie Macri zu der Briefkastenfirma BF Corporation wusste. Die BF Corporation gehörte Mauricio Macris Brüdern Mariano und Gianfranco. Argentinischen Medienberichten zufolge hatten deutsche Strafverfolger die argentinischen Behörden bereits 2016 auf verdächtige Transaktionen aufmerksam gemacht, in die die BF Corporation involviert war. Diese Geldüberweisungen hätten einige Tage vor der ersten Runde in der argentinischen Präsidentschaftswahl im Oktober 2015 stattgefunden, aus denen Macri als Sieger hervorgegangen ist.
Ein Sprecher der Firma Socma, die sich im Besitz der Familie Macri befindet, bestätigte der ICIJ-Partnerzeitung „La Nacion“, dass Francisco Macri der Eigentümer der Fleg Trading sei, das sei nun auch von einem Gericht in Argentinien bestätigt worden. Zu dem Mailwechsel zwischen dem uruguayischen Buchhalter und Mossack Fonseca wollte er nicht Stellung nehmen.
Wälder in Kanada
Erst im Juli 2017 erfuhr Mossack Fonseca davon, dass einige von ihr aufgesetzte Briefkastenfirmen in Panama niemand anderem gehörten als den Erben des französischen Juweliers Pierre Cartier. Aus den Panama-Papers 2 geht hervor, dass diese Briefkastenfirmen Wälder in Kanada sowie mehrere Bankkonten in der Schweiz halten. Auf Anfrage der ICIJ-Partnerzeitung „Le Monde“ mochte die Familie Cartier keine Stellungnahme dazu abgeben.
Auch der Oberschicht Kasachstans ist die Verwendung von Offshore-Gesellschaften nicht fremd. So finden sich in den Panama-Papers 2 Beweise dafür, dass Dariga Nasarbajewa, die Tochter des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew, über die Briefkastenfirma Asterry Holdings Ltd. und weitere Konstrukte Anteile an Zuckerfabriken in Kasachstan kontrolliert. Nasarbajewa, die derzeit das kasachische Senatskomitee für internationale Beziehungen leitet, hat auf Anfragen des ICIJ nicht reagiert.
Links:
Ryan Chittum und Will Fitzgibbon (ICIJ), Mitarbeit: Marcos Garcia Rey, Miranda Patrucic, Mariel Fitz Patrick (Infobae), Sandra Crucianelli und Emilia Delfino (Perfil), Hugo Alconada Mon, Ivan Ruiz und Maia Jastreblansky ("La Nacion"), guha, ORF.at (Bearbeitung)