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Industrie verlangt Gesetzesänderung

In Neuseeland wird der kommerzielle Fischfang künftig nahezu lückenlos überwacht. Videokameras sollen vor allem auch belegen, dass „sauber“ gearbeitet wird, und so das Image der Fischereiwirtschaft aufpolieren. Diese fürchtet allerdings das Gegenteil.

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Mehrere Unternehmen hätten die Regierung ersucht, Videomaterial, das verendete Tiere in Fangnetzen zeigt, nicht zu veröffentlichen, berichtete der britische „Guardian“ Anfang des Jahres. Dieses sei eine potenzielle Bedrohung für den Ruf der Branche und der „Marke Neuseeland“. Innerhalb der Industrie wachse der Unmut über die Pläne des zuständigen Ministeriums für Fischerei und Landwirtschaft (Ministry of Primary Industries, MPI), den kommerziellen Fischfang praktisch lückenlos zu überwachen.

GPS und Überwachungskameras

Laut einer Vorschrift des Ministeriums werden Trawler mit einer Länge von über 28 Metern ab 1. Oktober mit Videokameras, die den Fang dokumentieren, ausgestattet. Ein GPS-System zeichnet bereits jetzt die Route, ein E-Logbuch die Abläufe an Bord auf. Teilweise gelten die Regeln schon seit dem Oktober des Vorjahres.

Mit mehr Informationen könne man bessere Entscheidungen für die Fischereiwirtschaft treffen, argumentiert das Ministerium. Das bedeute nachhaltige Fischerei. Außerdem könnten sich die Konsumenten sicher sein, dass der neuseeländische Fisch nachhaltig gefangen werde. Dort, wo illegal gefischt wird, lieferten die Daten den Behörden Informationen für die Strafverfolgung.

Beifang meist einfach über Bord geworfen

Die Kameras sollen vor allem den Beifang dokumentieren. Der ist ein eigenes Problem der Fischereiwirtschaft. Als Beifang werden Meeresbewohner bezeichnet, die ungewollt in den Netzen landen. Teils wird der Beifang wieder über Bord geworfen, nicht überall ist das legal - etwa in Neuseeland. Die nationalen Gesetze sind sehr unterschiedlich.

Umweltschutzorganisationen wie der World Wildlife Fund für Nature (WWF) gehen davon aus, das jährlich Hunderttausende Haie, Wale, Delfine und auch Meeresvögel in Fangnetzen verenden. In den Netzen und an den Langleinen in den Gewässern vor Neuseeland verfangen sich auch unzählige Robben, Pinguine und Seelöwen, wie viele, ist unklar. Umweltschützer gingen davon aus, dass die Fischerei der Grund für das langsame Verschwinden von Seelöwen und Gelbaugenpinguinen, die nur in Neuseeland vorkommen, sei.

Ein neuseeländischer Gelbaugenpinguin

Getty Images/Gregor Schfer/Eyeem

Gelbaugenpinguine kommen nur in Neuseeland vor und gelten als stark gefährdet

Bisher fischten nur wenige Trawler kontrolliert, hieß es im „Guardian“. Das neuseeländische National Institute of Water and Atmospheric Research (NIWA) gehe davon aus, dass auf jedes Kilogramm nutzbaren Fisch 0,2 Kilogramm Beifang kommen. „Das sind Bilder, die die Fischereiindustrie nicht sehen will“, zitierte die britische Zeitung den Vorsitzenden der Naturschutzorganisation Forest & Bird, Kevin Hague - und sie will auch nicht, dass jemand anderer die Bilder sieht.

Tierschutz versus „Marke“

In einem Brief an das MPI forderten die Vorstände von fünf großen Unternehmen aus der fischverarbeitenden Industrie eine Änderung des Gesetzes (Fisheries Act) dahingehend, dass Videomaterial nicht mehr auf Anfrage von Medien und Umweltschutzorganisationen herausgegeben werden darf. Das Gesetz in seiner derzeitigen Form sei ein „signifikantes Risiko“ für die „Marke Neuseeland“.

Es gehe nicht darum, Informationen zu verstecken, sagte der Vorsitzende des Fischereiverbandes Fisheries Inshore New Zealand, Jeremy Helson, gegenüber dem TV-Sender Newshub. Es gehe darum, die Persönlichkeitsrechte und Interessen der Fischer zu schützen. Das Töten von Pinguinen und Delfinen sehe „im TV wirklich schlimm aus“, sagte Hague. Aber die Lösung könne nicht sein, Beweise dafür zu verstecken, sondern damit aufzuhören. Nichts würde mehr Glaubwürdigkeit zerstören, als zu versuchen, ein Gesetz so zu biegen, dass „wir nicht sehen können, was da draußen passiert“.

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