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Neuer Anlauf auf dem Westbalkan

Nach Slowenien und Kroatien mit ihren EU-Beitritten 2004 und 2013 unternimmt die EU-Kommission nun einen neuen Anlauf, weitere Länder des ehemaligen Jugoslawiens aufzunehmen. Ein Überblick über die vier offiziellen und zwei möglichen EU-Beitrittskandidaten auf dem Westbalkan:

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Serbien: Das 7,1-Millionen-Einwohner-Land ist seit März 2012 Beitrittskandidat. Zwei Jahre lang wurde die Aufnahme von Verhandlungen aber durch den Kosovo-Konflikt verhindert. Denn Belgrad hat die Unabhängigkeit der ehemaligen serbischen Provinz bis heute nicht anerkannt. Inzwischen strebt es aber unter EU-Vermittlung eine Normalisierung der Beziehungen an. Bisher wurden zwölf von 35 Beitrittskapiteln eröffnet. Abgeschlossen sind die Verhandlungen bisher nur in den Bereichen Wissenschaft und Bildung.

Montenegro: Das Land hat 640.000 Einwohner und ist seit 2010 Beitrittskandidat, 2012 begannen die Verhandlungen. 30 Kapitel wurden inzwischen eröffnet, die Bereiche Wissenschaft, Bildung und Außenbeziehungen sind vorläufig abgeschlossen. Derzeit scheint der EU-Kurs weiter vorangeschritten zu sein als in Serbien. Seit Juni 2017 ist Montenegro auch Mitglied der NATO.

Mazedonien: Kandidat ist das Land mit 2,1 Millionen Einwohnern schon seit 2005. Die Verhandlungen sind jedoch durch einen Namensstreit mit Griechenland blockiert. Athen fürchtet wegen seiner gleichnamigen Region Mazedonien Gebietsansprüche des nördlichen Nachbarn. Bei den Vereinten Nationen ist das Land deshalb vorerst nur unter dem sperrigen Titel Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien Mitglied. Unter UNO-Vermittlung wird derzeit eine Lösung gesucht. Der Namensstreit verhindert bisher auch einen Beitritt Mazedoniens zur NATO.

Albanien: Das Land mit 2,9 Millionen Einwohnern wurde 2014 zum Beitrittskandidaten. Verhandelt wird noch nicht. Albanien befindet sich im Status von Vorgesprächen. Die Kommission pochte zuletzt noch auf Fortschritte, etwa bei der Reform von Verwaltung und Justiz und der Garantie von Rechtsstaatlichkeit. Seit 2009 gehört Albanien bereits der NATO an.

Potenzielle Kandidaten

Bosnien-Herzegowina: Schon 2003 hatte die EU dem Land mit 3,8 Millionen Einwohnern den Status eines Beitrittskandidaten in Aussicht gestellt. Dann gab es eine lange Pause. Erst 2015 trat ein Assoziierungsabkommen in Kraft. Im Februar 2016 stellte Bosnien-Herzegowina offiziell den Aufnahmeantrag für die EU. Das Problem ist der anhaltende Streit zwischen den politischen Vertretern der drei Hauptvolksgruppen Kroaten, Muslimen und Serben. Dadurch wurden entscheidende wirtschaftliche und gesellschaftliche Schlüsselreformen blockiert.

Kosovo: Das mehrheitlich von ethnischen Albanern bewohnte Kosovo (1,9 Mio. Einwohnern) hatte sich 2008 einseitig von Serbien losgesagt und die Unabhängigkeit proklamiert. Fünf EU-Mitglieder - Griechenland, Rumänien, die Slowakei, Spanien und Zypern - erkennen die Unabhängigkeit nicht an. Um neuerliche Spannungen mit Serbien zu verhindern, hatte die EU 2013 ein Normalisierungsabkommen zwischen beiden Seiten vermittelt. Seit 2016 ist ein Assoziierungsabkommen zwischen der EU und dem Kosovo in Kraft.

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