Rund 1.000 in feste Unterkünfte gebracht
Nach wochenlangem Streit hat die französische Polizei das größte illegale Zeltlager von Migranten in Paris geräumt. Etwa 1.000 Menschen wurden in feste Unterkünfte in der Hauptstadt oder der Umgebung gebracht, berichteten französische Medien am Mittwoch unter Berufung auf den Präfekten der Hauptstadtregion, Michel Cadot.
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Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hatte die Regierung vor Langem zum Einschreiten aufgefordert. „Man hätte nicht vier Monate warten müssen, um diese Menschen in Unterkünfte zu bringen“, sagte die Sozialistin dem Nachrichtensender BFMTV. Regierungssprecher Benjamin Griveaux teilte via Twitter mit, der Staat übernehme Verantwortung. Laut Innenminister Gerard Collomb sollen die Flüchtlinge in den Unterkünften überprüft werden. Die französische Nationalversammlung hatte erst im April der Verschärfung des Asyl- und Einwanderungsrechts zugestimmt.

APA/AFP/Gerard Julien
Die Räumung eines Zeltlagers war bereits die 35. in Paris seit 2015
Medien hatten zunächst berichtet, dass in dem Camp im Nordosten der Hauptstadt etwa 1.500 bis 2.000 Menschen lebten. Von Zwischenfällen bei der Räumung war in den Berichten keine Rede. Seit Monaten siedelten sich zunehmend Migranten an den Ufern zweier Kanäle im Nordosten der Hauptstadt an. Hilfsorganisationen schlugen wegen der Lebensbedingungen dort mehrfach Alarm. Anfang Mai ertrank ein Bewohner eines Zeltlagers, der laut Medienberichten betrunken ins Wasser gegangen war.
Behörden planen weitere Räumungen
Die Behörden wollen nun bald zwei weitere Lager im Nordosten der Hauptstadt räumen, in denen zusammen bis zu 800 Menschen leben. Seit 2015 gab es in Paris bereits zahlreiche Räumungen, die jüngste war die 35. „Diese Situation wird sich unendlich wiederholen, wenn die lokalen Behörden keine Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, dass die Lager neu entstehen“, teilte Collomb kürzlich mit.
40 Prozent der Asylanträge in Frankreich gehen in der Hauptstadtregion ein - in Paris gebe es aber nur zwei Prozent der Unterkunftsplätze für Asylwerber. Frankreich hat seit Jahren Probleme bei der Erstaufnahme von Asylsuchenden. Manche Bewohner der Lager wollen nach Angaben von Hilfsorganisation aber auch nicht in offizielle Asylunterkünfte - zum Teil, weil sie die Abschiebung oder eine Ablehnung ihrer Asylanträge befürchteten. In den fünf Erstaufnahmezentren in der Region Paris gibt es 750 Plätze.
„Frankreich hat sich nicht vorbereitet“
Pierre Henry, Chef der Hilfsorganisation France Terre d’Asile, sagte dazu der dpa: „Frankreich hat sich nicht auf diese Situation vorbereitet.“ Das Land stelle viel zu wenige Unterkünfte zur Verfügung - auch aus Kalkül. Die Zustände in den Zeltlagern sollen seiner Ansicht nach weitere Migranten davon abhalten, nach Frankreich zu kommen. „Das wird aber nicht funktionieren“, sagte Henry. Deutschland habe viel mehr Flüchtlinge aufgenommen als Frankreich. „Trotzdem schläft dort niemand auf der Straße“, sagte der Experte.
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