Pyrrhussieg der Umweltschützer
Vor Jahrzehnten fällte die französische Regierung den Beschluss, auf einem 1.600 Hektar großen Areal in der Gemeinde Notre-Dame-des-Landes im Westen Frankreichs einen neuen Flughafen zu bauen. Von Anfang an war die Ablehnung groß - im Laufe der Jahre entstand so eines der größten autonomen Gebiete Europas.
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Die ursprüngliche Intention des Projekts war es, den Flughafen des nahegelegenen Nantes zu entlasten. Die Pläne wurden vor mittlerweile 50 Jahren bekanntgegeben, der Staat enteignete damals die hiesigen Eigentümer - größtenteils seit Generationen ansässige Bauern - und bot ihnen Entschädigungen an. Manche aber lehnten das Angebot ab und leisteten Widerstand.

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Zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Besetzern kam es in den letzten Jahren immer wieder
Ihnen zur Seite stellten sich Naturschützer, die das ökologisch wertvolle Sumpfgebiet erhalten wollten. Jahrzehntelang setzte sich der Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern des Projekts fort. Als der geplante Flughafen im Jahr 2009 in einem Dekret als „Beitrag zum öffentlichen Wohl“ bezeichnet wurde, verschärften sich die Proteste - die Flughafengegner besetzten schließlich das Areal und starteten dort gemeinschaftliche landwirtschaftliche Projekte.
„Operation Cäsar“ schlug fehl
2012 versuchte die Polizei, mit rund 1.000 Einsatzkräften das Gelände zu räumen, um den Weg zum Bau des Flughafens zu ebnen. Die „Operation Cäsar“ artete aus, Dutzende Demonstranten wurden durch Tränengaskartuschen und Gummigeschoße verletzt. Die Polizei scheiterte schließlich an den brennenden Straßenblockaden der Aktivisten und zog sich nach zwei Tagen zurück. In der Folge kam es immer wieder zu Zusammenstößen, die Besatzer aber wichen nicht.

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Einer der wehrhaften Bauern: Sylvain Fresnea im Jahr 2014
Die Gegner des Projekts hatten nicht nur die Argumente renommierter Biologen auf ihrer Seite, die eindringlich vor Bauarbeiten auf dem besonders artenreichen Areal warnten. Auch die ökonomische Sinnhaftigkeit wurde von zahlreichen Studien angezweifelt, ein Ausbau des bestehenden Flughafens Nantes sei möglich und deutlich billiger, hieß es darin.
Plan abgeblasen
Im Jänner dieses Jahres gab Frankreichs Regierung schließlich nach und kippte das Projekt: ein Triumph für die Umweltbewegung. Gleichzeitig aber kündigte Premier Edouard Philipp an, die „rechtswidrige Zone“ in Notre-Dame-des-Landes solle bis zum Frühjahr aufgelöst und geräumt werden. Die Aktivisten denken jedoch nicht daran, sie wollen, dass der Staat ihre Projekte anerkennt. Die Behörden haben ihnen auch die Möglichkeit dazu gegeben: Mit einem Formular können sie diese zur Prüfung anmelden, dazu müssen der Name des Projektverantwortlichen sowie die betroffenen Parzellen angegeben werden.
Insgesamt machten die Verantwortlichen von 28 landwirtschaftlichen Projekten von diesem Vorschlag Gebrauch, andere lehnten das Angebot entschieden ab, berichtete unlängst das deutsche Magazin „Freitag“. Das Konzept der Privatisierung entspreche nicht ihren Prinzipien, sie wollen das Land für kollektive Bearbeitung nutzen. Doch Anträge von Kollektiven nimmt der Staat nicht an, nur individuelle.

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Der Widerstand gegen den geplanten Flughafen flaute über fünf Jahrzehnte nicht ab
Kürzel änderte Bedeutung
„ZAD“ stand ursprünglich für „zone d’amenagement differe“ („Bauerwartungsland“), das Kürzel blieb, die Bedeutung dahinter änderte sich: in „zone a defendre“ („Verteidigungszone“) benannten die Aktivisten das ehemalige Baugebiet um. Freunde, Paare und Einzelgänger leben hier inzwischen in verlassenen Bauernhäusern, selbst errichteten Hütten oder ausgebauten Campingwagen. Mit den benachbarten Bauern haben sie Felder angelegt, züchten Tiere und leben fast autark.
Doch Frankreichs Regierung will das nicht länger tolerieren. Im April rückten 2.500 Mitglieder der militärisch organisierten französischen Gendarmerie gegen rund 250 Besetzer vor. Erneut kam es zu Kämpfen, viele Bauten der Aktivisten wurden zerstört. Die Polizei setzte massenhaft Tränengas und andere Granaten ein, deren chemische Zusammensetzung geheim blieb.
Unnachgiebiger Präsident
In der Folge äußerte sich auch Präsident Emmanuel Macron zu den Vorfällen. Nach dem Gespräch mit dem Präsidenten, berichtete damals das Schweizer Onlineportal Infosperber, sagten die anwesenden Journalisten, Macrons Worte seien weit davon entfernt gewesen, zur Beruhigung der Lage beizutragen. Im Gegenteil: Macron lasse die Bereitschaft erkennen, mit noch mehr Härte zuzuschlagen.

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Im April rückten 2.500 Mitglieder der militärisch organisierten französischen Gendarmerie gegen rund 250 Besetzer vor
Mitte Mai machte sich das bemerkbar: Bei einem neuen Polizeieinsatz verlor ein Aktivist durch die Explosion einer Tränengasgranate seine rechte Hand. Staatlichen Angaben zufolge hatte der 21-Jährige versucht, die Granate aufzuheben, um sie zurück auf Polizisten zu werfen. Ein Vertreter der Aktivisten zweifelte diese Version jedoch an: Es sei unmöglich, dass der Mann versucht habe, die Granate zurückzuwerfen. Laut Mitteilung des Innenministeriums hatten rund 50 „radikale und vermummte Gegner“ auf dem Areal Polizisten angegriffen, es seien auch Molotow-Cocktails geworfen worden. Die Gendarmerie habe daraufhin Tränengas eingesetzt, „wie es bei dieser Art von Operation üblich ist“.
Hohe Polizeipräsenz
Seit diesem Vorfall ist es um die ZAD ruhiger geworden, die Polizeipräsenz ist aber anhaltend hoch - die Lage ist unübersichtlich. Dass die „zone a defendre“ in jetziger Form bestehen bleibt, ist auszuschließen, die Regierung ist fest entschlossen, den „rechtsfreien Raum“ wieder in staatliche Gewalt zu bringen. Die Geschichte eines 50-jährigen Protestlagers neigt sich ihrem Ende zu.
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