Themenüberblick

Angst vor steigenden Leitzinsen

Nach dem Kurssturz an der Wall Street sind am Dienstag auch die Leitbörsen in Europa zum Handelsstart in den Keller gestürzt. Der deutsche DAX hatte in den ersten Handelsminuten über vier Prozent an Wert verloren, konnte aber danach seine Verluste spürbar eindämmen. Auch in London und Wien sah es zu Beginn des Tages ähnlich aus. Zu Mittag präsentierten sich die Börsen schwach.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Der US-Leitindex Dow Jones war am Montag um 4,6 Prozent auf 24.346 Punkte eingebrochen. Zeitweise stürzte er um fast 1.600 Punkte ab, so viel wie noch nie in seiner Geschichte. Infolgedessen gab der Leitindex Nikkei 225 in Japan über 1.000 Punkte ab. Auch in China und Australien breitete sich Panik aus. In Sidney beschrieb ein Marktanalytiker die Situation als „echtes Blutbad“.

Aktienkurse auf einer Tafel

APA/AFP/Getty Images/Spencer Platt

Der US-Leitindex Dow Jones war am Montag zeitweise um knapp 1.600 Zähler abgesackt

Marktbeobachter geben als Grund für den Kursverfall die Angst von Anlegern vor steigenden Leitzinsen in den USA an. Bereits am Freitag hatte der US-Arbeitsmarktbericht die Stimmung der Anleger kippen lassen. Das trotz boomender Wirtschaft bisher verhaltene Lohnwachstum fiel stärker als erwartet aus - das könnte auch die Inflation in Gang bringen. Das wiederum würde die Notenbank zwingen, die Leitzinsen schneller als bisher geplant zu erhöhen.

Börsen konnten sich erholen

Der EURO STOXX 50 stand gegen 10.30 Uhr mit minus 1,57 Prozent oder minus 54,49 Punkte bei 3.424,28 Einheiten. Nach den ersten Panikverkäufen zur Börseneröffnung notierte der DAX am Vormittag 1,84 Prozent oder 233,42 Zähler tiefer auf 12.454,07 Punkten. In London zeigte sich der FTSE 100 mit minus 1,58 Prozent oder minus 116,06 Einheiten auf 7.218,92 Punkte. Er notierte zum Start noch fast fünf Prozent tiefer, konnte aber dann ebenfalls seine Verluste eindämmen.

Auch die Wiener Börse konnte ihr Minus im Vormittagsverlauf bereits wieder deutlich eingrenzen. Der ATX wurde gegen 9.45 Uhr mit 3.407,88 Punkten nach 3.506,85 Einheiten am Montag errechnet, das ist ein Abschlag von 98,97 Punkten bzw. 2,82 Prozent. Zu Mittag wurde ein Minus von 2,49 Prozent angegeben. In den ersten Handelsminuten war der Leitindex noch um knapp fünfeinhalb Prozent eingebrochen - mehr dazu in wien.orf.at.

Kein Crash, aber Korrektur

Für Peter Brezinschek, RBI-Chefanalyst, ist der Absturz der New Yorker Börse noch lange kein „Crash“, wie er sagt. „Das ist übertrieben, wenn vorher der Börsenindex Dow Jones 40 Prozent nach oben rennt.“ Er will lieber vom „Beginn einer volatilen Seitwärtsbewegung“ sprechen. „Noch muss man nicht die Alarmglocken läuten, dass man sich am Aktienmarkt warm anziehen muss“, sagt Brezinschek.

Die entscheidende Frage stelle sich am Rentenmarkt. Dort sieht der RBI-Chefanalyst eher eine Crashgefahr. „Dort findet eine signifikante Korrektur statt.“ Sollten die zehnjährigen US-Renditen die Dreiprozentmarke nach oben knacken, müsste man sich auf eine längere Korrekturphase einstellen. „Jetzt kommt die Normalisierung auf der Zinsseite, die Normalisierung auf den Aktienmärkten folgt“, so Brezinschek, der einen künftigen Abwärtstrend für „wenig wahrscheinlich“ hält.

Gewinnwachstum und Gewinnmoment hätten noch nicht den Gipfel erreicht, auch aufgrund der US-Steuerreform. Das seien noch keine Zutaten, die einen Bärenmarkt auslösten. Ein langfristiger Abwärtstrend zeichnet sich laut Brezinschek dadurch aus, dass es stetige kleinere Kursverluste gebe und dann bei Anlegern Ernüchterung und Enttäuschung eintritt: „Jetzt schmeiß’ ich meine Aktien auf den Markt.“

„Flash Crash“ an der Wall Street

Zuvor hatten Marktanalysten von einem Crash der Aktienmärkte gesprochen. Craig Erlam vom Devisenbroker Oanda bezeichnete den Kurssturz an der Wall Street als „Flash Crash“ und Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners ergänzte: „Viele Anleger sind regelrecht in Panik verfallen.“

Kurssturz in Asien und Australien

Nachdem der US-Leitindex Dow Jones am Montag eingestürzt war, sind auch die Börsenkurse in Asien und Australien gefallen.

Die Flucht aus Aktien sei dabei durch zahlreiche Stop-Orders beschleunigt worden, die Anleger eigentlich setzen, um sich vor allzu großen Verlusten zu schützen. Marktbeobachter Daniel Saurenz von Feingold Research sah im freien Fall des Dow Jones „den schwärzesten Tag für die Aktienmärkte seit Jahren“. Einen Tag später erholte sich der Dow Jones wieder langsam. Die US-Börsen gaben am Dienstag zur Eröffnung nur kurzfristig weiter nach und drehten bereits nach einer Viertelstunde um 1,4 Prozent ins Plus.

Links: