Hälfte der Bevölkerung unter 35
Der Iran ist seit der Revolution von 1979 eine Islamische Republik, in der der schiitische Klerus in zentralen Fragen das letzte Wort hat. Dennoch ist das persisch geprägte Land mit einer jahrtausendealten Geschichte weltoffen.
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Denn die Religion hat auch 37 Jahre nach der Revolution im Alltagsleben der Menschen nicht den vom konservativen Klerus erhofften Status erreicht. Besonders über Internet und Satellitenfernsehen verfolgen viele Iraner - nicht nur die junge Generation - das Leben im Ausland. Die Bevölkerungsmehrheit will persisch bleiben, aber zugleich ein wenig einen westlichen Lebensstil ausleben. Auch dank Sozialer Netzwerke verbreiten sich Kenntnisse von Fremdsprachen, vor allem Englisch.
Umstrittenes Kontrollsystem
Oberster Führer des Landes wurde nach dem Sturz des Schahs 1979 der Revolutionsführer Großajatollah Ruhollah Chomeini. Ihm folgte nach seinem Tod 1989 Ajatollah Ali Chamenei. Laut Verfassung hat er das letzte Wort in allen strategischen Belangen. Der Staatspräsident und das Parlament werden demokratisch gewählt. Sie handeln wie in anderen Ländern, werden aber von Gremien kontrolliert, die von Chamenei ernannt werden. Dieses Kontrollsystem ist seit Jahren umstritten, aber verfassungskonform.
Die Bevölkerung ist jung: Mehr als die Hälfte der 80 Millionen Iraner sind unter 35 Jahre. Viele, besonders Frauen, sind akademisch ausgebildet und hoch qualifizierte Arbeitskräfte. Die gebildete Mittelschicht setzte in den vergangenen Jahren auf die Reformer um Hassan Rouhani, der 2013 Präsident wurde. Viele hoffen nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen durch den Atomdeal auf bessere Zeiten.
Parallele Lebenswelten
Im Iran herrscht Reisefreiheit für alle, die es sich leisten können. Ausgenommen sind Jugendliche, die ihre Wehrpflicht noch nicht erfüllt haben. Dabei leben die Iraner in zwei parallelen Welten: zu Hause und draußen. Auf der Straße müssen alle islamische Regeln befolgen - Frauen tragen Kopftuch und Mantel, um Haare und Körperformen zu verhüllen. Zu Hause geht es dagegen meist westlich zu, auch beim Feiern.
Der Klerus kämpft beharrlich gegen den Einfluss westlicher Kultur, die - so die Befürchtung - vom Islam ablenkt. Die Sittenpolizei will die Jugendlichen zur Einhaltung islamischer Vorschriften bewegen. Bei den jungen Frauen werden dennoch die Mäntel enger, die Kopftücher kleiner, das Make-up wird auffälliger.
Zudem hat der Iran zwei Streitmächte: die Armee und die Revolutionsgarden. Die Garden spielen eine wichtigere Rolle, sind in Grenznähe postiert. Die klassische Armee kümmert sich mehr um Planung und Logistik.
Link:
- Iran (Offizielle Webpräsenz)