ORF veröffentlicht öffentlich-rechtliches Manifest

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Zwei Wochen vor der Medienenquete hat der ORF gestern ein Manifest für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vorgelegt. Eine Woche vor der Präsentation des Public-Value-Berichts des Unternehmens beleuchten Wissenschaftler mit internationaler Beteiligung die Zukunft öffentlich-rechtlicher Medien. Gefordert werden nicht zuletzt mehr Möglichkeiten für öffentlich-rechtliche Medien im digitalen Bereich.

Gleichzeitig startete der ORF gestern die Kampagne „ORF für Sie“, das die größte Publikumsbefragung in der Geschichte des Unternehmens bringen soll.

Mehr dazu in der.ORF.at

Offene Plattformen als Auftrag

Das Buch „Public Open Space - Zur Zukunft öffentlich-rechtlicher Medien“ versammelt 55 wissenschaftliche Beiträge in- und ausländischer Expertinnen und Experten, herausgegeben wurde er von Klaus Unterberger (Leiter ORF Public Value) und Konrad Mitschka.

Öffentlich-rechtliche Medien müssten sich im disruptiven Zeitalter „im Sinn der Gesellschaft transformativ weiterentwickeln“, schreiben die Herausgeber in ihrem Vorwort. Es gelte, einen „Weg vom ‚Rundfunk der Gesellschaft‘ zu einer offenen Plattform öffentlicher Kommunikation“ zu finden. Zentrale Werte auf diesem Weg: Medienqualität, Relevanz, Allianzen, Public Value, also gesellschaftlicher Mehrwert, und Innovation.

Zu den Schwerpunkthemen des Bandes gehören Glaubwürdigkeit und vertrauenswürdige Information ebenso wie die Komplexe Integration, Inklusion, Diversität und Menschenrechte und, ganz konkret, Jugend und Sportberichterstattung.

Zu Letzterem hält etwa Reinhard Christl, auch Mitglied des Public-Value-Beirats, fest: „Übertragungsrechte für populäre Sportarten bleiben für öffentlich-rechtliche Sender unverzichtbar.“ Daher brauche es finanzielle und personelle Ressourcen ebenso wie rechtliche Rahmenbedingungen, um das „Sport-Publikum auch in den neuen Medien zu erreichen“.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz spricht über die Kampagne „Zuhören wie wir“.

Zu viele Einschränkungen

Zu viele Einschränkungen für die Öffentlich-Rechtlichen behinderten diese daran, ihren Auftrag zu erfüllen - das ist der Grundtenor vieler Beiträge. „Die derzeitige gesetzliche Beschränkung öffentlich-rechtlicher Medien in Deutschland und Österreich ist schlichtweg unsinnig“, schreibt etwa der Jurist und Internetexperte Victor Mayer-Schönberger (Oxford Internet Institute).

Klaus Meier (Universität Eichstätt) empfiehlt ein „eigenes öffentlich-rechtliches Jugendangebot“ für Smartphones, was den Öffentlich-Rechtlichen derzeit oft rechtlich untersagt sei.

Josef Trappel von der Uni Salzburg sieht das „postfaktische“ Zeitalter als „Reformchance“ und konstatiert: „Gute Karten für den öffentlichen Rundfunk. Gute Journalistinnen und Journalisten, solide Finanzierung, Hunger nach Legitimation.“

Aktuell brauche es „größte Anstrengungen“, um das Vertrauen des Publikums in öffentlich-rechtliche Medien zu erhalten, ergänzt Heinz M. Fischer (FH Joanneum). „Es wird eine der maßgeblichen gesellschaftlichen Aufgaben sein, Journalismus als elementaren Grundwert einer funktionierenden Demokratie nicht nur anzuerkennen, sondern alles zu tun, sein Weiterbestehen zu fördern.“

Auch er ist gegen allzu große Restriktionen für den ORF: „Nicht jene dürfen behindert werden, die nachhaltig Information und Bildung auf ihre Fahnen heften.“

Argumente gegen Budgetfinanzierung

Manuel Puppis und Hildegard van den Bulck (Universität Freiburg, Universität Antwerpen) schließlich treten gegen eine Budgetfinanzierung auf: „Mit Blick auf die zwingend notwendige Unabhängigkeit des öffentlichen Rundfunks von der Politik, die Verlässlichkeit der Finanzierung und die Legitimation des öffentlichen Rundfunks empfiehlt sich die Beibehaltung eines vom Staatshaushalt getrennten Finanzierungsmodells.“

Bei der Präsentation betonte Petra Herczeg von der Universität Wien den Auftrag für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten auch im Bereich gesellschaftlicher Diversität. Rundfunkanstalten müssten „unterschiedliche mediale Bedürfnisse verschiedener gesellschaftlicher Gruppen berücksichtigen“.

Den Zugang zu Information „ohne finanzielle oder soziale Barrieren“ hob Thomas Steinmaurer (Uni Salzburg) hervor: „Auch in digitalen Netzwerken. In diesem Sinn muss sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk zum Public Service Network als eine gemeinwohlorientierte digitale Plattform weiterentwickeln.“