Kein Ende des Leids in Sicht
Der Jemen steht nach mehr als 1.000 Tagen Bürgerkrieg kurz vor dem Zusammenbruch. Es fehlt an allem: 14,5 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Auch Lebensmittel, Benzin und Medikamente werden immer knapper und teurer. Dazu kommen zerbombte Krankenhäuser, Schulen und eine Million Cholera-Fälle – die schlimmste Epidemie dieser Art, die es je gab.
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Wie das Internationale Rote Kreuz (IKR) mitteilte, haben sich mittlerweile eine Million Menschen an der gefährlichen Durchfallerkrankung angesteckt - ein Drittel davon sind Kinder. Über 2.000 Menschen sind aufgrund der verheerenden humanitären Situation an der Cholera bereits gestorben. Der Ausbruch hatte ab April dieses Jahres Fahrt aufgenommen und schnell mehrere hunderttausend Fälle erreicht.

Reuters/Khaled Abdullah
Im Jemen gibt es eine Million Cholera-Fälle, ein Drittel davon sind Kinder
Nach drei Jahren Bürgerkrieg haben laut UNO rund zwei Drittel der etwa 28 Millionen Jemeniten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Das Gesundheitssystem ist völlig kollabiert, zahlreiche Krankenhäuser wurden zerbombt, es mangelt an Sanitäranlagen, und in einigen Gebieten stapelt sich der Müll an den Straßenrändern. Dadurch konnte sich die „Krankheit der Armen“, wie Cholera genannt wird, im Jemen rasant ausbreiten.
Alle zehn Minuten stirbt ein Kind
Die meisten Menschen infizieren sich über Trinkwasser, das mit Fäkalien verschmutzt ist. Bakterien (Vibrio cholerae) setzen sich im Dünndarm fest und sondern ein Gift ab. Typische Symptome sind starke Durchfälle und Erbrechen. Die Patienten können mehr als 20 Liter Flüssigkeit am Tag verlieren, auch Mineralien werden ausgeschwemmt. Nierenversagen und Kreislaufkollaps sind die Folge. Ohne Behandlung kann Cholera besonders für Kinder, Alte und Kranke lebensgefährlich sein.
Seit mehreren Wochen warnt die UNO schon vor einem Teufelskreis aus Hunger und Cholera. „Zwei Millionen Kinder im Jemen leiden unter starker Unterernährung“, sie benötigten dringend humanitäre Hilfe, berichtete Geert Cappelaere, Regionaldirektor für den Nahen Osten des UNO-Kinderhilfswerks (UNICEF). Alle zehn Minuten würde ein Kind an einer Krankheit sterben, die zu vermeiden gewesen wäre, fügte er hinzu. Denn bei schneller Diagnose ist Cholera mit sauberem Wasser, lebenswichtigen Salzen (Elektrolyten) und einem Antibiotikum leicht behandelbar.
Blockade verschlimmerte Lage
Aber der Krieg im Jemen, erklärte Cappelaere, sei „leider ein Krieg gegen die Kinder“. Mehr als elf Millionen jemenitische Buben und Mädchen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen, seit März 2015 fast 5.000 Kinder getötet oder schwer verletzt worden. Tausende Schulen und Gesundheitszentren wurden beschädigt oder vollständig zerstört. „Man kann mit Recht behaupten, dass der Jemen für Kinder eines der schlimmsten Länder auf der Welt ist.“

Reuters//Khaled Abdullah
Sieben Millionen Menschen im Jemen stehen nach Angaben der UNO kurz vor einer Hungersnot
In dem von Krisen gebeutelten Land kämpfen seit 2014 schiitische Huthi-Rebellen gegen Truppen des sunnitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi. 2015 griff ein von Saudi-Arabien angeführtes und von den USA unterstütztes Militärbündnis in den Konflikt ein. Der Bürgerkrieg ist zum Teil ein Stellvertreterkonflikt der rivalisierenden Regionalmächte Iran, der die Huthi-Rebellen unterstützt, und Saudi-Arabien, Verbündeter von Hadi.
Anfang November verhängte das Militärbündnis eine Blockade über Jemens Flug- und Seehäfen. Nach saudischen Angaben sollten iranische Waffenlieferungen an die Huthis unterbunden werden. Der Iran dementiert Waffenlieferungen an die Huthi-Rebellen. Hilfsorganisationen beklagten, dass die Blockade die katastrophale humanitäre Situation weiter verschlimmert habe. UNO-Menschenrechtskommissar Seid bin Raad Seid Al-Hussein sprach von einem „Inferno für viele Jemeniten“. Erst nach drei Wochen wurde die Blockade wieder teilweise gelockert.
Kein Ende in Sicht
Die Regierung in Riad wird von internationalen Organisationen kritisiert, weil sie bei den Luftangriffen im Jemen zivile Opfer in Kauf nehmen würde. Im August dieses Jahres bombardierte Saudi-Arabien ein Wohnhaus, das laut eigenen Angaben ein Militärobjekt der Huthi-Rebellen gewesen sei. Mindestens 14 Zivilisten mussten sterben. „Ein (technischer) Fehler war der Grund für den unglücklichen und nicht gewollten Zwischenfall“, hieß es in einer Mitteilung.

Reuters/Abduljabbar Zeyad
Der Jemen im Süden der Arabischen Halbinsel gehört zu den ärmsten Ländern der arabischen Welt
Nach UNO-Angaben wurden bereits mehr als 8.650 Menschen getötet und 58.600 weitere verletzt. Allein vom 6. bis zum 16. Dezember seien bei saudi-arabischen Luftangriffen mindestens 136 Zivilisten getötet worden. Drei Millionen verloren ihre Häuser und fristen ein Dasein als Binnenflüchtlinge. Solange der Konflikt anhält, ist ein Ende des Leids nicht absehbar.
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