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IS-Ableger hinter Attentat vermutet

Ägypten hat nach dem verheerenden Anschlag auf eine Moschee am Freitag nur wenig später militärisch reagiert: Die Luftwaffe begann, Stützpunkte mutmaßlicher islamistischer Extremisten auf der Halbinsel Sinai anzugreifen. Die Regierung warnt vor einem zunehmenden Einsickern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ins Land.

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Der US-TV-Sender CNN zitierte Militärsprecher Tamer Rifai am Samstag mit den Worten, die Luftwaffe habe „terroristische Elemente“ in der Region ausgemacht, angegriffen und zahlreiche Fahrzeuge, die bei dem Attentat am Freitagnachmittag verwendet worden waren, zerstört. Dabei seien „Terroristen in diesen Fahrzeugen“ getötet worden. Auch Waffen und Munition seien zerstört worden.

305 Tote und fast 130 Verletzte

Bei dem Anschlag waren nach offiziellen ägyptischen Angaben vom Samstag mindestens 305 Menschen ums Leben gekommen und zumindest 128 weitere Personen verletzt worden. Die Attentäter hatten erst nach dem Freitagsgebet an der Al-Rawdah-Moschee in der Stadt Bir al-Abed Sprengsätze gezündet und später auf flüchtende Menschen geschossen - laut Augenzeugen sogar noch auf Rettungsfahrzeuge.

Schüsse auf Flüchtende und Rettungsfahrzeuge

Die private Nachrichtenseite Al-Masry al-Youm berichtete, dass mehr als 20 Männer mit automatischen Waffen an dem Anschlag auf die Moschee beteiligt gewesen sein sollen. Bis Samstag bekannte sich niemand zu dem Attentat, als Drahtzieher wurde jedoch rasch der IS vermutet. Die Moschee gilt als Geburtsort eines bekannten lokalen Sufi-Heiligen. Der Sufismus, eine mystische Strömung im Islam, gilt für sunnitische Extremisten als Häresie.

ORF-Korrespondent El-Gawhary über die Hintergründe des Anschlags

ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary berichtet aus Ägypten, weshalb es so lange gedauert hat, bis die Sicherheitskräfte gegen die Attentäter eingeschritten sind, und wer hinter dem Anschlag stehen könnte.

EU sichert Ägypten Beistand zu

Die EU sicherte nach dem Anschlag ihren Beistand zu. „Als Europäer teilen wir die Trauer (...), als europäische Institutionen werden wir beim Kampf gegen den Terrorismus an der Seite der ägyptischen Behörden und des Volkes stehen“, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Auch NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilte den „barbarischen Terroranschlag“ auf Twitter. In Frankreich wurde die Beleuchtung des Pariser Eiffelturms zum Gedenken an die Opfer abgeschaltet. Papst Franziskus verurteilte in einem Telegramm Freitagabend das Attentat als „Akt der Brutalität gegen unschuldige Bürger, die im Gebet versammelt waren“.

Präsident kündigt Vergeltung an

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte nach dem verheerenden Anschlag in einer TV-Ansprache Vergeltung angekündigt. Die Antwort auf den Anschlag werde „hart“ sein, sagte er. „Die Streitkräfte und die Polizei werden unsere Märtyrer rächen und Sicherheit und Stabilität mit äußerster Gewalt wiederherstellen.“ Alle, die „an diesem feigen Angriff“ in irgendeiner Form beteiligt gewesen seien, würden zur Rechenschaft gezogen werden.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi bei einer Ansprache im Fernsehen

Reuters/Egypt State TV

Sisi: Die Stabilität soll mit „äußerster Gewalt“ wiederhergestellt werden

Sein Land sei im Kampf gegen den Terrorismus geeint und fest entschlossen. Der ägyptische Präsident warnte auch davor, dass Ableger des IS zunehmend in das Land einsickerten, nachdem die Terrormiliz zuletzt in Syrien und dem Irak militärisch schwer unter Druck geraten war.

Im Norden des Sinai seien die Sicherheitskräfte „nahezu täglich“ mit Angriffen von Extremisten konfrontiert, hieß es bei der BBC. Der letzte große Anschlag auf der Sinai-Halbinsel ereignete sich im Oktober 2015. Damals starben dort durch einen Sprengsatz an Bord eines russischen Passagierjets 224 Menschen. Ein ägyptischer Ableger des IS bekannte sich zu dem Attentat.

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