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„Die Dinge verändern sich zum Positiven“

Zu ihrem 90-Jahr-Jubiläum sind die Oscars in der Nacht auf Montag ganz im Zeichen der „#MeToo“- und „Time’s Up“-Bewegung gestanden. Statt beißender Kritik wurden im Dolby Theatre in Los Angeles sanfte Töne angeschlagen. „Die Dinge verändern sich zum Positiven. Wir wollen hier inspirierende Filme in den Mittelpunkt rücken“, sagte Moderator Jimmy Kimmel. In der Königskategorie „Bester Film“ setzte sich „The Shape of Water - Das Flüstern des Wassers“ durch.

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Das Monstermärchen des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro gewann insgesamt vier Oscars. Del Toro selbst wurde mit dem Regieoscar prämiert. Die Preisübergabe verlief - anders als im Vorjahr - pannenfrei. Warren Beatty und Faye Dunaway, die 2017 wegen eines falschen Umschlags zunächst mit „La La Land“ den falschen Streifen zum Sieger in der Kategorie „Bester Film“ gekürt hatten, erhielten eine zweite Chance. Um Patzer bei den Preisverleihungen auszuschließen, wurde die Kategorie in besonders großer Schrift auf den Kuverts erwähnt.

Grafik zeigt Oscargewinner 2018

Grafik: ORF.at

McDormands Appell für Geschlechtergerechtigkeit

Zur besten Schauspielerin wurde erwartungsgemäß Frances McDormand gekürt, die in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ brillierte. In ihrer Dankesrede bat McDormand alle für einen Oscar nominierten Frauen im Saal aufzustehen und richtete einen Appell an die Verantwortlichen in Hollywood, Frauen in allen Bereichen sichtbarer zu machen. Zum besten Hauptdarsteller wurde Gary Oldman für seine Verkörperung des britischen Premierministers Winston Churchill („Die dunkelste Stunde“) ausgezeichnet.

Frances McDormand

APA/AP/Invision/Chris Pizzello

McDormand bei ihrer Siegesrede

Die US-Schauspielerin Allison Janney holte den Oscar als beste weibliche Nebendarstellerin. Die 58-Jährige erhielt den Preis für ihre Rolle als alkoholsüchtige und tyrannische Mutter der US-Eiskunstläuferin Tonya Harding in dem biografischen Film „I, Tonya“. Der Oscar für den besten männlichen Nebendarsteller ging an Sam Rockwell für seinen Auftritt in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“.

Oscars nicht mehr ganz so weiß

Nachdem im Vorjahr Kritik an den „zu weißen“ Oscars laut geworden war, setzte man dieses Jahr bewusst auf Diversität. Das begann bei der Auswahl der Präsentatorinnen und Präsentatoren der einzelnen Kategorien und spiegelte sich auch in den eingespielten Beiträgen wider (etwa über den schweren Stand, den Frauen in Hollywood nach wie vor haben).

Jordan Peele

APA/AFP/Mark Ralston

Peele und sein historischer Oscar

Als erster Schwarzer gewann der US-Amerikaner Jordan Peele den Oscar für das beste Originaldrehbuch. Der 39-Jährige wurde für seine Arbeit am Horrorfilm „Get Out“ ausgezeichnet. Keinen Oscar gab es für Greta Gerwigs fünffach nominierten Film „Lady Bird“. Die erste jemals in der Kategorie „Beste Kamera“ nominierte Frau, Rachel Morrison, musste sich Roger Deakins ("Blade Runner 2049) geschlagen geben. Nichts wurde es auch mit dem vierten Oscar für Hollywood-Star Meryl Streep.

„Er hält die Hände dort, wo man sie sehen kann“

Auch die von der „#MeToo“- und „Time’s Up“-Bewegung ausgelösten Debatten waren Thema bei der Verleihung. Kimmel hatte in seiner Eröffnungsrede mit deutlichen Worten zum Missbrauchsskandal in Hollywood gefunden. Weshalb die Goldstatuette des Oscars heute der respektierteste Mann in Hollywood sei, sei schnell erklärt: „Er hat seine Hände, wo man sie sieht, er sagt nichts Anrüchiges - und hat keinen Penis. Wir brauchen mehr von seiner Sorte.“

Jimmy Kimmel

APA/AFP/Mark Ralston

Wenige Witze, starker Fokus auf das Positive: Moderator Kimmel bei den Oscars

Grundsätzlich sei man aber mit der „#MeToo“- und der „Time’s Up“-Debatte an einem historischen Moment angelangt: „Wir müssen ein Exempel statuieren.“ Und das gelte nicht nur für die Filmindustrie: „Wenn wir die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz stoppen, müssen sich Frauen nur noch an jedem anderen Ort, wo sie hingegen, damit auseinandersetzen.“

Immer noch würden nur elf Prozent der Filme von Frauen gemacht. Umso bedeutender seien die vielen historischen Nominierungen, die sich heuer in der Liste fänden, darunter Greta Gerwig, die als erste Frau seit Kathryn Bigelow 2010 für einen Regieoscar nominiert war: „Wenn Sie heuer ein Nominierter sind, der nicht Geschichte schreibt - schämen Sie sich!“

Unterstützung für die „Dreamers“

Indirekte Kritik gab es an der Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump. Sie sei selbst ein „Dreamer“, sagte die aus Kenia stammende Oscar-Gewinnerin Lupita Nyong’o. Sie bezog sich auf den Streit über die Rechte von in den USA geborenen Kindern illegaler Einwanderer.

Lupita Nyong'o und Kumail Nanjiani

Reuters/Lucas Jackson

Nyong’o und Nanjiani: „Träume sind die Grundlage Amerikas“

„Träume sind die Grundlage Hollywoods. Träume sind die Grundlage Amerikas“, sagte Nyong’o bei der Bekanntgabe der Preisträger in der Kategorie „Bestes Szenenbild“. „Allen ‚Dreamers‘: Wir stehen zu euch!“, ergänzte ihr Kopräsentator, der in Pakistan geborene US-Komödiant Kumail Nanjiani.

Ein Oscar für die Untoten

„Coco“, das farbenfrohe Abenteuer der Pixar-Studios, holte die Krone für den besten Animationsfilm. In dem musikalischen Werk geht es um die Geschichte des mexikanischen Buben Miguel, der sich am Tag der Toten ins Land der Toten aufmacht. „An den Rand gedrängte Menschen verdienen es zu fühlen, dass sie dazugehören“, so Lee Unkrich, einer der Regisseure des Werks. Man habe sich bemüht, die mexikanische Kultur ohne Klischees und Stereotype darzustellen, pflichtete auch Unkrichs Kollege Adrian Molina in seiner Dankesrede bei.

Ein Zeichen für Diversität setzte die Akademie bei der Wahl des besten fremdsprachigen Films. Der „Auslandsoscar“ ging an den chilenischen Film „Eine fantastische Frau“. Das Werk des Regisseurs Sebastian Lelio beschreibt das Leben einer Transgenderfrau.

Ivory nun ältester Oscar-Gewinner

Die Gala brachte auch den bisher ältesten Oscar-Gewinner. Nachdem Christopher Plummer (88) in der Kategorie „Bester Nebendarsteller“ leer ausgegangen war, holte James Ivory mit 89 Jahren den Oscar. Ivory konnte für sein Coming-of-Age-Drama „Call Me by Your Name“ den Preis in der Sparte „Bestes adaptiertes Drehbuch“ holen. Ivory war zuvor bereits dreimal erfolglos im Rennen um einen Oscar gewesen.

James Ivory

Reuters/Carlo Allegri

Mit 89 Jahren ist Ivory der bisher älteste Oscar-Gewinner

Über einen Oscar freuen darf sich auch Basketballlegende Kobe Bryant. Sein Film „Dear Basketball“ ist eine Hommage an den Sport, durch den der 39-Jährige zu einer amerikanischen Ikone wurde. Der ehemalige Spieler der Los Angeles Lakers dankte der US-Filmakademie bei Entgegennahme der goldenen Statuette für die „unglaubliche Ehre“. Die Oscar-Entscheidung ist nicht unumstritten: Gegen Bryant waren in der Vergangenheit Vergewaltigungsvorwürfe laut geworden.

Erster Favorit für 2019 steht fest

Doppelt gewonnen hat indes Mark Bridges. Der US-Amerikaner holte nicht nur den Oscar für das beste Kostümdesign bei „Der seidene Faden“, sondern hielt auch noch die kürzeste Dankesrede aller Gewinnerinnen und Gewinner. Dafür gab es von Kimmel - wie am Anfang der Oscar-Gala angekündigt - einen Jet-Ski im Wert von 17.999 Dollar (14.600 Euro).

Auch ein möglicher Kandidat für die 91. Ausgabe der Oscars war Teil der Gala: Die Comicverfilmung „Black Panther“, die Ende Jänner in die Kinos kam, war prominent durch Hauptdarsteller Chadwick Boseman und Lupita Nyong’o vertreten. Der Film aus dem Marvel-Universum knackte zuletzt einige Rekorde, so wurde etwa am Wochenende bekanntgegeben, dass er rund 900 Millionen Dollar einspielte (rund 730 Mio. Euro) - trotz einer Veröffentlichung während der „Dump Months“, einer besonders schwachen Zeit für die US-Kinos. Ob der Film bis nächstes Jahr noch in der Erinnerung der Juroren sein wird, wird sich zeigen - die nächsten Oscars finden am 24. Februar 2019 statt.

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