Themenüberblick

Robert Mugabe unter Hausarrest

Grace Mugabe, die Gattin des simbabwischen Langzeitpräsidenten Robert Mugabe, soll im Rahmen des Militärputsches bereits in der Nacht auf Dienstag ins Exil geflohen sein - möglicherweise nach Namibia, das hat die BBC am Mittwoch berichtet. Von der Armee selbst wurde das aber nicht bestätigt. Ihr Mann soll indes in Harare, der Hauptstadt Simbabwes, unter Hausarrest stehen.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Dem Bericht zufolge habe Robert Mugabe am Mittwoch in einem Telefonat mit dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma gesagt, dass er „in seinem Haus festgehalten“ werde, teilte Zumas Büro mit. Mugabe habe in dem Gespräch zugleich versichert, dass er wohlauf sei. Über den Verbleib seiner Frau gibt es bisher nur Spekulationen.

Robert und Grace Mugabe

APA/AFP/Jekesai Njikizana

Robert Mugabe soll unter Hausarrest stehen

Möglichkeiten auf Exil beschränkt

Es ist unklar, wie Grace Mugabe die Flucht gelungen sein könnte. Der Aufenthaltsort der Präsidentengattin sei jedenfalls nicht mehr Harare, so die BBC unter Berufung auf Eddie Cross, einen oppositionellen Abgeordneten der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC).

Cross zufolge seien die Möglichkeiten eines Exils aber beschränkt, Südafrika komme beispielsweise nicht infrage: Grace Mugabe soll im August im südafrikanischen Johannesburg ein Model blutig geschlagen haben. Seither seien die diplomatischen Beziehungen Südafrikas zur Präsidentengattin eher zurückhaltend. Ein Vertreter der Regierungspartei ZANU-PF, die von Grace Mugabe höchstpersönlich geführt wird, behauptete ebenfalls, die Parteichefin sei nicht mehr im Lande.

Karte zeigt das südliche Afrika

Map Resources/ORF.at

Grace Mugabe als Präsidentin gehandelt

Jahrelang stand die ehemalige Sekretärin Robert Mugabes, die 1996 zu dessen zweiter Frau wurde, im Hintergrund und fiel lediglich durch ihren luxuriösen Lebensstil auf. Nicht umsonst trägt die Südafrikanerin die Beinamen „First Shopper“ und „Gucci Grace“. Grace Mugabe war in erster Ehe mit einem Piloten und späteren Militärattache verheiratet. Mit ihrem jetzigen Ehemann hat sie zwei Söhne und eine Tochter. Vor drei Jahren wurde ihr an der Universität von Simbabwe der Doktor in Sozialwissenschaften verliehen - nach nur drei Monaten. In letzter Zeit hielt sie bei Kundgebungen in Simbabwe regelmäßig Ansprachen im Namen Robert Mugabes.

Offiziellen Berichten zufolge soll die 52-jährige Präsidentengattin seit Längerem planen, ihrem Mann an der Staatsspitze zu folgen. Robert Mugabe ist mittlerweile krank und schon sehr alt - 93 Jahre, davon hielt er sich fast vier Jahrzehnte im Amt. Mugabe wird beim Gehen inzwischen häufig gestützt, bei öffentlichen Auftritten wurde er zuletzt immer wieder schlafend fotografiert. Jedoch hatte er angekündigt, sich 2018 um eine weitere Amtszeit zu bewerben. Dennoch unterstütze er seine Frau als Nachfolgerin - wohlgemerkt für die Zeit nach seinem Tod. „Nur Gott wird mich abwählen können“, hatte der Präsident einmal gesagt.

Panzer vor dem Parlament

Nach der Übernahme der Macht besetzte das Militär am Mittwoch nach Angaben der Armee ein Waffendepot der paramilitärischen Polizei in der Hauptstadt Harare. Am frühen Morgen hatte das Militär erklärt, Ziel der Machtübernahme sei es, gegen „Kriminelle“ im Umfeld Mugabes vorzugehen. Die Verantwortlichen müssten vor Gericht gestellt werden. „Sobald wir unsere Mission erfüllt haben, erwarten wir eine Rückkehr zur Normalität“, teilte Generalmajor Sibusiso Moyo im Fernsehen mit. Von einem Putsch wollten die Streitkräfte allerdings nicht sprechen. Es gehe darum, eine „sich verschlimmernde politische, soziale und wirtschaftliche“ Krise zu überwinden.

In der Hauptstadt Harare positionierten sich Soldaten an Schlüsselpunkten. Vor dem Parlament fuhren in der Früh Panzer auf, Soldaten forderten Passanten in der Nähe des Gebäudes zur Umkehr auf. Weitere Militärfahrzeuge waren vor den Büros der Regierungspartei ZANU-PF sowie vor den Büros zu sehen, in denen der seit 1980 amtierende Präsident Mugabe sein Kabinett versammelt.

Soldaten kotrollieren den Verkehr

Reuters/Philimon Bulawayo

An wichtigen Kreuzungen in Harare wurden Panzer stationiert

Bereits am Dienstag war es zu einer verstärkten Militärpräsenz in der Hauptstadt gekommen. Soldaten regelten den Verkehr und kontrollierten die Ausweise von Passanten. In der Nacht gab es Augenzeugen zufolge mindestens drei laute Explosionen in Harare. Auch über Schüsse in der Nähe von Mugabes Wohnsitz wurde berichtet. Nach Angaben einer Regierungsquelle nahm das Militär Finanzminister Ignatius Chombo fest. Chombo war ein führendes Mitglied der G40-Fraktion der regierenden ZANU-PF.

Militär hinter entlassenem Vizepräsidenten

Die Zuspitzung der Krise ergab sich, nachdem Militärchef General Constantino Chiwenga Mugabes Regierung am Montag öffentlich gedroht hatte, die Armee sei angesichts der Krise im Land bereit „einzuschreiten“. Die Regierungspartei erklärte daraufhin am Dienstagabend, die Äußerungen Chiwengas kämen einem Verrat und der Anstachelung zur gewaltsamen Auflehnung gegen die verfassungsrechtliche Ordnung gleich.

Die politische Krise in Simbabwe um die Nachfolge des seit 1980 regierenden Mugabe spitzte sich vergangene Woche zu, als Mugabe seinen langjährigen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa feuerte. Das Militär stand bisher immer hinter Mugabe, doch auch hinter dem als „Krokodil“ bekannten Mnangagwa, der als Verbündeter von Armeechef Chiwenga gilt. Die beiden kämpften mit Robert Mugabe zusammen gegen das weiße Minderheitsregime im damaligen Rhodesien, gelten aber als entschlossene Widersacher von Grace Mugabe. Der Militärputsch wird wohl Mnangagwa den Weg ebnen.

Internationale Appelle zu Zurückhaltung

International mehrten sich nach der Machtergreifung des Militärs die Appelle, rasch und friedlich zur verfassungsgemäßen Ordnung zurückzukehren. „Wir sind davon überzeugt, dass die Simbabwer die Verfassung respektieren werden und die Nachfolge von Präsident Mugabe demokratisch vor sich gehen wird“, sagte der Präsident der Afrikanischen Union, Guineas Präsident Alpha Conde, am Mittwochabend in einem Interview der Deutschen Welle.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres rief alle Beteiligten zu „Ruhe, Gewaltfreiheit und Zurückhaltung" auf. "Die Bewahrung der Grundrechte inklusive der Rede- und Versammlungsfreiheit ist von grundlegender Bedeutung“, sagte sein Sprecher Farhan Haq in New York. Guterres beobachte die Situation und betone die Bedeutung der Lösung politischer Differenzen durch friedliche Mittel und Dialog.

Links: