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Korruptionsvorwürfe zu Förderlizenz

Der Geschäftsführer des italienischen Energiekonzerns ENI, Claudio Descalzi, muss wegen mutmaßlicher Schmiergeldzahlungen seiner Firma bei Auftragsvergaben in Nigeria vor Gericht. Ein Richter in Mailand ordnete kurz vor Weihnachten an, dass der Prozess gegen ihn und 14 weitere Beschuldigte am 5. März beginnt.

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Wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA am 20. Dezember berichtete, seien unter anderem Descalzis Vorgänger Paolo Scaroni sowie vier Manager des Rivalen Shell und Nigerias früherer Energieminister Dan Etete mitangeklagt. Die Vorwürfe gehen auf das Jahr 2011 zurück.

Eines der größten Ölfelder

Die nigerianische Regierung hatte ENI und Shell 2011 für 1,3 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) die Konzession für die Erkundung des Ölblocks OPL245 im Golf von Guinea vor der Küste des westafrikanischen Landes erteilt. Die Justiz vermutet, dass ENI und Shell dabei erhebliche Bestechungsgelder an Geschäftsleute und Politiker zahlten.

Kolportiert werden Schmiergelder von etwa 1,1 Millionen Dollar (etwa 930.389,92 Euro), die geflossen seien, um die Lizenz 246 zu sichern. Zu der Zeit war Descalzi Leiter der ENI-Abteilung für Förderung und Produktion. Sowohl ENI als auch Shell weisen die Vorwürfe zurück.

Konzern glaubt an Unschuld

Das ENI-Vorstand vertraue weiter darauf, dass der Konzern nicht in die angeblichen Korruptionsvorwürfe verwickelt sei, und drücke Descalzi sein volles Vertrauen aus, hieß es in einer Mitteilung. Die Justiz werde das Unternehmen vom Vorwurf der Korruption freisprechen.

Nigerias derzeitiger Staatschef Muhammadu Buhari war 2015 mit dem Versprechen angetreten, gegen die grassierende Korruption in dem Land vorzugehen. In seiner Amtszeit gab es eine Reihe von Festnahmen von Funktionären aus den Reihen seines Vorgängers Goodluck Jonathan.

Aktie unter Druck

Die Nachricht vom bevorstehenden Prozess stoppte den Aufwärtstrend der ENI-Aktie an der Mailänder Börse. Zuvor hatten den Titel Nachrichten beflügelt, der Konzern habe mit der Gasgewinnung im Offshore-Feld Zohr vor Ägyptens Küste begonnen. Es wird vermutet, dass dieses Gasfeld das größte im Mittelmeer ist.

Zohr befindet sich 190 Kilometer nördlich von Port Said und hat laut ENI ein Potenzial von über 850 Milliarden Kubikmeter Gas. Descalzi bezeichnete den Zohr-Produktionsstart als Meilenstein für den italienischen Konzern. Das Erdgasfeld Zohr werde in der Lage sein, Ägyptens Energiebedarf jahrzehntelang zu decken. Im Oktober schloss ENI den Verkauf von 30 Prozent am Ölfeld Zohr in Ägypten an Rosneft ab.

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