Themenüberblick

„Nicht überrascht, dass er es war“

Bei einem Massaker an einer Highschool in Parkland im US-Bundesstaat Florida sind am Mittwoch 17 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen. Es handelt sich um den ehemaligen Schüler Nikolas Cruz.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Der 19-Jährige war laut der Polizei früher an der Schule, wurde aber aus disziplinären Gründen der Einrichtung verwiesen. Es gebe keine Anzeichen für weitere Verdächtige. Cruz habe sich nach der Bluttat in der nahe gelegenen Stadt Coral Springs widerstandslos festnehmen lassen und sei nach einer Behandlung im Spital in Untersuchungshaft genommen worden.

Schütze war Waffennarr

Cruz sei „verrückt nach Waffen“ gewesen, so ein Schüler gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Dessen Accounts in Sozialen Netzwerken seien voll mit Bildern von Schusswaffen, Messern und Munition gewesen. Auf mehreren Bildern ist auch zu sehen, wie Cruz mit Waffen posiert. Laut der Polizei seien die Inhalte „verstörend“. Die Profile würden nun genau untersucht.

Polizeieinsatz nach der Schießerei an einer Schule in Florida

APA/AP/South Florida Sun-Sentinel/Mike Stocker

Schüler werden von der Polizei aus dem Gebäude geleitet

Ehemalige Mitschüler und Lehrer beschrieben den jungen Mann gegenüber Medien als verhaltensauffällig und aggressiv. Der Grund für seine Suspendierung sollen unter anderem wiederholte Drohungen gegen andere Schüler gewesen sein. Laut einem Lehrer seien die Unterrichtenden auch vor Cruz gewarnt worden, so der „Miami Herald“. Er habe laut einem Mitschüler zudem vor seiner Suspendierung wiederholt den Feueralarm ausgelöst. Laut einem anderen hatte Cruz zahlreiche persönliche Probleme und nicht viele Freunde.

Mehrere Schüler sagten gegenüber Medien, dass an der Schule im Vorfeld gescherzt worden sei, dass im Falle eines Schulmassakers wohl Cruz der Täter sein werde. „Jeder sagte voraus, dass er so etwas tun könnte“, so ein Schüler. Ein anderer sagte gegenüber dem TV-Sender WSVN, er sei „nicht überrascht, dass er es war“.

14 Personen in Behandlung

Nach Angaben der Polizei wurden 13 Menschen im Schulgebäude und zwei weitere auf der Straße vor dem Gebäude erschossen. Zwei weitere Menschen seien im Krankenhaus ihren Schussverletzungen erlegen. Unter den Opfern seien Schüler und Erwachsene. Nach Krankenhausangaben werden noch 14 Menschen stationär behandelt, drei von ihnen seien im kritischen Zustand.

Der Täter habe große Mengen Munition bei sich gehabt. Laut Medienberichten benutzte er eine halbautomatische Waffe des Typs AR-15 - oder einen Nachbau dieses Modells. Diese Waffe wurde auch bei anderen aufsehenerregenden Bluttaten benutzt, etwa im vergangenen Jahr in Las Vegas, als bei einem Massaker 59 Menschen starben.

An der Schule spielten sich teilweise entsetzliche Szenen ab. Fernsehbilder zeigten, wie Rettungskräfte Verletzte auf Tragen zu Krankenwagen transportierten. Viele Schüler flüchteten unverletzt aus der Schule. Die Schülergruppen wurden von bewaffneten Polizisten begleitet. Augenzeugen berichteten, im Schulhaus der Highschool sei „eine Menge Blut“ zu sehen gewesen. Ingesamt sind 3.200 Schüler in der großen Bildungseinrichtung gemeldet.

Trump kondoliert

US-Präsident Donald Trump meldete sich bereits zu Wort: „Meine Gebete und meine Anteilnahme sind bei den Familien der Opfer der furchtbaren Florida-Schießerei", schrieb er auf Twitter: „Kein Kind, kein Lehrer oder irgendjemand anderer sollte sich in einer amerikanischen Schule unsicher fühlen.“ Er legte eine psychische Störung des Täters nahe und rief dazu auf, solche „Fälle“ immer und immer wieder den Behörden zu melden. Der demokratische Senator Chris Murphy erinnerte in einer ersten Reaktion daran, dass es eine derartige Häufung von Gewalt an Schulen nur in den USA gibt.

Angehörige nach der Schießerei in Florida

APA/AP/South Florida Sun-Sentinel/John McCall

Vor der Schule warteten zahlreiche schockierte Angehörige

Der Vorfall in Florida ist bereits das 19. Vorkommnis mit Schusswaffen an einer Schule in den USA im laufenden Jahr. Erst vor drei Wochen waren in Kentucky zwei Schüler durch Kugeln ums Leben gekommen. Regierung und Parlament haben Forderungen nach einer Verschärfung von Waffengesetzen bisher stets eine Absage erteilt. Das republikanisch regierte Florida gehört zu den Bundesstaaten mit eher laxen Waffengesetzen.

Links: