Einige Mitarbeiter bereits weg
Mit 15 Maschinen will Niki Lauda, Gründer und erneuter Besitzer der insolventen Fluglinie Niki, ab Ende März unter dem neuen Namen LaudaMotion wieder Flüge vor allem zu Urlaubsdestinationen anbieten. Ob er dafür genügend Mitarbeiter und auch Maschinen hat, wird sich in kommenden Tagen zeigen.
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Rund 1.000 Mitarbeiter hatte Niki zuletzt, die in den letzten Monaten einige Turbulenzen zu überstehen hatten. Niki war nach der Insolvenz der Mutter Air Berlin vergangenen Sommer insgesamt dreimal verkauft worden. Rund 50 Flugbegleiter haben laut Angaben von Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits die Fluglinie bereits verlassen, Piloten sind in Europa derzeit ohnedies sehr gefragt - viele der derzeit 220 Piloten hätten schon andere Angebote oder seien zumindest in Gesprächen, so Tankovits.
Beziehung nicht immer die beste
Die Beziehung zwischen den Mitarbeitern und Lauda war nicht immer die beste: Unter Laudas Führung waren Piloten etwa über Zeitarbeitsverträge beschäftigt. Die Beschäftigten hatten sich zuletzt für Vueling und deren British-Airways-Mutter International Airlines Group (IAG) und gegen Lauda ausgesprochen. Doch Lauda habe nun verbindlichere Zusagen gemacht und sei bereit zu einem Kollektivvertrag, sagte Tankovits. „Dementsprechend werden wir jetzt mit dem Ergebnis arbeiten müssen.“ Allen Mitarbeitern sei ein Arbeitsvertrag in Aussicht gestellt worden - Audio dazu in oe1.ORF.at.
Am Mittwochvormittag will Lauda persönlich auf dem Flughafen Wien-Schwechat die Mitarbeiter informieren und seine Pläne erläutern. In der ZIB2 sagte Lauda, er rechne damit, dass er die Mehrheit der verbliebenen Mitarbeiter, laut Lauda rund ein Drittel, für den Neustart begeistern könne. Er wies erneut die Darstellung zurück, er sei ein schlechter Arbeitgeber. „Die Bezahlung bei der Niki ist heute noch höher als bei der Eurowings“, so Lauda.
Lauda garantiert 15 Maschinen von Lufthansa
Die Lufthansa hatte 15 Maschinen von Niki weiterbetrieben, da sie ursprünglich den Ferienflieger übernehmen wollte. Nun spricht Niki Lauda von einer Garantie, mit diesen Flugzeuge operieren zu dürfen.
Ausschlaggebend für den Zuschlag sei die Betriebslizenz seiner Fluglinie LaudaMotion gewesen, die ihm den Start bis Ende März ermögliche, so Lauda weiter. Über den finalen Preis wollte er weiter keine Angaben machen, IAG habe das letzte Angebot aber nicht erhöht. „Da musste man nicht mehr viel drauflegen.“ Er habe den Kaufpreis selbst hinterlegt.
Lauda will 15 Maschinen von Lufthansa
Offen ist anscheinend auch noch die Verfügbarkeit der Maschinen, mit denen LaudaMotion abheben soll. 15 Flugzeuge will Lauda von der Lufthansa zurückholen. Die Lufthansa hatte die Maschinen von Niki weiterbetrieben, da sie ursprünglich den Ferienflieger übernehmen wollte. Die Fluggesellschaft muss sie nach einer Vereinbarung mit der EU nun aber an den Erwerber weitergeben.
Gegenüber der „Presse“ sagte Lauda, die Maschinen seien bereits „gesichert“. Sie würden geleast, dazu gebe es bereits eine Vereinbarung. „Eine abschließende Vereinbarung liegt noch nicht vor“, erklärte hingegen die Lufthansa. In der ZIB2 sagte Lauda dazu, es gebe eine schriftliche Vereinbarung mit der Lufthansa, die habe er bei den Übernahmeverhandlungen bereits vorgelegt.
Niki ging gegen Insolvenzverfahren in Österreich vor
Auch rechtlich gab es bis zuletzt noch Unwägbarkeiten. Die Entscheidung des deutschen Bundesgerichtshofs zum Neustart des Insolvenzverfahrens in Österreich stand bis Mittwoch noch aus. Niki selbst hatte gegen den Beschluss des Landgerichts Berlin, wonach die Insolvenz von Niki in Österreich und nicht in Deutschland abgewickelt werden müsse, Beschwerde in Karlsruhe eingelegt. Ursprünglich hatte sich das Amtsgericht Charlottenburg für die Niki-Insolvenz für zuständig erklärt, weil das operative Geschäft und die Führung von Niki am Sitz der Konzernmutter Air Berlin angesiedelt gewesen seien. Das Unternehmen zog allerdings seine Beschwerde gegen die Entscheidung zurück, dass die Insolvenz in Österreich abgewickelt werden muss.
IAG „enttäuscht“ über Zuschlag
Ob die IAG, die im deutschen Insolvenzverfahren für 36,5 Mio. Euro den Zuschlag für Niki erhalten hatte, gegen den Verkauf an Lauda vorgehen will, ließ diese selbst am Dienstag aber noch offen. Die British-Airways-Mutter bedauerte in einer Stellungnahme, den Zuschlag beim Verfahren in Österreich nicht bekommen zu haben. „IAG ist enttäuscht, dass Niki nicht in der Lage sein wird, sich als Teil der Gruppe zu entwickeln und zu wachsen“, teilte der Konzern in einer kurzen Mitteilung in London mit.
Auch einige Luftfahrtexperten sehen es kritisch, dass Niki nicht von einem größeren Anbieter mit entsprechender finanzieller Ausstattung übernommen wurde. Der Gläubigerausschuss habe womöglich die für ihn vorteilhafteste Lösung gewählt, der Airline aber keinen Gefallen getan, so Analysten. Lauda will sich vor allem als Charteranbieter auf den touristischen Sektor konzentrieren und als Ferienflieger punkten.
Experte zeigt sich überrascht
Der Luftfahrtexperte Kurt Hofmann zeigte sich eher überrascht über den Deal. Er verwies darauf, dass Lauda nun IAG die geleisteten Überbrückungskosten abgelten müsse, bis Mitte März aber keinerlei Einkünfte haben werde und auch bis dahin weiter etwa Löhne zahlen müsse. Das Konzept von IAG wäre eine Strategie gewesen, Wien als Standort im europäischen Luftraum nachhaltig größer aufzustellen. Vueling werde aber nun eine eigene Basis in Wien gründen, das sorge wohl für mehr Wettbewerb - Audio dazu in oe1.ORF.at.
Laudas erste Fluglinie, die Ende der 1970er Jahre gegründete Lauda Air, hatte Lauda 2001 an die Austrian Airlines (AUA) verkauft. 2003 machte Lauda aus der insolventen Aero Lloyd die Fluglinie Niki. Schon bald holte er Air Berlin als Teilhaber und Vertriebspartner ins Boot. 2011 übernahm die deutsche Fluglinie Niki, und Lauda ging erneut von Bord. Anfang 2016 übernahm er schließlich das Wiener Bedarfsflugunternehmen Amira Air, das heute LaudaMotion heißt. Die Gesellschaft bietet Charterflüge für finanzkräftige Kunden an.
Politik sieht Arbeitsplätze gesichert
Die heimische Politik ist erfreut über den Verkauf an Lauda. Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ), selbst einst Flugzeugtechniker bei Lauda Air, begrüßte den Zuschlag. Sein Ministerium habe sichergestellt, dass Nikis Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC) trotz Insolvenz aufrechtbleibt. Es sei gut für den Standort, dass die Fluglinie in österreichische Hände komme. Hofer rechnet auch nicht mit rechtlichen Problemen: „Das ist fast völlig ausgeschlossen.“ Auch die Flugzeuge stünden laut Auskunft von Lauda zur Verfügung, so Hofer.
Zustimmung gab es auch von Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP). Jede Entscheidung, die ein Fortbestehen von Niki zur Folge habe, sei „eine gute Entscheidung“, sagte Löger am Dienstag in Brüssel. Von einer Einflussnahme der österreichischen Regierung auf die Entscheidung wisse er nichts: „Ich geh davon aus, dass es eine ganz normale Vergabe war.“
Lauda selbst hatte erklärt, von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Verkehrsminister Hofer unterstützt worden zu sein, ohne allerdings Details zu nennen. In der ZIB2 sagte er, es habe sich dabei rein um Zuspruch für eine österreichische Lösung gehandelt. Kurz und auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) zeigten sich ebenfalls erfreut über den Zuschlag, mit dem Arbeitsplätze gesichert seien.
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